Ausgrabungen in Ypern: Vermutlich tausende Skelette aus dem Mittelalter entdeckt

Bei archäologischen Ausgrabungen im Zentrum von Ypern in Westflandern sind zahllose Gräber und Skelette entdeckt worden, die vermutlich aus dem 12. oder dem 13. Jahrhundert stammen. Die Ausgrabungen fanden im Rahmen der Neugestaltung des Leet, Platz vor der Sint-Maartens-Kathedrale von Ypern statt. Die Archäologen schätzen, dass sich dort bis zu 5.000 Skelette aus dem Mittelalter befinden könnten.

Zunächst entdeckten die Archäologen unter dem Leet die Fundamente eines großen Gebäudes aus dem 13. Jahrhundert. Jetzt stießen sie auf einen Friedhof aus der Zeit davor. Der Archäologe Olivier Van Remoorter sagte dazu gegenüber VRT NWS, dass man von bis zu 5.000 Skeletten ausgeht: „Wahrscheinlich sind auch Babys und Kinder darunter.“

Bisher ist es den Wissenschaftlern noch unmöglich, die Skelette genau zu datieren, so Van Remoorter weiter: „Durch eine christliche Tradition im Mittelalter war es seinerzeit normal, keine Grabbeilagen mitzugeben. Die Menschen wurden so beerdigt, wie sie zur Welt gekommen waren. Bei den Römern z.B. wurden den Gräbern Münzen oder kleine Gefäße mitgegeben. Damit können Archäologen arbeiten, um Fundorten ein Datum zu geben. Das ist hier nicht der Fall.“

Weitere Ausgrabungen in Ypern

Etwas weiter vom Leet entfernt, am Vandepeereboomplein, wurde eine Kaimauer aus dem Mittelalter freigelegt. Damals, als der Fluss „Ieperlee“ (daher auch der Name Leet für den oben erwähnten Platz) noch ein offener Wasserlauf war, legten hier Schiffe an, die an dieser Kaimauer beladen oder gelöscht wurden.

Inzwischen gehen die Stadtverwaltung von Ypern und die Archäologen davon aus, dass auch bei den geplanten Arbeiten an der Boterstraat noch Entdeckungen gemacht werden. Da es aus dem Mittelalter in Ypern kaum Aufzeichnungen gibt, wird die Stadt von solchen Funden in letzter Zeit häufiger überrascht.

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Die Ausgrabungen sorgen für erhebliche Mehrkosten

Die Arbeiten am Leet kosten die Stadt Ypern schon jetzt mehr als 4 Mio. €, doch durch den Umfang, den die Ausgrabungen mittlerweile erreicht haben, könnten weitere 3 Mio. € an Unkosten folgen, glaubt Philip Bolle (Vooruit), Schöffe für das Kulturerbe: „Zu Beginn der Arbeiten hatten wir für die Arbeit der Archäologen 75.000 € vorgesehen. Wenn aber effektiv 5.000 Skelette ausgegraben werden müssen, dann wird sich der Finanzaufwand dramatisch erhöhen. Das kostet die Stadt viel Geld.“

„Ob alle Skelette ausgegraben werden müssen, hängt davon ab, wie tief sie liegen. Wenn sie tief genug liegen oder wenn wir die Bodenplatten für die geplanten Arbeiten erhöhen können, dann kann ein Großteil der Skelette liegen bleiben. So würden wir Zeit und Geld sparen. Nach den Probeausgrabungen können wir die möglichen Szenarien begutachten,“ so Bolle weiter gegenüber VRT NWS. 

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