Verseuchte Eier: Der Prozess um den Fipronil-Skandal hat begonnen

Vor dem Antwerpener Strafgericht hat der Prozess um den Fipronil-Skandal begonnen, der sich im Sommer 2017 von Belgien aus nach fast ganz Europa ausweitete. Seinerzeit wurden zahllose Geflügelzucht- und Eierbetriebe in Belgien und in den Niederlanden gesperrt, nach dem das nicht zugelassene Insekten- und Desinfektionsmittel Fipronil in Hühnereiern nachgewiesen wurde. 7 Einzelpersonen und 4 Unternehmen stehen in diesem Zusammenhang in Antwerpen vor Gericht. 

Die Fipronil-Krise brach im Sommer 2017 aus, nach dem das giftige und in der EU nicht zugelassene Reinigungs- und Desinfektionsmittel Fipronil für Geflügelställe oder -zuchtbetriebe in Eiern und in mit Eiern hergestellten Lebensmitteln entdeckt worden war. Der Skandal hatte seinen Ursprung bei einem Hersteller und einem Zwischenhändler für chemische Reinigungsmittel für Zuchtbetriebe in den Niederlanden und brach zunächst in Belgien aus.

Der Skandal weitete sich anschließen über 40 Länder in Europa aus - darunter 24 EU-Mitgliedsstaaten. Alleine in Belgien waren 93 Betriebe im Bereich Gefügelzucht und Eierproduktion von dem Problem Fipronil betroffen. Insgesamt wurden in diesem Zusammenhang gut 2 Millionen Hühner und fast 80 Millionen Eier vernichtet.

Verbotenes Produkt beigemischt

Die Justiz geht davon aus, dass das für die Gesundheit schädliche Produkt Fipronil bei dem inzwischen pleitegegangenen belgischen Unternehmen Poultry-Vision hergestellt wurde. Dem Mittel Dega-16, ein legales Produkt, wurde Fipronil, dass in der EU keine Zulassung hatte, beigemischt. Eine belgische Reinigungsfirma und das niederländische Unternehmen ChickFriend hatten dieses Produkt beim Säubern und Desinfizieren von Geflügelzuchtanlagen und Eierbetrieben verbotenerweise genutzt, vor allem, um damit Blutläuse zu vernichten.

Angeklagt sind in Belgien 7 Privatpersonen und 4 Unternehmen. Sie stehen im Verdacht, ein illegales Reinigungsmittel in Belgien eingeführt und genutzt zu haben. Ihnen wird auch Urkundenfälschung vorgeworfen, da auf den Etiketts des Reinigungsmittels Dega-16 nicht aufgeführt wurde, dass das Produkt Fipronil enthält. Geklagt haben insgesamt 21 Geflügelzüchter, die Schadensersatz fordern. Als Nebenkläger treten auch der belgische Staat und das belgische Bundesland Flandern auf.

Urteile in den Niederlanden

In den Niederlanden wurden in Zusammenhang mit diesem Skandal vor einigen Tagen die beiden Geschäftsführer einer Reinigungs- und Desinfektionsfirma zu einem Jahr Haft und zur Zahlung vom Schadensersatz in Höhe von mehreren Millionen Euro verurteilt worden. Wie hoch diese Summe liegen wird, muss noch berechnet werden. Den Angeklagten in Belgien drohen ähnliche Strafen. 

Die Anklage forderte am ersten Prozesstag 4 Jahre Haft für die persönlich an dem Skandal beteiligten Personen und Bußgelder von rund 900.000 € von ihnen und von den angeklagten Unternehmen. 

Welche Rolle spielte Belgiens Lebensmittelbehörde FAVV damals?

„Die belgischen Eier sind sicher“, sagte FAVV-Direktor Herman Dirickx im August 2017, doch nur kurz danach wurde bekannt, dass auch Lieferungen aus unserem Land erhöhte Fipronil-Werte aufwiesen, die über dem zulässigen EU-Wert lagen. Zudem wurde deutlich, dass sich die Ergebnisse einer FAVV-Analyse und einer Gegenexpertise deutlich unterschieden, trotz der Tatsache, dass es sich um Eier aus ein und derselben Charge handelte.

Die belgische Bundesbehörde für Lebensmittelsicherheit FAVV (Federale Agentschap voor Voedselveiligheid) wurde 1999 nach der Dioxinkrise gegründet und wacht über die Qualität unseres Essens, in dem sie u.a. die Nahrungsmittelkette kontrolliert. Bisher genoss diese Behörde eigentlich einen guten Ruf, doch spätestens diese Fipronil-Krise ließ ein anderes Licht auf dieses Amt scheinen.

Erste Untersuchungen zu Fipronil in Eiern wurden bereits Mitte Mai 2017 in Angriff genommen und seit Anfang Juni 2017 wusste die FAVV, dass ein Problem vorliegt. In aller Stille wurde analysiert und untersucht und erst am 20. Juli 2017 teilte die Lebensmittelbehörde den anderen EU-Mitgliedsländern über das europäische Warnsystem RASFF (Rapid Alert System for Food and Feed) mit, dass verbotene chemische Stoffe in Eiern gefunden wurden.

Dass die FAVV erst so spät reagierte und kommunizierte, wurde damals national und international scharf kritisiert und auch die Politik stellte sich hierzulande Fragen, genauso, wie die Verbraucherschutzverbände. Dabei wurde auch immer deutlicher, dass die Behörde der Industrie zu viel Raum zur Selbstkontrolle bietet. Dies kritisierten kleinere Lebensmittelhersteller, die z.B. Traditionsprodukte herstellen, denn hier tritt die FAVV streng auf, wenn sie der Ansicht ist, dass die Verbraucher „geschützt“ werden müssen.

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