Andreas Kockartz

Art-Nouveau in Brüssel: Das "Hotel Hannon" wird ein Museum

Nach einer gründlichen Restaurierung wird das Art-Nouveau-Gebäude „Hotel Hannon“ im Brüsseler Stadtviertel Sint-Gillies zu einem Museum. Schon im Februar 2022 soll es eröffnet werden. Die Gemeinde Sint-Gillies, die Brüsseler Hauptstadt-Region, das Horta-Museum und einige privaten Partner werden das Gebäude innen und außen in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzen.

Das „Hotel Hannon“ ist eine große Stadtvilla an der Straßenecke wo sich die Verbindingslaan und die Brugmanlaan in Sint-Gillies treffen. Das Haus ist ein Entwurf des Brüsseler Architekten Jules Brunfaut, der es in den Jahren 1902 bis 1903 für Édouard Hannon bauen ließ. Hannon gehörte zur Führungsetage des schon damals international bekannten Chemiekonzerns Solvay.

Das Gebäude, auf dessen Eckfassade eine Spinnerin abgebildet ist, wurde in einem Stilmix aus belgischer und französischer Art-Nouvau gezeichnet. Im Inneren des Hauses sind auffällige märchenhafte Fresken aus der Feder von Paul-Albert Baudoin zu finden, z.B. in der Eingangshalle und im Rauchzimmer. Einige Böden weisen prächtiges Mosaik auf und die Glasrahmen der Fenster sowie die monumentale Treppe warten darauf, entdeckt zu werden.

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Andreas Kockartz

Dass dieses Haus heute noch steht, ist eigentlich ein Wunder. Bis 1965 lebte hier noch die Tochter von Édouard Hannon. Doch danach stand das Gebäude lange leer und war Verfall und Vandalismus ausgesetzt. Aber 1976 wurde es unter Denkmalschutz gestellt und gehört seit dem zum architektonischen Kulturerbe. 1983 stellten die Behörden auch endlich das Innere des „Hotel Hannon“ unter Schutz. Inzwischen war es in den Besitz der Brüsseler Kommune Sint-Gillies gelangt, die dort eine Zeit lang eine Stiftung für Fotografie unterbrachte.

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Jetzt wurden die Pläne für die Zukunft des Hauses bekanntgemacht. Es wird zunächst gründlich restauriert. Danach kehren die Möbel zurück, die speziell für das „Hotel Hannon“ angefertigt wurden. Diese Möbel, die damals der französische Künstler Raphaël Evaldre im Tiffany-Stil entwarf, sind seit mehr als 40 Jahren ausgelagert. 

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Die Rückseite des Gebäudes
Andreas Kockartz

Ein Museum, eine Tramhaltestelle und weitere tolle Häuser

Das „Hotel Hannon“ wird quasi zu einem weiteren Architektur- und Art-Nouveau-Museum und hier soll auch die Arbeit von anderen Architekten aus diesem Baustil gewürdigt werden: Victor Horta, Henry van de Velde, Paul Hankar oder auch Gustave Serrurier-Bovy.

Das Gebäude ist leicht zu finden, denn es legt an der Tram-Haltestelle „Ma Campagne“ an der Linie 92. In der direkten Umgebung des „Hotel Hannon“ finden Interessierte ein gutes Dutzend weitere Art Nouveau-Gebäude von weiteren namhaften belgischen Architekten, wie z.B. Paul Hamesse, Victor Horta, Ernest Blerot und auch von Jules Brunfaut.

Einen Blick wert ist auch, rein architektonisch zumindest, die Haftanstalt Sint-Gillies, die ebenfalls nicht weit entfernt ist und der ebenfalls in der Nähe befindliche Park von Vorst bietet - neben weiteren interessanten Architekturperlen am Rande des Parks - einen schönen Blick auf die Brüsseler „Unterstadt“. 

Andreas Kockartz

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