Früher Lockerungen in Flandern, wenn Brüssel und Wallonien beim Impfen hinterherhinken?

"Wenn der Unterschied in der Durchimpfungsrate zwischen Flandern auf der einen Seite und Brüssel und Wallonien auf der anderen Seite weiter zunimmt, müssen wir prüfen, ob Flandern nicht früher als die anderen beiden Regionen Corona-Maßnahmen lockern kann." Das sagte der flämische Ministerpräsident Jan Jambon (Foto, N-VA, flämische Nationalisten) am Sonntagmittag in "De zevende dag" (dt.: „Der siebte Tag“), einer Talkshow der VRT.

Bei der Durchimpfungsrate liegt Flandern in Belgien an der Spitze. Dort haben bereits knapp 30 % der Erwachsenen ihre erste Impfdosis erhalten. Wallonien folgt mit knapp 29%. Aber Brüssel scheint mit 22,5 % hinterherzuhinken.

Die am vergangenen Freitag vom Konzertierungsausschuss aller belgischen Regierungen getroffenen Entscheidungen für die Monate Mai und Juni werden nicht mehr angepasst. Aber wenn die Auslastung der Intensivstationen weiter sinkt und immer mehr Menschen geimpft werden, dann kann "der Weg in die Freiheit" beschritten werden, findet Flanderns MP Jan Jambon. "Der Sommer ist jetzt unsere Perspektive."

Noch wurden keine Lockerungen für Juli und August angekündigt.  "Feststeht, dass der Bund dazu auch nicht bereit war", so Jan Jambon.

Für die Gastronomie ist eine maximale Belegung von 500 Betten in der Intensivpflege die Voraussetzung für eine Wiedereröffnung im Innenbereich
Jan Jambon (N-VA), flämischer Ministerpräsident

Sommer ist die neue Perspektive für eine Lockerung der Maßnahmen

Der nächste Konzertierungsausschuss - am 11. Mai - wird sich mit den Sommermonaten beschäftigen. Drei Tage davor dürfen die Gaststätten ihre Terrassen wieder öffnen, allerdings unter strengen Auflagen. "Auch für die Gastronomie ist eine maximale Belegung von 500 Betten in der Intensivpflege die Voraussetzung für eine Wiedereröffnung im Innenbereich."

Nach den neuesten Zahlen sind derzeit noch 875 Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt. "Die Lage scheint sich zu bessern, aber keiner von uns will mit dem Feuer spielen. (...) Es kann aber plötzlich schnell gehen, wir müssen die Zahlen täglich im Auge behalten."

Der Virologe Marc Van Ranst findet es wichtig, dass Ministerpräsident Jan Jambon kein konkretes Datum für eine weitere Lockerungen nannte, sondern sich hauptsächlich auf die Belegung der Intensivstationen bezog. "Das ist tatsächlich ein wichtiger Parameter, und viel sicherer als jedes Datum", fügte Van Ranst hinzu.

Durchimpfungsrate

Jan Jambon wies außerdem darauf hin, dass in der zweiten Junihälfte die am meisten gefährdeten Personen geimpft sein werden.

"Für mich ist das am wichtigsten: Der Unterschied zwischen den Impfraten in Flandern auf der einen und Wallonien und Brüssel auf der anderen Seite ist ein Thema, mit dem sich die Politik irgendwann aber auch auseinandersetzen muss", so Jambon, "vor allem wenn es darum geht, über weitere Lockerungen zu entscheiden. Wenn dieser Unterschied bei der Durchimpfungsrate grösser wird, muss das ein Element bei der Entscheidungsfindung werden".

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