Arbeitgeberpräsident Pieter Timmermans (VBO)

Lohnerhöhungen in der Privatwirtschaft: Arbeitgeber warnen – Druck in der Regierungskoalition?

Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen für die Beschäftigten in der Privatwirtschaft in Belgien liegt der Ball jetzt bei der Bundesregierung, die die Lohn- und Gehaltserhöhungen jetzt festlegen muss, da sich Arbeitgeber und Arbeitgeber nicht einigen konnten. Die Arbeitgeber warnen vor einer zu hohen Lohnmarge, doch gerade das fordern die linken Koalitionspartner in der Regierung.

Pieter Timmermans (Foto oben), der Vorsitzende des belgischen Arbeitgeberverbandes VBO sagte am Sonntag in der VRT-Sendung „De zevende dag“ („Der siebte Tag“), dass die Regierung sich hüten solle, eine zu hohe Lohnerhöhung zu gewähren. Schon jetzt zeigten sich Nachteile gegenüber dem Nachbarland Deutschland in dieser Frage.

Tarifverhandlungen gescheitert

Die Arbeitgeber wollten den Beschäftigten eine Lohnerhöhung für 2021 und 2022 um 0,4 % zusätzlich zum Index (2,8 %) gewähren. Die Gewerkschaften lehnten das ab und damit waren die Tarifverhandlungen gescheitert, weshalb jetzt die Regierung am Zuge ist.

Nicht einig?

Doch in der belgischen Bundesregierung ist man sich in dieser Frage nicht wirklich einig. Timmermans erinnerte daran, dass die Regierung gleich zweimal den Standpunkt vertreten habe, dass man an der Lohnnorm in Belgien festhalte. Inzwischen sagen die sozialistischen Koalitionspartner (die PS im frankophonen Belgien und Vooruit in Flandern), dass die Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft eine deutlichere Lohnerhöhung bekommen sollten.

Lohnnorm in Frage gestellt?

Die Grünen (Ecolo im frankophonen Spektrum und Groen in Flandern) fordern sogar, das Thema Lohnnorm neu zu besprechen. Erneut erwies sich also hier die in Belgien geltende Lohnnorm, die sich an der Entwicklung von Löhnen und Gehältern orientiert, die in den Nachbarländern (D, NL, F) gezahlt werden, als eines der Hindernisse. Diese Lohnnorm bedeutet, dass die Einkommen in diesem Sektor aktuell nur um 0,4 % steigen dürfen. Hinzu kommt aber noch der Index, bei dem sich die Bezüge an der Kostenentwicklung für einen bestimmten Warenkorb orientieren. Der liegt derzeit bei 2,8 %.

"Lohn-Entgleisung"

VBO-Präsident Timmermans warnt vor einer „Lohn-Entgleisung“, denn dies könne zu mehr Arbeitslosigkeit führen und von der Forderung der sozialistischen Parteien, bei nur 0,4 % Lohnerhöhung für die Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft die Gehälter der CEO’s einfrieren zu lassen und die Ausschüttung von Dividenden zu blockieren, hält er gar nichts.

Druck auf dem Kessel

Damit zeigt sich also, dass die Themen Lohnerhöhung und Lohnnorm für Druck auf dem Kessel der „Vivaldi“-Koalition (eine 7-Parteien-Koalition aus Open VLD und MR - Liberale, CD&V - flämische Christdemokraten, Vooruit und PS - Sozialisten MR, Groen und Ecolo - Grüne) sorgen. 

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