2 Jahre nach der Ermordung von Julie Van Espen: "Schenken Sie heute jemandem, der Ihnen nahe steht, Blumen".

Vor genau zwei Jahren wurde die 23-jährige Studentin Julie Van Espen in Antwerpen ermordet. Zum Gedenken an sie und um andere Opfer sexueller Gewalt zu ermutigen, ruft das Beratungs- und Infozentrum über sexuell übergriffiges Verhalten PUNT.VZW auf, einem/r Angehörigen Blumen zu schenken. 

Im vergangenen Jahr war die Aktion #bloomforchange erstmals von PUNT.VZW und den Eltern und Freunden von Julie Van Espen veranstaltet worden. “Dieses Jahr organisieren wir #bloomforjulie und rufen auf, einem oder einer Angehörigen eine Blume oder einen Blumenstrauß zu schenken”, sagt Sophie van Reeth vom Beratungszentrum: “Auf unserer Website können die Leute ein Etikett ausdrucken, das sie an den Blumen befestigen. Das Foto der Blume oder des Straußes kann auf unserer Facebook-Seite oder auf Instagram unter #bloomforjulie geteilt werden." 

Julie Van Espen verschwand am 4. Mai 2019, als sie mit dem Fahrrad unterwegs war, um Freunde in Antwerpen zu besuchen. Zwei Tage später fanden die Ermittler ihre Leiche im Albert-Kanal in Antwerpen. Ihr Mörder, Steve Bakelmans, war wegen Vergewaltigung zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden. Bakelmans legte gegen das Urteil Berufung ein und kam vorerst frei, ohne Auflagen. Das Berufungsverfahren hatte sich zu dem Zeitpunkt des Mordes schon fast zwei Jahre hingezogen.

Aktionsplan gegen sexuelle Gewalt

"Julie hat Blumen sehr geliebt", erklärte Van Reeth: “Auf diese Weise wollen wir uns nicht auf die traurigen Fakten konzentrieren, sondern Julie in Erinnerung behalten, die anderen Opfer sexueller Gewalt ermutigen und die Aufmerksamkeit auf das Thema lenken." 

Vor einem Jahr startete die gemeinnützige Organisation ihre Kampagne für einen Aktionsplan gegen sexuelle Gewalt, für den sie 15.000 Unterschriften sammelte.  

In der Zwischenzeit hat sich bereits etwas geändert”, stellt Sophie Van Reeth fest: “Zum Beispiel wird in jeder Provinz ein Betreuungszentrum für Opfer von sexueller Gewalt eingerichtet. Darüber hinaus werden Polizeibeamte, Staatsanwälte und Richter in dieser Thematik besser geschult. Und auch rechtlich gibt es Änderungen: Sexueller Missbrauch von Minderjährigen verjährt nicht mehr. Im April legte Justizminister Van Quickenborne (Open VLD) außerdem einen Entwurf vor, um Vergewaltigungen härter zu bestrafen: Das Strafmaß wird von 5 auf 10 Jahre erhöht, mit zusätzlichen erschwerenden Umständen." 

Es gibt noch Verbesserungsmöglichkeiten. Viele Organisationen befassen sich mit sexueller Gewalt und leisten gute Arbeit. Wer Hilfe braucht, weiß oft nicht, welche die richtige Anlaufstelle ist, erklärt Van Reeth: “Hier sollte mehr Klarheit herrschen. Darüber hinaus könnte die Unterstützung viel zugänglicher sein. Und natürlich ist auch die Einstellung der Gesellschaft gegenüber sexueller Gewalt ein Problem. Eine einzelne Kampagne wird dieses Problem nicht lösen. 

Jonas Roosens

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