Bauer aus der Wallonie verrückt Grenzstein: Belgien ein bisschen größer, Frankreich kleiner

Ein Bauer aus dem Hennegau hat einen 200 Jahre alten Grenzstein ein paar Meter nach Frankreich verrückt. Damit hat er ungewollt den Vertrag von Kortrijk von 1820 verletzt. Das haben Lokalhistoriker jetzt entdeckt und das Interesse der internationalen Medien geweckt. 

Es ist nicht bekannt, wann der wallonische Bauer den belgisch-französischen Grenzstein von seinem angestammten Platz entfernt hat. Entdeckt wurde die Missetat erst vor Kurzem von drei lokalen Historikern, die die 200 Jahre alten Grenzsteine zwischen Frankreich und Belgien aufspüren und herausputzen wollten.  

Die Grenzmarkierungen gehen auf den Vertrag von Kortrijk aus dem Jahr 1820 zurück. Nach der Niederlage Napoleons bei Waterloo wurde die Grenze zwischen Frankreich, Luxemburg und dem späteren Belgien festgelegt. Seitdem wurde sie kaum mehr verändert. 

Den drei Historikern fiel auf, dass mit dem Grenzstein im Bois de Féfu etwas nicht stimmte. Dieser Wald liegt an der Grenze zwischen dem belgischen Dörfchen Montignies-Saint-Christophe, ein Ortsteil von Erquelinnes in der Provinz Hennegau, und dem französischen Städtchen Bousignies-sur-Roc. Im Vergleich zu den historischen Karten schien der Stein mehr als zwei Meter zu tief in Frankreich zu liegen.  

Dem Bauer war der Stein beim Bestellen seines Feldes wohl ein Dorn im Auge. "Er muss einen Traktor benutzt haben, denn das Ding wiegt über 150 Kilogramm", sagte die Bürgermeisterin von Bousignies-sur-Roc, Aurélie Welonek, kürzlich gegenüber der Zeitung La Voix du Nord.   

Die Steinverrückung wäre wohl eine Randnotiz geblieben, wenn die BBC und andere internationale Medien die belgisch-französische "Grenzkrise" nicht amüsiert hätte.

Was vor zwei Jahrhunderten wahrscheinlich einen diplomatischen Zwischenfall ausgelöst hätte, wird heute mit einem Lächeln erledigt. David Lavaux, der Bürgermeister von Erquelinnes, betont, dass er den Grundstücksbesitzer bitten werde, den Grenzstein wieder an seinen früheren Platz zu versetzen. Und damit wäre der Fall abgeschlossen. 

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