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Cyber-Attacke mit 40 Millionen Angriffen: Belnet und Staatsanwaltschaft erstatten Anzeige bei der Computer Crime Unit

Der Internetdienstleister Belnet, der seit Dienstag Opfer eines enormen Cyber-Angriffs ist,  und die Bundesstaatsanwaltschaft erstatten gemeinsam mit dem Zentrum für Cyber-Sicherheit der belgischen Bundesbehörden Anzeige wegen der Attacke. Die „Federal Computer Crime Unit“ (FCCU) der belgischen Bundespolizei hat entsprechende Ermittlungen aufgenommen.

Inzwischen scheint der Angriff mehr oder weniger unter Kontrolle zu sein. Das Netzwerk von Belnet, dass u.a. viele staatliche Webseiten verwaltet (siehe nebenstehenden Beitrag), war seit dem späten Dienstagvormittag Ziel einer sogenannten DDos-Attacke, bei der die Systeme mit zahllosen Emails belagert werden und somit derart belastet werden, ist, dass viele Internetseiten zeitweise nicht mehr zu erreichen sind. 

Wie jetzt analysiert werden konnte, wurden die belgischen Behördenwebseiten mit rund 40 Millionen Emails angegriffen, die aus 29 verschiedenen Ländern abgeschickt wurden. Diese Länder, darunter z.B. Bahrein und Tschechien, fungierten wohl nur als "Zwischenstation". Zudem sollen für diesen Angriff 250.000 IP-Adressen genutzt worden sein. 

Offenbar war es genau das, was die Angreifer erreichen wollten, nämlich die öffentlichen Webseiten der Behörden und der Regierungen (Staat, Länder und Regionen, Gesundheits- und Bildungswesen, die Steuerbehörden, öffentlich-rechtliche Medien…) lahmzulegen. Es gab wohl keinen Datendiebstahl oder Infiltrierungen in Systeme.

Die rund 200 Behörden, die mit Belnet arbeiten, waren von der Attacke betroffen - manche mehr und manche weniger. Zeitweise hatten die Redaktionen unseres Hauses (der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Flandern VRT) Probleme, wovon auch und gerade die Online-Redaktionen betroffen waren, bzw. internetabhängige Vorgänge.  

Auch am Mittwoch waren die Probleme noch nicht ganz vom Tisch, doch die allermeisten Bereiche konnten wieder arbeiten. Den Angriff abzuwehren, war kein leichtes Spiel, wie Dirk Haex, der technische Leiter von Belnet erklärte. Die Angreifer haben offenbar ständig ihre Vorgehensweise geändert, wodurch das Ganze zu einem digitalen Katz‘-und-Maus-Spiel wurde. 

Premier De Croo: "Jeden Tag mit solchen Angriffen konfrontiert"

Belnet wird übrigens hoch gelobt, denn das Unternehmen schaffte es weitgehend, den Angriff noch im Laufe des Tages mehr oder weniger abzuwehren und kommunizierte gleichzeitig offen mit allen Einrichtungen, die mit dem Anbieter arbeiten und mit den Medien. 

Premierminister Alexander Dr Croo (Open VLD) sagte am Mittwoch: "So etwas ist leider eine neue tägliche Realität. Wir müssen und darauf vorbereiten. Jeden Tag werden wir in unserem Land mit solchen Cyberangriffen konfrontiert, doch der Umfang dieser Attacke war neu für uns. Wir haben so etwas aber schon in anderen Ländern beobachtet. 

Wer hinter dem Angriff steht, ist unklar, doch am Dienstag wurde suggiert, dass die Chinesen dahinter stehen könnten, denn gerade wird auf parlamentarischer Ebene in Belgien über den Umgang Chinas mit der moslemischen Minderheit der Uiguren diskutiert… 

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