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Biostatistiker zu 1 Million Corona-Ansteckungen: "In der Realität sind das ungefähr 3 Millionen"

Statistisch gesehen haben sich in Belgien seit Ausbruch der Corona-Epidemie über 1 Million Bürger mit dem Virus Covid-19 angesteckt. Doch in der Wirklichkeit liegt diese Zahl wesentlich höher. Nach Ansicht des Biostatistikers Geert Molenberghs (UHasselt/KU Leuven - Foto) könnte es realistisch gesehen auch schon zu rund 3 Millionen Infizierungen gekommen sein.

Das staatlich-wissenschaftliche Gesundheitsamt Sciensano registrierte bis heute nach offizieller Zählung 1.003.746 Infizierungen mit dem Coronavirus in unserem Land. Doch nach Berechnungen und Einschätzungen des Biostatistikers Geert Molenberghs, der den Universitäten von Hasselt in Limburg und Löwen in Flämisch-Brabant verbunden ist, waren es wohl deutlich mehr Ansteckungen, wie er am Donnerstag gegenüber VRT NWS:

„Einschätzungen geben an, dass wir bei ungefähr 3 Millionen Fällen sind. Das ist dreimal mehr als die bestätigten Fälle. Viele Menschen sind asymptomatisch und wissen nicht, dass sie Covid-19 durchmachen. Wir können dabei nicht einmal von krank sein sprechen, sondern nur von angesteckt.“ 

Viele Menschen sind asymptomatisch und wissen nicht, dass sie Covid-19 durchmachen.“

Geert Molenbergs, Biostatistiker

Vor allem in der ersten Welle von März bis April 2020 war die Testkapazität in Belgien noch sehr eingeschränkt und deshalb wurde laut Molenberghs damals auch bei Symptomen oft nicht getestet. 

In der Gruppe der 65-Jährigen sind noch viele Krankenhauseinlieferungen, deshalb noch der Aufruf zur Vorsicht, doch der Rückgang ist eingesetzt.“

Geert Molenbergs, Biostatistiker

Inzwischen sinken die durchschnittlichen Tageszahlen bei den neuen Infizierungen mit Covid-19, die Zahl der Krankenhausaufnahmen sinken und es sterben täglich auch weniger Menschen an dem Virus und dies stimmt den Biostatistiker positiv:

„Es geht in den Krankenhäusern in die richtige Richtung. Wir sehen das deutlich bei der Gruppe, die am längsten geimpft ist, bei den Bewohnern von Pflegeheimen, wo die Hospitalisierungen und die Sterberate besonders deutlich gesunken ist. Und wir sehen das auch beim Personal im Pflegebereich.“

Molenberghs geht davon aus, dass sich die sinkenden Zahlen in den kommenden Tagen und Wochen in den Bereichen Hospitalisierung und Aufnahme in Intensivstationen bestätigen werden: „Der Druck nimmt ab. Die Zahl derer, die intensiv behandelt werden müssen, sinkt weiter, doch sie bleibt noch ein bisschen hoch. In der Gruppe der 65-Jährigen sind noch viele Krankenhauseinlieferungen, deshalb noch der Aufruf zur Vorsicht, doch der Rückgang ist eingesetzt.“ 

Wenn die Impfung bei uns und in den Nachbarländern so weitergeht und wir weiter sinkende Zahlen sehen, dann ist mehr möglich.“

Geert Molenbergs, Biostatistiker

Laut Molenberghs hilft aktuell die Kombination zwischen der rasch verlaufenden Impfstrategie und der Einhaltung der geltenden Corona-Maßnahmen dabei, dass die Zahl der Intensivpatienten bis Ende Mai unter 500 sinken kann und bis zum Sommer könnte es dann zu mehr Lockerungen kommen:

„Das hoffen wir in der Tat. Wenn die Impfung bei uns und in den Nachbarländern so weitergeht und wir weiter sinkende Zahlen sehen, dann ist natürlich mehr möglich. In Israel, wo schon sehr viele Menschen geimpft sind, sehen wir, dass die Zahl der Fälle pro 100.000 Einwohner innerhalb von 2 Wochen spektakulär gesunken ist. Diese liegt unter 20 und wir sind noch bei rund 400. Es ist nicht verschwunden, es zirkuliert noch, doch die Impfkampagne läuft weiter und man pflückt die Früchte davon. Und in Großbritannien sehen wir gleichartige Zahlen.“ 

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