Sint-Truiden: Bürgermeisterin ließ sich, Angehörige und Bekannte offenbar vorzeitig gegen Corona impfen

Die flämische Christdemokratin und Bürgermeisterin der Stadt Sint-Truiden in der Provinz Limburg, Veerle Heeren (CD&V - Foto), ist bereits im März gegen Corona geimpft worden, obschon zu diesem Zeitpunkt die Bewohner von Pflege- und Altenheimen prioritär geimpft wurden. Heeren wird in den Medien in Flandern aufs Korn genommen und auch ihre Partei muss sich rechtfertigen. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Limburg wegen der Veröffentlichung von persönlichen Daten in den Medien in diesem Fall, die unter das medizinische Berufsgeheimnis fallen. 

Bürgermeisterin Heeren soll neben Familienangehörigen bei vorgezogenen und unberechtigten Impfungen auch Mitarbeiter aus dem Rathaus von Sint-Truiden bevorzugt haben. Medienberichten in Flandern zufolge wurden sie und Familienangehörige sowie Mitarbeiter bereits Mitte März gegen Corona geimpft worden sein. Zunächst schien es, als würde die flämische Christdemokratin den Sturm der Entrüstung in Politik und Medien aussitzen wollen, denn sie nahm dazu nicht Stellung.

Inzwischen aber, nach wochenlangen Gerüchten, kam sie nicht mehr umhin, sich zu dem Vorgang zu äußern. Heeren gab am Mittwoch zu, bereits im März geimpft worden zu sein und erklärte dies mit der Tatsache, dass seinerzeit große Mengen an Vakzinen nach Sint-Truiden geliefert worden seien, die noch nicht an die Krankenhäuser oder Pflegewohnheime weitergereicht worden waren. Das sei passiert, so Heeren, weil das entsprechende Computersystem, dass die Verteilung der Impfstoffe übernehmen sollte, nicht problemlos funktioniert habe.

Politische und gerichtliche Untersuchungen

Jetzt gilt es, einiges zu klären. Der Stadtrat von Sint-Truiden will am Montag  im Rahmen einer Sondersitzung darüber beraten, wie mit der Personalie der Bürgermeisterin umzugehen ist und ob er überhaupt noch mit ihr zusammenarbeiten will. Die außergewöhnliche Gemeinderatssitzung findet auf Antrag der Mehrheit statt - CD&V, Open VLD und N-VA. Hier wird von Heeren Deutlichkeit und Transparenz gefordert.

Die Opposition in der Stadt fordert eine Untersuchung des Vorgangs. Sie könne doch nicht als Bürgermeisterin von ihren Bürgern Geduld fordern, wenn sie selbst kein gutes Vorbild sein könne, so Gert Stas von den flämischen Sozialisten Vooruit, die in der limburgischen Stadt in der Opposition sitzen: "Darüber hinaus denke ich, dass die essentielle Frage nicht ist, ob sie vorzeitig geimpft wurde oder nicht, sondern es geht weiter um all die Leute aus ihrem Umfeld, die auch schon geimpft sein sollen."

Inzwischen befassen sich auch die Gerichte mit dem Fall und auch die Provinz Limburg. Ein "Whistleblower" soll den Medien, genauer der lokalen Nachrichtenwebseite "Trudocs" aus Tienen, Beweise dafür zugespielt haben, dass rund ein Dutzend Personen aus dem Umfeld und aus der Familie der Bürgermeisterin vorzeitig geimpft worden sind (dem Vernehmen nach Personen zwischen 18 und 62 Jahren, die Mitte März noch lange nicht an der Reihe waren).

Ermittlungen in Sachen Presseleck

Inzwischen ermittelt ein Untersuchungsrichter im Fall der an die Öffentlichkeit gelangten Daten bezüglich der vorzeitig geimpften Personen rund um Bürgermeisterin Heeren. Der Journalist der lokalen Nachrichtenwebseite „Trudocs“, der die Sache ans Tageslicht brachte, hat dazu Angaben veröffentlicht, die möglicherweise unter das medizinische Berufsgeheimnis fallen.

Die Polizei sprach in dieser Hinsicht auch mit den Mitarbeitern des Impfzentrums von Tienen, denn von hier aus sind diese Daten möglicherweise an den Journalisten weitergegeben worden. Im Impfzentrum hieß es dazu, dass man die Ermittlungen unterstütze.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Limburg sagte, dass man hier mit einem Vertreter der Ärztevereinigung arbeite, der herausfinden soll, wie diese Daten, die geheim bleiben müssen, geleckt werden konnten. Das medizinische Berufsgeheimnis gilt auch für Polizei und Justiz. Möglicherweise sind die Computer des Impfzentrums auch gehackt worden, was Beamten der Computer Crime Unit der belgischen Polizei versuchen, herauszufinden.

Aufruhr im Rathaus von Sint-Truiden: Hat sich die Bürgermeisterin gemeinsam mit Familienmitgliedern, Bekannten und Mitarbeitern vorzeitig gegen Corona impfen lassen?
Stad Sint-Truiden

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