Öffnung der Terrassen: Trennwände aus Plexiglasscheiben sind nicht zugelassen

Ein Tag vor der Öffnung der Terrassen in der Gastronomie, die im Rahmen der Lockerungen der Corona-Maßnahmen möglich wurde, untersagen die belgischen Behörden das Anbringen von Plexiglasscheiben zur Trennung zwischen den Tischen. Solche Trennwände sollen mehr Tische möglich machen, doch zwei Gründe sind entscheidend dafür, dass dies nicht im Sinne des Erfinders ist. Die Regierung muss sich vorwerfen lassen, dass sie hier viel zu spät reagiert. Inzwischen gibt es herbe Kritik an diesem Kommunikationschaos.

Am frühen Freitagmorgen, also nur einen Tag vor der Öffnung der Terrassen der Kneipen, Cafés, Bistrots und Restaurants nach langer Schließung in Belgien, sagte Vize-Premier- und Justizminister Vincent Van Quickenborne (Open VLD) gegenüber VRT NWS, dass das Anbringen von Zwischenwänden aus Plexiglas auf den Terrassen nicht gestattet ist.

Begründet wird dies zum einen damit, dass man verhindern möchte, dass zu viele Gäste gleichzeitig auf den Terrassen sitzen, denn dies könnte bei Bewegungen, z.B. auf dem Weg zu den Toiletten in den Lokalen, zu Gedränge führen. 

Zum anderen aber liegt hier auch ein virologisches Problem vor. Hier wird in Sachen Aerosole, also die Tröpfchen aus den Atemwegen, die ja bekanntlich das Corona-Virus von Mensch zu Mensch übertragen, ein Unterschied zwischen großen und kleinen Tröpfchen gemacht. 

Je mehr Leute auf den Terrassen sind, je mehr Leute können sich begegnen, wenn sie zur Toilette gehen und je weniger Raum steht für Bewegungen zur Verfügung. Das kann zu Gedränge führen.“

Virologe Steven Van Gucht

Der Virologe Steven Van Gucht (KU Leuven/Sciensano) erklärt: “Draußen sind die Aerosole nicht wirklich ein Problem, weil man an der frischen Luft ist, wo also gut gelüftet ist. Gutes Plexiglas ist dabei, wenn es hoch und breit genug ist, an sich sicher. Doch es ist etwas anderes, wenn man damit eine ganze Terrasse überdeckt und abschirmt oder wenn man damit Zwischenwände einrichtet. Dann geht die Frischluftzufuhr zurück und die Aerosole können sich darin verbreiten. Das bedeutet auch, dass man die Tische enger nebeneinander stellt.“

Diese Plexiglas-Trennwände sollen in erster Linie dazu dienen, mehr Gäste auf den Terrassen bedienen zu können, doch virologisch gesehen, hat das einen deutlichen negativen Effekt: „Je mehr Leute auf den Terrassen sind, je mehr Leute können sich begegnen, wenn sie zur Toilette gehen und je weniger Raum steht für Bewegungen zur Verfügung. Das kann zu Gedränge führen. Das gleiche gilt für die Kellner, die sich zwischen vielen Menschen bewegen müssen.“ 

Zu spät und zu undeutlich kommuniziert

Vizepremier Van Quickenborne legt denn auch Wert auf die Feststellung der Regierung, dass die Abstandsregeln von 1,5 Metern zwischen den Gästen und den Tischen gegeben sein müsse. Die belgische Bundesregierung muss sich vorwerfen lassen, hier zu spät und zu undeutlich kommuniziert zu haben. Hier war die Rede von möglichen „Plexiglaswänden, die höher als 1,80 Meter sein müssen“, doch dies war mit dem Corona-Krisenzentrum und mit dem Konzertierungsausschuss so nicht abgesprochen. 

Im Laufe des Freitags wurden die Plexiglaswände aus dem Protokoll für die Gastronomie und die Terrassenöffnung entfernt. Das bedeutet, dass diese Wände tatsächlich nicht verwendet werden dürfen. Inzwischen haben einige Bürgermeister angedeutet, nicht gegen entsprechende Verstöße vorzugehen und auch in Kreisen der flämischen Landesregierung reagiert man verbittert über diese Unklarheiten, die ein Chaos sondergleichen verursacht haben. Nicht wenige Gastronomen haben inzwischen in solche Plexiglaswände investiert und für ihre Küche entsprechend der für das Wochenende geplanten Reservierung Zutaten eingelagert. 

Klar und deutlich wurde aber mitgeteilt, dass die Nightshops jetzt wieder bis 22 Uhr am Abend Alkohol verkaufen dürfen. 

James Arthur Photography

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