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Grenzstein verrückt: Belgien 10 Ar größer als Frankreich, Grenzkommission erstmals seit 2002 einberufen

Die Nachricht, dass ein belgischer Bauer aus Montignies-Saint-Christophe in der Provinz Hennegau einen Grenzstein 2,29 Meter nach Frankreich versetzt hat und Belgien damit größer und Frankreich kleiner macht, war Anfang der Woche um die Welt gegangen. Nicht nur die französischen Medien haben den “Grenzvorfall” ausgeschlachtet. Sogar dem kanadischen Rundfunk, der BBC und sogar den Japanern war er einen Beitrag wert, wie VRT-Reporter Thomas Teetaert vor Ort erfuhr.

Die Grenzverletzung war von Lokalhistorikern aufgedeckt worden, die die alten Markierungen an der belgisch-französischen Grenze regelmäßig freilegen und herausputzen. 

Zwischen Montignies-Saint-Christophe bei Erquelinnes auf der belgischen Seite und Bousignies-sur-Roc auf der französischen Seite mussten sie feststellen, dass der Grenzstein 2,29 Meter nach Frankreich versetzt worden war. Das belgische Grundgebiet hat damit 10 Ar gewonnen, die Frankreich im Gegenzug verloren hat. 

Wie der Lokalhistoriker im Video erklärt, sind die Grenzen nach der Niederlage Napoleons in Waterloo neu gezogen worden. Die Jahreszahl zeigt an, wann der   Grenzstein aufgestellt wurde: 1819. 

Der berüchtigte Grenzstein, über den jetzt alle berichten, befindet sich am anderen Ende des Wäldchens. Früher stand er direkt neben einem Baumstamm. Jetzt markiert er die Grenze 2,29 Meter weiter und vergrößert Belgien auf der ganzen Länge bis zur nächsten Markierung, insgesamt rund 10 Ar.

Grenzkommission muss einberufen werden

Ob man den Grenzstein denn nicht kurzerhand wieder an seinen alten Standort zurückstellen könne, fragt der Reporter. Wohl kaum. Der Stein wiegt 150 bis 200 Kilogramm und steckt 1,5 Meter tief im Boden. Seine Versetzung muss geplant und mit Hilfe einer Maschine bewerkstelligt worden sein. 

Übrigens erklärte der Besitzer des Grundstücks, er habe den Grenzstein nicht verrückt. Wer soll den wohl dahinter stecken? 

Die Versetzung des Grenzsteins wird zunächst von der belgisch-französischen Grenzkommission besprochen, die aus zwei belgischen und zwei französischen Vertretern besteht. Zuletzt war sie vor 19 Jahren einberufen worden.  Meistens werden Grenzkommissionen - die mit allen Ländern gebildet werden, mit denen Belgien eine gemeinsame Grenze hat - einberufen, um Grenzen tatsächlich anzupassen, z. B. um administrative Angelegenheiten zu vereinfachen. 

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