Kampf um Paketversand: struktureller Betrug bei PostNL und GLS zum Nachteil von bpost?

Die Postbetriebe PostNL und GLS werden vor dem Strafgericht in Mechelen wegen Verdachts auf Sozialbetrug bei den Paketzustellern angeklagt. Das schreibt die Wirtschaftszeitung De Tijd. Für die Paketzustellung setzen die Postbetriebe Unterannehmer ein, bei denen strukturell fragwürdige Arbeitsumstände herrschen, heißt es beim Arbeitsgericht. 

Paketzusteller, die zu lange für zu wenig Lohn arbeiten. Corona-Maßnahmen, die kaum beachtet werden. Mitarbeiter, die nicht angemeldet werden und für die keine Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden. Scheinselbstständigkeit, die instandgehalten wird. Das sind die Probleme, die das Arbeitsgericht in Mechelen nach eigenen Angaben strukturell bei den Paketzustellern der Postunternehmen PostNL und GLS festgestellt hat. Es gibt Hinweise auf zahlreiche soziale Verstöße, die immer wieder in den Depots zu beobachten sind. Weil PostNL und GLS immer wieder in diesen Akten auftauchen, werden sie auch vorgeladen", sagt Gianni Reale vom Arbeitsgericht in Mechelen. 

Für das Arbeitsgericht sind es diese Geschäftsmodelle, die für die Gewinne von PostNL und GLS sorgen und das System des sozialen Dumpings aufrecht erhalten.  Neben PostNL und GLS sind auch ein Dutzend Paketzusteller vorgeladen worden.  

Der Richter muss nun urteilen, ob ein illegales Geschäftsmodell vorliegt. Wenn ja, riskieren die Postbetriebe sehr hohe Geldstrafen.  

Nach Angaben des Arbeitsgerichts ist bpost ein potenzielles Opfer des Sozialbetrugs, den seine Konkurrenten organisieren würden. "bpost beschäftigt seine Paketzusteller selbst. PostNL und GLS arbeiten hauptsächlich mit Auftragnehmern und Subunternehmern, für die sie keine Sozialabgaben zahlen. Das führt natürlich zu Marktverzerrungen und unlauterem Wettbewerb zwischen diesen Kurierunternehmen", sagt Reale. 

PostNL bestätigt, dass es im Rahmen der Ermittlungen vorgeladen worden ist: "Wir kooperieren voll und ganz und möchten uns zu diesem Zeitpunkt nicht äußern." GLS konnte vorerst nicht für eine Stellungnahme erreicht werden. 

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