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Belgiens Kirmessektor droht mit juristischen Schritten und will ab dem 1. Juni wieder loslegen

Die Kirmesleute in Belgien wollen spätestens ab dem 1. Juni wieder starten, doch bisher gibt es für diesen Sektor weder ein Konzept, noch eine konkrete Perspektive, wann er wieder loslegen kann. Jetzt haben die verschiedenen belgischen Kirmes- und Schaustellerverbände Anwälte zur Rate gezogen und Innenministerin Annelies Verlinden (CD&V) eine Mahnung zukommen lassen. 

„Wir verstehen nicht, warum die Ministerin Kirmessen verbietet, während Freizeitparks öffnen dürfen, genauso, wie professionelle Flohmärkte, Terrassen und sogar Geschäftsstraßen, in denen täglich tausende Menschen zusammenkommen. Es gibt keine Gefahr für Ansteckungen auf der Kirmes, vor allem, weil wir darin investiert haben, dass die Leute in aller Sicherheit kommen können und weil das unter freiem Himmel geschieht, stets mit dem Tragen einer Maske“, heißt es in der Mahnung an die Innenministerin.

Inzwischen sind die Mitarbeiter dieser Branche durch die Corona-Maßnahmen seit rund einem halben Jahr in Kurzarbeit und die Unternehmer leben von spärlichen Ersatzeinkommen. In Belgien gibt es pro Jahr gut und gerne 800 Kirmesveranstaltungen.

Juristische Schritte

Die verschiedenen Kirmes- und Schaustellerverbände haben zwei Anwälte damit beauftragt, die Ministerin dazu zu bringen, spätestens ab dem 1. Juni wieder Kirmessen zuzulassen, wie deren Anwälte Audrey Despontin und Audrey Lackner gegenüber der Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ angeben:

„Die Schließung für den Kirmessektor durch einen Königlichen Beschluss ist unserer Ansicht nach ungesetzlich, diskriminierend und unausgeglichen, da ähnliche Sektoren geöffnet werden, ohne dass dies aus gesundheitlichem Blickwinkel gerechtfertigt ist. Verschiedene Gerichte haben sich bereits in diesem Sinne geäußert. Wenn die Ministerin also hier nicht positiv auf das Ersuchen unserer Klienten reagiert, haben wir keine andere Wahl, als gerichtliche Schritte zu unternehmen.“

"Uns steht das Wasser bis zum Hals"

Der Sektor erwartet, wie viele andere Sektoren aus den Bereichen Kultur, Veranstaltungen und Unterhaltung auch, dass die nächste Sitzung des Konzertierungsausschusses aus Bund, Ländern und Regionen am Dienstag (11. Mai) weitere Öffnungen möglich macht. Damit hätten auch die Schausteller ausreichend Zeit, sich auf Kirmessen ab dem 1. Juni vorzubereiten, heißt es dazu weiter.

Steve Stevereyns, Sprecher der Kirmesverbände in Belgien, und Guido Herman, der Vorsitzende des Dachverbandes der Kirmesverbände, warnten gegenüber VRT NWS vor dramatischen Entwicklungen. Wenn die Kirmessen nicht bald wieder öffnen können, dann drohe eine Tradition zu verschwinden, denn den meisten Schaustellern stehe das Wasser inzwischen bis zum Hals. Und zahlreiche Städte und Gemeinden würden ihre jährliche Kirmes absagen, weil auch ihnen eine entsprechende Perspektive fehle. 

Kulturerbe

Auf einen baldigen Neustart für das Schaustellergewerbe hofft auch die berühmte traditionsreiche Brüsseler Südkirmes (Foto unten), die vor einigen Tagen offiziell in die Liste der Brüsseler Kulturerbes aufgenommen worden ist.

Brüssels regionaler Staatssekretär für das Kulturerbe, Pascal Smet (one.brussels-Vooruit), lässt auch wissen, dass er einen Antrag auf Anerkennung dieser Kirmes bei der Unesco eingereicht habe.

Dies ist übrigens das erste internationale Dossier bezüglich immateriellem Kulturerbe, dass von der Region Brüssel-Hauptstadt getragen wird.

Warum international? Gemeinsam mit Brüssel hat auch das französische Kulturministerium einen ähnlichen Antrag bei der Unesco gestellt. Dieser belgisch-französische Antrag betrifft die Brüsseler Südkirmes, die Kirmeskultur allgemein und das Museum für Kirmeskunst im französischen Bercy. 

Auf der Südkirmes von Brüssel

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