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Urteil in Brügge: Vier Monate Haft auf Bewährung für einen VRT-Journalisten

In Brügge sind der VRT-Journalist Bart Aerts und Peter Gyselbrecht, der Sohn eines verurteilten Auftraggebers für einen Mord, jeweils zu 4 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Gericht wirft den beiden einen Verstoß gegen das Recht auf Einsichtnahme in die Akten im sogenannten „Schlossmord“ vor. Dem Fall liegen abgehörte Telefongespräche zugrunde, die bei der VRT in den TV-Nachrichten und in der Sendereihe „Terzake“ („Zur Sache“) ausgestrahlt wurden.

Aus den Aufnahmen sollte ersichtlich sein, dass sich die Justiz in Brügge von der Familie des Mordopfers beeinflussen ließ. Doch die Generalstaatsanwaltschaft von Gent urteilte damals, dass dies nicht der Fall gewesen sei. Peter Gyselbrecht, der Sohn des inzwischen verurteilten André Gyselbrecht, hatte zugegeben, dass er dem VRT-Journalisten Bart Aerts diese aufgezeichneten Telefongespräche, die aus dem juristischen Dossier in diesem Fall stammten, zugespielt hatte.

Das Gericht wertete dies als Versuch der beiden verurteilten, VRT-Kollege Aerts und Peter Gyselbrecht, der moralischen Integrität der Familie des Mordopfers Stijn Staelens Schaden zuzufügen. Der Richter in Brügge sagte dazu, dass der Journalist das Recht hatte, eine mögliche Einflussnahme der Familie Staelens anzuklagen, doch dazu habe er die abgehörten und aufgezeichneten Telefongespräche nicht nutzen dürfen. Peter Gyselbrecht gab nach dem Urteil zu verstehen, dass er dagegen Berufung einlegen werde und Bart Aerts scheint ebenfalls eine Berufung in Erwägung zu ziehen. 

Der Schlossmord

Im sogenannten „Schlossmord“ ging es um die Ermordung von Stijn Saelens, dem Bewohner des Schlosses von Wingene bei Brügge. Dessen Schwiegervater wurde Mitte April 2018 zu 27 Jahren Haft verurteilt. Er gab den Auftrag zu dem Mord damals im Gerichtssaal zu. Drei weitere Beteiligte erhielten Haftstrafen von 15 bis 27 Jahren. André Gyselbrecht, der Hauptverdächtige im Mordfall an dessen Schwiegersohn Stijn Saelens, gestand, dass er den Auftrag zu dessen Ermordung gegeben hat. Gyselbrecht gab an, seine Enkelkinder geschützt haben zu wollen. Gegen Saelens standen Inzestvorwurfe im Raum.

André Gyselbrechts Freund, Pierre Serry, der als Zwischenperson bei der Suche nach Auftragsmördern behilflich war, wurde zu 21 Jahren Haft verurteilt. Zwei weitere Verdächtige, beide niederländische Staatsbürger, wurden zu Haftstrafen von 15 bzw. 27 Jahren verurteilt.

Der Fall hielt Flandern lange in seinen Bann und die Medien, auch wir bei der VRT, berichten seit dem Mord ausführlich über jede Entwicklung. Fünf Jahre haben die Ermittler im Mordfall Saelens, dem sogenannten Schlossmord, im Dunklen getappt. Ihnen war die ganze Zeit nicht gelungen herauszufinden, ob Gyselbrecht tatsächlich den Auftrag zum Mord an seinem Schwiegersohn gegeben hatte.

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