Virologe: "Die indische Variante ist weiter verbreitet, als man denkt“

Der Virologe Johan Neyts (Archivfoto) vom Rega Institut an der Löwener Universität (KU Leuven) ist der Ansicht, dass die indische Corona-Variante in Belgien in höherem Maße zirkuliert, als bekannt ist. Am Wochenende wurde bekannt, dass sich 5 Bewohner und Mitarbeiter eines Pflegewohnheims mit dieser Variante infiziert haben und nach stichprobenartigen genetischen Untersuchungen von positiven Tests wurden weitere 19 Fälle bekannt.

Der Löwener Virologe Johan Neyts basiert seine Annahme, dass die indische Variante in  Belgien weiter verbreitet sein müsste auf Basis von genetischen Untersuchungen aus Stichproben von Corona-Tests: „Wir wissen seit Sonntagabend (9. Mai (Red.)), dass es 19 weitere Fälle in unserem Land gibt und zwar in der Brüsseler und in der Antwerpener Region. Die Hälfte davon können wir auf Reisen nach Indien zurückverfolgen, die andere Hälfte aber nicht. Das bedeutet, dass diese Variante hier zirkuliert, wenn auch noch nicht sehr stark.“ 

„Die Hälfte davon können wir auf Reisen nach Indien zurückverfolgen, die andere Hälfte aber nicht. Das bedeutet, dass diese Variante hier zirkuliert, wenn auch noch nicht sehr stark.“

Virologe Johan Neyts (Rega Institut) zu den 19 indischen Corona-Fällen

Neyts erklärt, dass es eine sehr schwierige und intensive Arbeit ist, Varianten festzustellen: „Es ist nicht möglich, systematisch bei allen Patienten zu bestimmen, mit welcher Variante sie sich infiziert haben. Darum also die Stichproben. Von allen positiven Tests werden 5 bis 10 % auf Varianten untersucht. Ab und zu stößt man dabei auf die indische Variante. Aus solchen Stichproben sind jetzt diese 19 Fälle hervorgekommen.“

Ansteckendere Variante? Wie wirken die Impfstoffe?

Professor Neyts gibt an, dass es in Europa erst wenig Informationen zu dieser Corona-Variante gibt, da wissenschaftlich fundierte Angaben aus Indien nur spärlich erfolgen. Vermutlich ist die indische Variante aber bis zu 15 % ansteckender als die britische Variante, die hier bereits bekannt ist: „Ob sie allerdings kranker macht, ist wohl eher nicht der Fall. Das Problem ist natürlich, dass je mehr Menschen damit infiziert werden, auch mehr Menschen daran erkranken und auch sterben.“

Auf Basis des genetischen Fingerabdrucks der Corona-Varianten so Neyts, erkenne man, dass diese z.B. mit der brasilianischen und der südafrikanischen Variante überlappt: „Man könnte also davon ausgehen, dass die indische Variante weniger auf die Impfstoffe reagiert. Doch vorerst scheint es so, als ob das nicht so schlimm ist, wie man erwarten könnte.“ Zudem, so der Virologe, arbeiten die Pharmahersteller ständig daran, ihre Vakzine den neuen Varianten anzupassen.

Die Bewohner des Wohnheims, in dem die indische Variante bei 5 Personen festgestellt wurde, waren alle vollständig gegen Corona geimpft, doch kein Impfstoff wirkt zu 100 %: „Hier und da wird so etwas vorkommen. Wir haben auch in anderen Pflegewohnheimen festgestellt, dass es zu Ansteckungen mit anderen Varianten gekommen ist.“ Sicher ist, so Neyts weiter, dass die 20 indischen Krankenpflegeschüler, die vor einigen Wochen mit dieser Varianten infiziert waren, mit den anderen Fällen nichts zu tun haben. Diese waren anschließend vollständig isoliert und die Kontaktverfolgung ergab keine weiteren Ansteckungen.

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