"Sommerplan": Belgiens  Konzertierungsausschuss legt einen Plan zu den Corona-Lockerungen vor

Der Konzertierungsausschuss aus den Regierungen aus Bund, Ländern und Regionen in Belgien traf sich an diesem Dienstag zu einer weiteren Sitzung, bei der mögliche Lockerungen der Corona-Maßnahmen zur Debatte standen. Die aktuelle Corona-Statistik entwickelt sich günstig, doch Experten warnten vor zu schnellen Lockerungen auf einmal. Die Regierungen setzen daher auf einen Stufenplan für die Sommermonate, in denen schrittweise mehr möglich sein wird.

Verschiedene Sektoren, nicht zuletzt der Kultur-, Veranstaltungs- und Unterhaltungssektor, drängten auf Öffnung und forderten zumindest eine Perspektive, auf die man aufbauen könne. Klar war im Vorfeld, dass ab Juni wieder einiges möglich wird. Dann wird ein Stufenplan umgesetzt mit folgenden Daten: 9. Juni, 1. Juli, 30. Juli und 13. August. Ab dem  1. September soll nach Aussagen von Premierminister Alexander De Croo (Open VLD) ein Leben fast wie normal möglich werden. Was sieht dieser Stufenplan vor?

Ab dem 9. Juni

  • Die Gastronomie darf wieder Kunden in ihren Lokalen empfangen. Dort dürfen 4 Personen an einem Tisch Platz nehmen, es sei denn, eine Familie ist größer. Die Tische müssen 1,5 m Abstand zwischen einander haben. Innen darf bis 22 Uhr bedient werden und in den Außenbereichen, den Terrassen also, bis 23 Uhr 30.
  • Fitnesszentren, öffentliche Saunen, Casinos, Kegelbahnen und Kinos dürfen wieder öffnen. Innen sind 200 Teilnehmer, Besucher oder Zuschauer möglich und draußen 400.
  • Nicht-professionelle Sportarten mit innen 50 Personen und draußen 100 Personen.
  • Kulturveranstaltungen und andere Events dürfen wieder stattfinden. Innen sind 200 Zuschauer (bzw. 75 % der Saalkapazität) sitzend zugelassen, draußen 400 (diese Zahlen werden stufenweise im Laufe des Sommers angehoben).
  • Gottesdienste dürfen ab diesem Tag wieder mit 100 Personen in Kirchen, Moscheen und anderen Räumen stattfinden und draußen mit 200.
  • Zuhause darf man wieder 4 Personen empfangen, die nicht zwingend aus dem gleichen Haushalt kommen müssen (diese Zahl soll schrittweise angehoben werden).
  • Arbeitnehmer, die bisher im Homeoffice saßen, sollen wieder für einen Tag pro Woche an den Arbeitspatz zurückkehren können. Dabei darf aber nur 20 % des gesamten Personals dort anwesend sein. Für kleine und mittelständische Unternehmen soll eine Besetzung vor Ort von 50 % der Belegschaft ermöglicht werden.
  • Feste und Empfänge, wie z.B. Hochzeiten mit bis zu 50 Teilnehmern sind wieder zugelassen (Regeln wie in der Gastronomie).
  • Kirmessen und Jahrmärkte, sowie nicht professionelle Flohmärkte können wieder stattfinden (Regeln wie bei professionellen Märkten).
  • Jugendaktivitäten und Lager mit 50 Teilnehmern aber noch ohne Übernachtungen. Coronatests dringend empfohlen.
  • Verkäufe von Tür zu Tür sind wieder zugelassen.
  • Sexarbeit ist wieder zugelassen.
  • Demonstrationen mit bis zu 100 Personenn sind wieder zugelassen. Die Wege der Demonstranten müssen vorab mit den Behörden abgesprochen und festgelegt sein.
  • Bedingung: 80 % der Risikogruppen sind geimpft (Über 65-Jährige, Erwachsene mit Vorerkrankungen).

Ab dem 1. Juli

  • Homeoffice ist nicht mehr gesetzlich verpflichtet, doch die Regierung empfiehlt diese Arbeitsweise weiter mit Nachdruck.
  • Gottesdienste dürfen ab diesem Tag wieder mit 200 Personen in Kirchen und anderen Räumen stattfinden und draußen mit 400.
  • Zu Indoor-Events werden maximal 2.000 Zuschauer (bzw. 80 % der Saalkapazität) zugelassen. Unter freiem Himmel dürfen maximal 2.500 Zuschauer anwesend sein. 
  • Keine Einschränkungen mehr beim Einkaufen.
  • Nicht-professionelle Sportarten können ohne Einschränkungen stattfinden.
  • Feste und Empfänge, wie z.B. Hochzeiten mit bis zu 100 Teilnehmern sind wieder zugelassen (Regeln wie in der Gastronomie).
  • Jugendaktivitäten und -lager mit bis zu 50 Teilnehmern, aber ohne Übernachtung. Corona-Tests werden dringend empfohlen.
  • Bedingung: 60 % der erwachsenen Bevölkerung ist geimpft und weniger als 500 Corona-Patienten auf Intensivstationen.

Ab dem 30. Juli

  • Zu Indoor-Events werden maximal 3.000 Zuschauer zugelassen. Unter freiem Himmel dürfen maximal 5.000 Zuschauer anwesend sein.
  • Feste und Empfänge, wie z.B. Hochzeiten für bis zu 250 Gäste sind wieder zugelassen.
  • Jugendaktivitäten und -lager für bis zu 200 Teilnehmer zugelassen, inkl. Übernachtung. Hier werden Corona-Tests dringend empfohlen.
  • Messen und Handelsmessen sind wieder erlaubt. Ausrichter müssen sich hierbei an den Regeln für Unternehmen, die Güter und Dienstleistungen erbringen, orientieren.
  • Bedingung: 70 % der erwachsenen Bevölkerung ist geimpft, weniger als 500 Corona-Patienten auf Intensivstationen.

Ab dem 13. August

  • Es dürfen wieder große Festivals mit mehr als 5.000 Zuschauernstattfinden; zu denen Besucher kommen dürfen, die mindestens einmal gegen Corona geimpft sind und/oder einen negativen PCR-Test vorlegen.

Reisen?

Auffallend ist, dass zum Thema Reisen noch nichts gesagt oder angedeutet wurde. Es war die Rede von Reisemöglichkeiten ab dem 1. Juli, doch die Gesundheitsminister in Bund, Ländern und Regionen müssen noch eine Liste mit „Grünen Ländern“ zusammenstellen. 

Zudem sind Absprachen mit der Europäischen Union bezüglich eines europäischen Reise- und Corona-Zertifikats notwendig. Vielleicht wird aber die Quarantäne für geimpfte Reiserückkehrer fallengelassen. Belgien will hier den kommenden EU-Gipfel (24. und 25. Mai) abwarten, bei dem gerade auch dieses Thema besprochen wird. 

"Solidarität"

Premierminister Alexander De Croo (Open VLD) erinnerte daran, dass der „Sommerplan“ für die Corona-Lockerungen aber auch von der Entwicklung des Virus in Belgien abhänge. Wichtige Parameter bleiben hier die Zahlen der Corona-Patienten in den Krankenhäusern und hier präziser auf den Intensivstationen. 

Zweiter wichtiger Punkt ist der Fortgang bei den Impfungen. In diesem Zusammenhang bedankte sich der Premier bei allen, die sich impfen lassen („ein Akt der Solidarität“) und bei allen, die in den Impfzentren ehrenamtlich oder professionell tätig sind. Ziel ist, ab dem  1. September in Belgien wieder ein weitgehend „normales“ Leben führen können, so De Croo. Dies aber nur unter der Bedingung, dass 70 % der erwachsenen Bevölkerung geimpft sind und dass weniger als 500 Corona-Patienten auf Intensivstationen liegen. 

"Gerne etwas ambitionierter"

Flanderns Landeschef und Kulturminister Jan Jambon (N-VA) zeigte sich zufrieden mit den „großen Schritten“ in den Sommermonaten. Er gab aber nach dem Konzertierungsausschuss zu, er hätte für Juli und August gerne noch „etwas ambitioniertere“ Pläne gesehen hätte. 

Jambon geht davon aus, dass einige Lockerungen je nach Entwicklung der Zahlen in den Krankenhäusern und auf Ebene der Impfungen noch erweitert werden können. 

Fußball-EM auf Großbildschirmen

Nach Angaben von Belgiens Innenministerin Annelies Verlinden (CD&V) dürfen Städte und Gemeinden im Juni bei der Europameisterschaft Großbildschirme aufstellen, damit die Fußballfans gemeinsam z.B. die Spiele der "Roten Teufen" anschauen können. 

Allerdings gelten dabei einige Einschränkungen. Mit Sicherheit werden nicht so viele Zuschauer zugelassen werden, wie das in Belgien der Fall bei der Weltmeisterschaft war: "Aber die Leute dürfen sich treffen, um dabei etwas zu trinken und zu essen."

Das nächste Treffen des Konzertierungsausschusses in Sachen Corona und mögliche Lockerungen wird am Freitag, 28. Mai, stattfinden. 

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