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Valentin Bianchi / Hans Lucas

Aktionen in Krankenhäusern: Forderungen zum "Internationalen Tag der Pflege"

An jedem 12. Mai findet der „Internationale Tag der Pflege“ statt. Aus diesem Anlass wurden in vielen Krankenhäusern in Belgien einige Aktionen durchgeführt, mit denen an die Nöte und Sorgen in diesem Sektor erinnert wurde. Gerade die Corona-Gesundheitskrise hat hier einige Probleme für alle offengelegt.

In der Erasmus-Klinik in Brüssel z.B. haben dutzende Pflegemitarbeiter, die dort in der Notaufnahme beschäftigt sind, für rund eine Stunde ihre Arbeit niedergelegt. Sie unterstrichen mit dieser Aktion, wie hoch der Druck bei ihnen in der Abteilung ist und wie schweißtreibend und nervenaufreibend die Arbeit verlaufen kann. Da derzeit ein akuter Personal- und Nachwuchsmangel herrsche, müsse jeder alles tun und alles können: Kollegen, die aus anderen Abteilungen versetzt werden, oder Mitarbeiter mit Zeitarbeitsverträgen anlernen, Überstunden schieben uvm.

Das Problem sei, so die Pflegekräfte in der Erasmus-Klinik, dass inzwischen kaum noch jemand den Beruf des Krankenpflegers ausüben wolle. Diese Arbeit sei sehr anstrengend und eher mäßig bezahlt. Die Brüsseler Pflegemitarbeiter fordern vom Gesundheitsministerium, dass die für die Notaufnahme und die Intensivstationen erforderlichen Spezialisierungen offiziell anerkannt werden. Sonst werden hier, und nicht nur hier, wohl weitere Proteste und Arbeitsniederlegungen erfolgen.

Personal- und Nachwuchsmangel hausgemacht?

Viele Intensiv- und Altenpfleger verlassen nach nur rund fünf bis zehn Jahren den Pflegebereich, weil sie schlicht und einfach ausgepowert sind. Die Coronakrise wird diesen Trend wohl noch verstärken. Die Hochschulen melden, dass etwa ein Drittel der Studierenden in diesem Bereich ihre Ausbildung vor dem Abschluss schon abbrechen.

Vor diesem Hintergrund macht sich in unserem Land auch die Sorge breit, dass die sogenannte HBO-5-Ausbildung vor dem Auslaufen steht. Dies ist eine praktische Berufsausbildung im Pflegebereich, die irgendwo zwischen Sekundarstufe und Hochschulniveau liegt. In den letzten Jahren fanden rund 50.000 Pflegekräfte über diesen Weg mit einer soliden Ausbildung und einem entsprechenden Abschluss in diesen Berufsweg. Das sind flandernweit rund 40 % des gesamten Pflegepersonals.

Doch es besteht die Gefahr, dass der Titel „Pflegekraft“ in absehbarer Zeit nur noch Bachelors und Universitäts-Studierenden vorbehalten bleibt. Die HBO-5-Ausbildung, eine sehr praxisnahe Berufsausbildung, würde dann nur noch für „Pflegeassistenten“ gelten. Grund für diesen Vorgang ist eine neue Richtlinie für die Pflegeausbildung in der EU. Auf dieses Fach spezialisierte Hochschulen und Universitäten jedoch halten diese neue Richtlinie für eine gute Sache, doch nicht jeder junge Mensch, der den Einstieg in den Pflegebereich heute noch wagen möchte, hält sich für fähig, eine solche Ausbildung auf dem Studienweg zu wagen und es kann sich auch nicht jeder angehende Pfleger leisten, jahrelang zu studieren…

Schreiben an den Gesundheitsminister

Zahlreiche Mitarbeiter aus dem Pflegebereich haben den  „Internationalen Tag der Pflege“ dazu genutzt, einen offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Frank Vandenbroucke (Vooruit) zu unterzeichnen. In diesem Schreiben wird nicht mehr aber auch nicht weniger gefordert, als den Beruf der Pflegekraft aufzuwerten…

Bart Valcke vom belgischen Berufsverband für HBO-5-Pflegekräfte sagte am Mittwoch gegenüber VRT NWS, dass die Politik in dieser Sache Deutlichkeit schaffen müsse und dass sie in diesen Berufszweig, der nicht zuletzt durch Corona immer wichtiger geworden ist, investieren muss. Valcke forderte bei einem Besuch des HBO-5-Ausbildungszentrums „ZoWe Verpleegkunde“ in Brügge zum „Internationalen Tag der Pflege“ von der flämischen Landesregierung, dass sie diesen Vorgang nicht aus dem Auge verlieren sollte und dass auch sie in diesen Berufs- und Ausbildungszweig investieren müsse. 

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