Laden Video-Player ...

Mit Luftaufnahmen: Fluvius entdeckte im vergangenen Jahr über 5.000 nicht gemeldete Solaranlagen

Netzbetreiber Fluvius, der für das belgische Gas- und Stromnetz verantwortlich ist, entdeckte im vergangenen Jahr 5.300 Sonnenstromanlagen, die widerrechtlich nicht angemeldet worden waren. Das meldet das Unternehmen im Jahresbericht über Energiebetrug. Solarmodule werden nicht deklariert, um dem "Prosumententarif" zu entgehen, einer Gebühr für die Einspeisung von Sonnenergie in das allgemeine Stromnetz. Darüber hinaus wurde ein Betrug mit so genannten „grünen Stromzertifikaten“ im Wert von fünf Millionen Euro festgestellt. Hierfür sind in der Regel Unternehmen verantwortlich.

Energiebetrug gibt es in allen möglichen Formen. So zapfen zum Beispiel Cannabis-Plantagenbesitzer illegal Strom zur Betreibung ihrer Anlagen ab, aber das ist bei weitem nicht der größte Betrug. Viel mehr Geld wird mit grünen Stromzertifikaten und nicht gemeldeten Solaranalagen veruntreut.

Grünstromzertifikate für Großanlagen: Fünf Millionen Euro Betrug

Seit Mitte 2015 erhalten Privathaushalte, die Solaranlagen installierten, keine so genannten Grünstromzertifikate mehr, aber für Unternehmen (oder richtiger: Besitzer von Großanlagen) sieht die Situation anders aus. Sie können weiterhin finanzielle Fördermittel für den von ihnen produzierten Ökostrom beantragen. 

Der Betrag hängt vom Startdatum der Installation ab und nimmt mit der Zeit ab. Die älteren Förderprogramme sind daher interessanter als die jüngeren, und genau dort findet der Betrug statt. Zum Beispiel wird eine Anlage, die im Jahr 2020 gebaut wurde, manchmal schon 2019 "gemeldet", weil die Vergütung pro gelieferter Kilowattstunde im Jahr 2019 höher lag, als im Jahr 2020. In solchen Fällen werden die Daten der Prüfberichte und/oder Rechnungen gefälscht.

Manchmal wird eine Öko-Strom-Anlage auf ein finanziell interessanteres Jahr "verschoben"

Im vergangenen Jahr erstellte Fluvius 232 Akten wegen solcher Betrugsfälle, bei denen 280 Anlagen gründlich geprüft wurden.  Insgesamt wurden ungerechtfertigte Fördermittel im Wert von rund fünf Millionen Euro zurückgefordert.

Eine andere Art von Betrug wird von Besitzern kleiner Solarpanelanlagen begangen. Dies sind in der Regel Privatpersonen oder kleinere Unternehmen. Seit Mitte 2015 müssen sie einen Prosumententarif zahlen, also eine Gebühr für die Nutzung des Netzes, weil sie überschüssigen Solarstrom ins Stromnetz einspeisen. Sie sind deshalb verpflichtet, ihre Solaranlage bei Fluvius anzumelden, teilweise auch aus Sicherheitsgründen, aber einige Besitzer tun dies nicht, um den Prosumententarif zu vermeiden.

Ist es ein Dachfenster oder ein Solarpanel?

Fluvius spürt diesen Betrug anhand von Luftbildern auf. Mit einer Bilderkennungssoftware, die auf den öffentlich zugänglichen Luftbildern von Geopunt Vlaanderen ausgeführt wird, wird nach nicht gemeldeten Anlagen gesucht. 

Die so gewonnenen Informationen müssen aber noch vor Ort überprüft werden, da es manchmal vorkommt, dass Dachfenster von der Software als Solarmodule interpretiert werden. Fluvius lässt deshalb eigene Mitarbeiter Kontrollen durchführen.

Im vergangenen Jahr entdeckte Fluvius 5.300 nicht gemeldete Solaranlagen. Mehr als 3.500 Anlagen wurden seitdem angemeldet, und für 1.800 Grundstücke, auf denen eine nicht gemeldete Anlage entdeckt wurde, läuft noch eine Prüfung. Es wurden Mahnungen in Höhe von 2,6 Millionen Euro an überfälligen Prosumententarifen verschickt.

Stromabzapfen für illegale Cannabisplantagen

Neben diesen großen Betrügereien gibt es auch kleinere. Es gibt den Zählerbetrug, bei dem hauptsächlich Strom vor dem Zähler abgezapft wird. Etwa die Hälfte der Fälle bezieht sich auf illegale Cannabis-Plantagen. Im Jahr 2020 belief sich der Zählerbetrug auf rund 730.000 EUR.

Schließlich gibt es auch den Betrug mit Energieprämien. Dies sind Personen, die Prämien beantragen, auf die sie keinen Anspruch haben. Hier ist eine Forderung von rund 40.000 Euro entstanden.

Kann das Geld auch wieder eingetrieben werden?

Alle Betrugsformen zusammen hatten zur Folge, dass Fluvius im vergangenen Jahr insgesamt rund 8,5 Millionen Euro zurückforderte. Ob dieser Betrag tatsächlich eingetrieben werden kann, ist unklar. Unternehmen können in der Zwischenzeit Konkurs anmelden, oder Gerichtsverfahren können sich in die Länge ziehen

Vor kurzem wurde bekannt, dass drei Gerichtsverfahren wegen Betrug mit grünen Energiezertifikaten, bei denen ein Betrag von 13 Millionen Euro verhandelt wurde, vom Gericht in Limburg nicht bearbeitet werden konnten. Der Grund: Personalmangel. Die Verfahren wurden nun auf November dieses Jahres vertagt.

Empörte Ministerin

Die flämische Energieministerin Zuhal Demir (N-VA, flämische Nationaldemokraten), der Fluvius unterstellt ist, ist darüber nicht glücklich. "Wir haben viel Geld und Zeit investiert, um diesen Betrug aufzudecken. Wir verlassen uns also darauf, dass die Gerichte ihren Job machen und diese Betrüger tatsächlich verurteilen."

Demir fügte hinzu: "Energiebetrug ist auch Betrug, und wir tun alles, was wir können, um das Geld zurückzubekommen. Alles, was wir kassieren können, wird an Familien und KMUs weitergegeben, in Form von niedrigeren Netztarifen."

Meist gelesen auf VRT Nachrichten