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Königin-Elisabeth-Wettbewerb: Jüngster Halbfinalist vollbringt Glanzleistung, virtuos mit linker Hand

Nur mit der linken Hand beim Königin Elisabeth Wettbewerb spielen? Der junge niederländische Pianist Aidan Mikdad (19, Video oben) wagte dies mit einem ungewöhnlichen Musikstück. Heute ist das zermürbende Halbfinale des Königin-Elisabeth-Wettbewerbs vorbei und werden wir wissen, welche sechs Virtuosen ins Finale einziehen werden.

Es gibt Musik für Klavier zu vier Händen, aber gelegentlich schreiben Komponisten auch für nur eine Hand. Der niederländische Pianist Aidan Mikdad wählte am Freitagabend für sein Halbfinale beim Königin-Elisabeth-Musikwettbewerb ein solch außergewöhnliches Werk: das "Nocturne pour la main gauche seule op. 9/2" vom russischen Komponisten Aleksandr Skrjabin, der es schrieb, als er seine rechte Hand nicht mehr benutzen konnte. Das Stück klingt so virtuos, dass man als Zuhörer glaubt, es würden zwei Hände spielen.

Aidan Mikdads rechte Hand ruhte auf seinem Oberschenkel, während dieses Stücks. Aber für seine anderen Werke im Halbfinale brauchte er offensichtlich alle zehn Finger; neben Skrjabin spielte er auch ein Mozart-Konzert und eine feurige Version von "Après une lecture du Dante" von Franz Liszt.

Ob Aidan Mikdad ins Finale einzieht, wird am heutigen Samstagabend Abend entschieden. Der Niederländer ist mit nur 19 Jahren der jüngste der 12 Halbfinalisten. Er wurde in Amsterdam geboren, hat eine holländische Mutter und einen syrischen Vater, und spielt seit seiner Kindheit Konzerte und Wettbewerbe.

Der Beifall ist für den Komponisten, nicht für mich
Aidan Mikdad

Mikdad erzählte nach dem Konzert, dass er schon als Sechsjähriger versuchte, seine Schwester auf dem Klavier zu imitieren, woraufhin er prompt in die Musikschule geschickt wurde. Seinem Lehrer zufolge hatte er "gute Klavierhände". Er nutzt sie jetzt, um etwa sechs Stunden pro Tag zu üben.

Aidan Mikdad betrachtet seine Passage in Brüssel eher als Konzert denn als Wettbewerb und denkt dabei vor allem an die Menschen, die zuhören und zuschauen. "Ein Konzert ist dann erfolgreich, wenn ich mich dem Komponisten nähern und etwas mit dem Publikum teilen konnte. Der Applaus ist für den Komponisten, nicht für mich."

"Es ist eine Herausforderung, all diese Kompositionen vorzubereiten. Das allein hat mich als Pianist und als Musiker viel gelehrt", fügt Aidan Mikdad hinzu. 

Alles auswendig spielen

Das Halbfinale hat es in der Tat in sich, die Kandidaten spielen alle Kompositionen sofort hintereinander: ein Konzert von Mozart mit Orchester, das obligatorische, neu komponierte Werk "Nocturne" des französischen Komponisten Pierre Jodlowski und ein Recital. Das ist dann ein etwa dreiviertelstündiges Programm für Klavier solo, mit Musik, die unter anderem von Liszt, Strawinsky, Ravel oder Debussy komponiert wurde.

Außerdem bereiten die Kandidaten zwei Liederabende vor und nur einen Tag vorher wählt die Jury ein Programm aus. Sie spielen alles auswendig, mit Ausnahme des neuen Werkes von Jodlowski, das laut Partitur im möglichst dunklen Raum gespielt werden soll und für das das Licht etwas gedimmt wird.

© Queen Elisabeth Competition - Derek Prager

Dirigent ist ehemaliger Gewinner des Wettbewerbs

Im Halbfinale werden die zwölf Pianisten vom Orchestre Royal de Chambre de Wallonie begleitet, das der französische Dirigent Frank Braley (Foto) leitet. Bemerkenswert ist, dass er selbst Pianist ist und vor genau 30 Jahren den ersten Preis beim Königin-Elisabeth-Wettbewerb gewann. Mit anderen Worten: Er weiß genau, wie es sich anfühlt, unter diesen Umständen an der Tastatur zu sitzen und kümmert sich "väterlich" um die Pianisten.

Sechs Finalisten

Die Halbfinale finden bis heute Samstag, den 15. Mai statt; um 23:00 Uhr wird der Präsident der Jury, Gilles Ledure, bekannt geben, welche sechs Pianisten zum Finale zugelassen werden. Das sind nur halb so viele wie in einem normalen Wettbewerbsjahr. In der Königin-Elisabeth-Musikkapelle in Brüssel, wo die Finalisten eine Woche in Abgeschiedenheit verbringen werden, gibt es nur Platz für sechs Musiker, die in kompletter Corona-Quarantäne wohnen und studieren können.

Nur sechs Finalisten: Das bedeutet, dass die Plätze hart umkämpft sein werden. Das Niveau der Halbfinalisten ist sehr hoch, sagen Experten. Wer von den zwölf (drei Russen, drei Japaner, zwei Franzosen und je ein Lette, Chinese, Koreaner und Niederländer) wird es schaffen? 

Derek Prager

Die sechs Finalisten werden am Montag, den 24. Mai, mit dem neuen Pflichtstück "D'un jardin féérique" des französischen Komponisten Bruno Mantovani und einem Konzert für Klavier und Orchester ihrer Wahl die Bühne betreten. Machen Sie sich auf eine Menge Rachmaninov oder Prokofiev gefasst. Die Handlung verlagert sich dann von Flagey nach Bozar, das kürzlich von einem Brand und Wasserschaden heimgesucht wurde. Dann spielt das Nationalorchester von Belgien unter der Leitung von Hugh Wolff.

© Queen Elisabeth Competition - Derek Prager

Für diesen speziellen Königin-Elisabeth-Wettbewerb, der als Mundmasken-Version in die Geschichte eingehen wird, gelten strenge Corona-Sicherheitsmaßnahmen. Die Mitglieder des Orchesters tragen, mit Ausnahme der Bläser, schwarze Mundschutzmasken, wenn sie spielen. Der Pianist und der Dirigent ziehen ihre aus, kurz bevor sie in Aktion treten. Die Mitglieder der Jury (Foto unten) schauen und hören aus der Ferne im Saal zu. Königin Mathilde ist schon zweimal zum Zuschauen und Zuhören gekommen, nicht in der königlichen Loge, sondern auf dem Parterre, mit Mundschutz. Bei so wenigen Leuten im Raum war der Beifall leider entsprechen viel zu dünn.

Der Königin-Elisabeth-Wettbewerb kann live verfolgt werden auf dem Klassiksender der VRT: Klara

© Queen Elisabeth Competition - Derek Prager
© Queen Elisabeth Competition - Derek Prager

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