BELGA

Schulferien im frankophonen Landesteil verkürzt - Flandern ist nicht dabei

Die Französische Gemeinschaft in Belgien hat ihren Ferienkalender für das Unterrichtswesen abgepasst. Ab dem Schuljahr 2022-2023 werden die Sommerferien dort um zwei Wochen verkürzt und andere Ferien im Laufe des Jahres werden um jeweils eine Wioche verlängert. Flandern und die Deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien machen da vorerst nicht mit.

Caroline Désir (PS), die Bildungsministerin der Französischen Gemeinschaft in Belgien, hatte in der vergangenen Woche angekündigt, dass die Sommerferien ab dem Schuljahr 2022-2023 um zwei Wochen verkürzt werden. Die Allerheiligenferien und die Krokusferien (auch als Karnevalsferien bekannt) sollen im Gegenzug jeweils um eine Woche auf dann zwei Wochen verlängert werden.

Dies, so Désir, solle dafür sorgen, dass das gesamte Schuljahr ausgeglichener werde, denn die Zeiträume zwischen Schul- und Ferienzeit würden kürzer, was sich für die Schulkinder motivierender auswirken soll. Vor allem soll es den Kindern erleichtern, sich nach einer (zu) langen Ferienpause wieder in einen Schulbetrieb zu integrieren. Das bedeutet, dass die Sommerferien 2022 in der Wallonie und im frankophonen Spektrum Brüssels in der zweiten Juliwoche beginnen und bereits am 29. August enden.

Pfadfinder nicht einverstanden

Das kommt allerdings nicht überall gut an. Die frankophonen Pfadfinderverbände kritisieren, dass es damit schwieriger würde, für alle Gruppen in den Sommerferien ausreichend Lagerplätze in Belgien zu finden. Normalerweise gehen die belgischen Scouts im Juli auf Lager. In der Französischen Gemeinschaft in Belgien betrifft das bis zu 18.000 Kinder und Jugendliche.

Flandern und die DG sind nicht dabei

In Flandern und in der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist bisher nicht vorgesehen, den Schul- und Ferienkalender anzupassen. Flanderns Landesbildungsminister Ben Weyts (N-VA) deutete jetzt an, einen solchen Schritt vorerst nicht zu planen. Er sei zwar offen für eine dahingehende Debatte, doch nicht im Zuge der aktuellen Gesundheitskrise, die vom Schulwesen derzeit schon so viel abverlange. Seine frankophone Amtskollegin hofft aber noch, Weyts überzeugen zu können, damit es in dieser Frage eine „Uniformität“ über die Sprachengrenzen hinaus komme, denn diese sei für alle betroffenen Familien rund um und in Brüssel wichtig.

Die einzelnen Schulträger in Flandern sind in dieser Frage eher zurückhaltend aufgestellt und Fachleute deuten an, ein solches Vorhaben sollte eher Schritt für Schritt vonstattengehen.

Dirk Van Damme, der aus Flandern stammende Fachmann für Schule und Erziehung und entsprechender Abteilungsleiter bei der OECD (Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), sagte allerdings am Wochenende gegenüber VRT NWS dazu: „Die Sommerferien sind zu lang für die jungen Leute, die zu sehr und zu lange von ihrer Schule und von ihren Klassenkameraden abgekoppelt werden. Das kann durch die lange Inaktivität im Sommer auch zum Verlieren von Wissen und Fähigkeiten führen.“

Meist gelesen auf VRT Nachrichten