Regierungsbeschluss: Die Firmenwagen sollen grüner werden

Die belgische Bundesregierung hat sich auf ein Abkommen einigen können, mit dem der Berufsverkehr umweltfreundlicher gestaltet werden soll. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den Firmenwagen. Aktuell ist in Belgien die Dieselflotte gerade auf dieser Ebene sehr groß und dem soll Abhilfe verschafft werden. Klimaneutraler und emissionsfreier Berufsverkehr bedeutet aber auch einen Umstieg auf elektrische Autos. Reicht hierzulande die entsprechende Infrastruktur überhaupt aus? 

Der Ministerrat der belgischen Bundesregierung hat sich in der Nacht zum Dienstag auf die „Vergrünung“ der Firmenwagen einigen können. Das bedeutet, dass ab 2026 die Norm gelten soll, dass Firmenwagen klimaneutrale Autos sein müssen. In erster Linie wird dabei an E-Autos gedacht. Der Umstieg auf umweltfreundliche Firmenwagen soll in Belgien so schnell wie möglich vollzogen werden.

Ab 2026 werden nur noch emissionsfreie Firmenwagen von steuerlichen Vorteilen genießen können. Solche Fahrzeuge werden in einer ersten Instanz zu 100 % steuerlich abziehbar sein. Danach werden die Tarife nach und nach denen für Diesel- und Benzinwagen angeglichen, wie sie aktuell berechnet werden (bis 2031 nur noch zu 67,5 %). Firmenwagen mit Verbrennungsmotoren werden im Zuge dessen schrittweise ihre steuerliche Absetzbarkeit verlieren.

Damit einhergehend soll die Infrastruktur für schadstofffreie Autos ausgeweitet werden. Das bedeutet, dass das Netz von Ladestationen für E-Autos ausgeweitet werden muss. Auch soll die Möglichkeit vorbereitet werden, in Zukunft auch Autos, die mit Wasserstoff angetrieben werden, zu nutzen. Doch dies ist im Bereich Individualverkehr noch Zukunftsmusik.

Alternativen und Finanzierung

Ein weiterer Weg zur „Vergrünung“ des Firmenwagenparks in Belgien ist das Vereinfachen der Systeme des sogenannten „Mobilitätsbudgets“ in Belgien. Dies sind Fördergelder für Personen, die über keinen Firmenwagen verfügen können. Diesen Arbeitnehmern, die ebenfalls zwischen Arbeitsplatz und Wohnort hin- und herpendeln, werden dadurch umweltfreundliche Alternativen angeboten, wie z.B. öffentliche Nahverkehrsmittel, Carsharing, Fahrräder usw. Bundesfinanzminister Vincent Van Peteghem (CD&V) will diese Systeme einfacher, besser zugänglich und nicht zuletzt auch bekannter machen.

Wie das finanziert werden soll, steht noch nicht fest. Durch den Rückgang des Absatzes von Benzin und Diesel gehen dem Staat sogenannte „Akzisen“ verloren. Das ist eine Verbrauchersteuer, die in Belgien z.B. auch auf Alkohol und Tabakwaren erhoben wird.

Infrastruktur?

Aktuell verfügt Belgien über rund 8.500 Ladestationen für elektrische Autos (zum Vergleich: in den Niederlanden stehen rund 66.000 Ladestationen zur Verfügung). Unser Land muss hier also einiges Aufholen. Dazu will die Regierung Privatpersonen und Unternehmen dazu ermuntern, solche Ladestationen zu installieren. Wer z.B. in den kommenden 3 Jahren bei sich zuhause eine solche Anlage installiert, kann dies teilweise von der Steuer erstattet bekommen (ab 2022 zu 45 %, ab 2023 zu 30 % und 2024 zu 15 %).

Unternehmen können den Bau von Ladestationen für E-Autos ebenfalls steuerlich geltend machen, allerdings nur dann, wenn diese Anlagen auch für Außenstehende zur Verfügung stehen, z.B. für Nachbarn und Anrainer. Diese könnten dann z.B. in der Nacht dort ihre Auto aufladen, wenn im Betrieb keiner ist und keine eigenen Wagen „Strom tanken“ müssen.

Doch insgesamt muss die Zahl der Ladestationen vor allem in der Öffentlichkeit rasch und umfassend nach oben korrigiert werden. Dabei wird aktuell auch verstärkt in Richtung des Technologiesektors geschaut, denn die Entwicklung von solchen Produkten geht rasend schnell weiter und auch die Wasserstoff-Mobilität soll dabei nicht aus den Augen verloren werden, so der Regierungsplan. 

Jonas Roosens

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