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Suche nach Jürgen Conings in Limburg für beendet erklärt: "Zielperson konnte nicht gefunden werden"

Noch immer ist der rechtsextreme und schwerbewaffnete belgische Soldat Jürgen Conings nicht gefunden, auch wenn hunderte Soldaten und Polizisten (auch aus Deutschland und den Niederlanden) vornehmlich in der flämischen Provinz Limburg nach ihm suchten. Mittlerweile wurde die Suche nach ihm im Nationalpark Hoge Kempen beendet. Die Fahndung läuft aber weiter. Inzwischen ist ein Untersuchungsrichter mit dem Fall betraut worden, denn es besteht der dringende Tatverdacht „Mordversuch und verbotener Waffenbesitz in einem terroristischen Kontext“. Wir von der VRT NWS-Redaktion bezeichnen Conings deshalb auch als „Terror-Verdächtigen“. 

Die Suche nach dem rechtsradikalen und schwer bewaffneten Soldaten Jürgen Conings ist bis auf weiteres am Samstag beendet worden. Bei der Bundesstaatsanwaltschaft in Brüssel heißt es dazu: "Die gesuchte Person ist bis heute nicht gefunden worden." Die Chance, dass er sich noch in der dursuchten Gegend aufhält, ist wohl minimal. Inzwischen konsentriert sich die Fahndung auf das Umfeld des Gesuchten, auf Freunde, Familie und Unterstützer.

Jürgen Conings verschwand am Montagabend mit einem Arsenal an schweren Waffen aus seiner Kaserne und seit dem finden sich kaum Spuren von ihm. In den vergangenen Tagen und Nächten wurde sein Wagen entdeckt, in dem sich vier Panzerfäuste befanden und etwas später wurde im Nationalpark Hoge Kempen auch sein Zelt mit einigen Vorräten entdeckt. 

Inzwischen wurden viele Details bekannt, z.B. drei Abschiedsbriefe, in denen er andeutet, den Virologen Marc Van Ranst umbringen zu wollen und in denen er der Regierung und seinem Arbeitgeber, der belgischen Armee, den Krieg erklärt. Er habe „keine Angst davor, zu sterben“ schreibt er darin und er sei sich der Tatsache bewusst, „plötzlich Staatsfeind“ zu sein…

Aus diesen Briefen ist ersichtlich, dass sich Jürgen Conings auf sein Vorhaben sehr gut vorbereitet hat. Zudem ist bekannt, dass er sich am Montagabend einige Stunden lang in der Nähe der Wohnung des Virologen Marc Van Ranst aufgehalten hat, also quasi dort auf der Lauer lag. Van Ranst und seine Familie wurden noch am Montag an einem unbekannten Ort in einem Safehouse in Sicherheit gebracht.

Rambo?

Conings, ein erfahrener Soldat mit Auszeichnungen (die er übrigens am Dienstag am Grab seiner Eltern hinterlegt hat), der ausgebildeter Scharfschütze mit einigen Auslandseinsätzen aufweisen kann, gilt aktuell als „potentiell gefährlicher Extremist“ und steht als einziger belgischer Soldat auf der Terrorliste des OCAD, dem Organ für die Analyse des Bedrohungsniveaus in Belgien. Doch offensichtlich ist dies nicht zu allen Sicherheitsdiensten durchgedrungen, denn bei der Armee z.B. wurde er nicht beobachtet und hatte Zugang zu Waffen aller Art.  

Bundesverteidigungsministerin Ludivine Dendonder (PS), die übrigens ebenfalls unter verstärktem Polizeischutz steht, sagte in dieser Woche, sie akzeptiere nicht, dass man sich mit Jürgen Conings solidarisch zeige: „Leute, die aus ihm einen Helden oder eine Rambo-Figur und einem Filmstar machen, die vertun sich glaube ich.“

In den sozialen Netzwerken findet der terrorverdächtige Soldat offen Unterstützung von tausenden extremster rechter Zeitgenossen, die sogar eine eigene Facebook-Seite gestartet haben. Psychologen sagen, dass dies auf eine starke Unzufriedenheit, die bei einem Teil der Bevölkerung lebt, zurückzuführen sei. 

Hausdurchsuchungen

Im Laufe des Samstag hat die Polizei Hausdurchsuchungen im Umfeld des Gesuchten in ganz Flandern vorgenommen. In dessen Wohnung im limburgischen Dilsel-Stokkem wurde dabei eine weitere Schusswaffe sichergestellt. Weiter wurden Wohnungen von Unterstützern durchsucht, z.B. von polizeilich bekannten Rechtsradikalen aus Militärkreisen und bei Unterstützern, die offen in den sozialen Netzwerken für Conings werben und ihn sogar anfeuern. 

Dazu gehört Tomas Boutens, ein ehemaliger Soldat und verurteilter Terrorist, der 2014 als Gründer und Leiter einer Neonazigruppe in Militärkreisen, die Gruppe "Blut, Boden, Ehre und Treue", zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Auch die Wohnung von Emmanuel M. wurde durchsucht. Er war vor kurzem bei einer Anti-Coronademo der rechtsradikalen Partei Vlaams Belang aufgefallen, weil auf seinem Auto ein Reichsadler, SS-Symbole und ein Nazi-Slogan prangte. Nicht zuletzt wurde auch die Wohnung von Alexander G. durchsucht, ein Belgier ukrainischer Herkunft, der mit para-militärischen Organisationen in Verbindung gebracht wird. Ihm wird von der belgischen Justiz u.a. illegaler Waffenbesitz vorgeworfen. 

Die Polizei konzentriert sich aktuell wohl auf das Umfeld des Gesuchten, denn möglicherweise wird er bei seinen Planungen aktiv unterstützt oder er konnte irgendwo dort Unterschlupf finden und untertauchen. Deshalb wird auch nach DNA-Spuren gesucht, um mögliche Pisten in der Fahndung auch ausschließen zu können. 

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