Politbarometer: Vlaams Belang größte Partei, Premier De Croo beliebtester Politiker

Würde an diesem Wochenende im belgischen Bundesland Flandern gewählt, dann wäre die rechtsradikale Partei Vlaams Belang wieder die stärkste Partei. Dies ist aus einem Politbarometer ersichtlich, der zu einer breitangelegten Meinungsumfrage unseres Hauses VRT und der flämischen Tageszeitung De Standaard gehört. Grundsätzlich bleibt die Verteilung der Macht im Vergleich zum Wahlresultat von 2019 unverändert. Besorgniserregend ist aber die Feststellung, dass sich heute jeder dritte Flame nicht mehr von einer Partei vertreten fühlt. 

Die aktuelle Sonntagsfrage gehört zur Studie „De Stemming“ („Die „Stimmung“), die VRT und De Standard in Auftrag gegeben haben. Die entsprechenden Umfragen wurden unter rund 2.000 Flamen von den Universitäten von Brüssel (VUB) und Antwerpen (UA) am 19. April 2021 durchgeführt. Die Auswertung steht unter der Leitung von Prof. Stefaan Walgrave (UA) und Jonas Lefevere (VUB).

Hinter Flandern und Belgien liegen auf politischer und gesellschaftlicher Ebene bewegte Zeiten. Da war zunächst die endlose Regierungsbildung auf belgischer Bundesebene und zum anderen auch die Corona-Gesundheitskrise mit all ihren Folgen für Gesellschaft und Politik.

Doch augenscheinlich hat dies nicht für politische Erdrutsche gesorgt, denn am prinzipiellen Wahlverhalten der Flamen hat sich nichts wesentlich geändert. Das bedeutet, dass die extremen Parteien im linken und rechten Spektrum gut abschneiden, während das Zentrum weiter schwach daherkommt, wie der Politbarometer (siehe unten) zeigt.

(Lesen Sie bitte unter der Grafik weiter)

Der rechtsradikale Vlaams Belang bleibt mit knapp 25 % der Stimmen im Vergleich zur letzten „Stemming“ 2020 stärkste Partei, gewinnt aber gegenüber dem Wahlresultat von 2019 (18,5 %) hinzu. Für die Rechtspartei wäre es wichtig, weiter zu wachsen, denn sie zielt bei den nächsten Landtagswahlen in Flandern darauf ab, für eine Mehrheitsbildung unentbehrlich zu werden. Die aktuelle Mehrheit aus den Nationaldemokraten N-VA, den Liberalen Open VLD und den Christdemokraten CD&V hätte laut diesem Politbarometer nur knapp 43 % der Stimmen. Bei den Wahlen von 2019 lag die Mehrheit noch bei 53,3 %.

Die klassischen Parteien schwimmen gemeinsam mit den Grünen von Groen in Flandern in etwa im gleichen Teich mit Resultaten von zwischen 10 und 12 %. Inzwischen klopft die linksradikale Arbeiterpartei PVDA mit 7,9 % hier an… Bei den klassischen Parteien haben die flämischen Sozialisten Vooruit (bisher SP.A) mit 12 % das beste Ergebnis gegenüber „De Stemming“ 2020. Die christdemokratische CD&V ist mit nur noch 10 % am schwächsten dran. Die Sozialisten haben es als einzige traditionelle Partei geschafft, ihr Profil zu schärfen.

Aber, dieser Politbarometer hat für die Politik in Flandern ein besonders kritisches Ergebnis. Auf die Frage: „Durch welchen Politiker oder durch welche Partei fühlen sie sich vertreten?“ lautete die häufigste Antwort: „Von keinem einzigen.“ Diese Antwort kam von jeden dritten Befragten… 

Wer ist der populärste Politiker in Flandern?

Zweifellos ist der belgische Premierminister Alexander De Croo von den flämischen Liberalen Open VLD der beliebteste Politiker in Flandern. Er liegt mit jetzt 13,2 % vor Bart De Wever, Bürgermeister von Antwerpen und Vorsitzender der flämischen Nationaldemokraten N-VA mit 11,8 % und dem Vlaams Belang-Vorsitzenden Tom Van Grieken mit 5,3 %. Ihm folgen die beiden Vooruit-Sozialisten Conner Rousseau (Parteichef) und Frank Vandenbroucke (Bundesgesundheitsminister). 

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