Virologen warnen vor Aufhebung Mindestabstand, Van Ranst befürchtet erneuten Corona-Anstieg im Sommer

Nachdem der Entwurf der belgischen Innenministerin über eine Lockerung der Abstandsregeln am 9. Juni bekannt wurde, warnen die Virologen vor der Aufhebung des Mindestabstands. Die Gesundheitsexperten, die der Corona-Beratungsgruppe der Regierung (GEMS) angehören, weisen auf die Gefahren der Lockerung hin. Der Virologe Marc Van Ranst befürchtet, dass die indische Variante des Virus sich auch in Belgien ausbreitet und die Zahl der Corona-Fälle im Sommer wieder ansteigen wird. 

“Es ist zu früh, um am 9. Juni eine Befreiungsparty zu feiern”, kommentierte Virologe Marc Van Ranst (KU Leuven) die Lockerungspläne der Regierung, die am Samstagmorgen bekannt wurden. Der Wissenschaftler blickt mit Sorge auf die indische Variante des Corona-Virus. "In Großbritannien ist die indische Variante auf dem Vormarsch und verursacht mehr Krankenhausaufenthalte. (…) Bei nicht geimpften Menschen kann sie sich sehr schnell ausbreiten. Und im Moment gibt es immer noch viele Leute hier, die nicht geimpft sind." 

Anzukündigen, dass am 9. Juni alles wieder möglich sei, findet der flämische Virologe (Foto unten) keine gute Sache. Er unterstreicht aber auch, dass die Regierung niemanden zwingt, sich nicht mehr an die Abstandsregeln zu halten. 

Nicolas Maeterlinck

Durchimpfung nicht hoch genug

Auch Steven Callens (Foto unten), Professor für Infektionskrankheiten (UGent) und Mitglied der GEMS-Expertengruppe, warnt vor einer Lockerung der sozialen Abstandsregeln ab dem 9. Juni. "Es ist unsere Aufgabe, auf die Gefahren hinzuweisen, und es ist die Aufgabe der Politiker, die Situation abzuwägen. Wir sind nicht in derselben Situation wie im vorigen, als etwa 100 Patienten auf der Intensivstation lagen und weniger als 1.000 Neuinfektionen pro Tag hinzukamen”, erklärte Callens in De ochtend auf Radio 1. 

Gegenwärtig liegen noch 469 Corona-Patienten auf einer Intensivstation und werden im Schnitt pro Tag noch rund 2000 neue Infektionen registriert. 

James Arthur Photography

Callens weist auch auf Faktoren hin, die sich im Vergleich zum vorigen Jahr deutlich verändert haben. Darunter die Impfkampagne und der bessere Umgang mit dem Virus. Auch das Gesundheitssystem sei besser organisiert. 

Allerdings sei die Durchimpfungsrate nicht hoch: “Wir sind noch nicht einmal bei 70 %. Das genügt nicht, um die Viruszirkulation vollständig zu unterdrücken. Die meisten Menschen haben nur eine Impfung erhalten. Sie bietet einen sehr guten Schutz vor schweren Erkrankungen, aber weniger vor einer Virusübertragung.”  

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