Das Tanzprojekt "Let’s Go Urban" muss nach Zuschussbetrug Konkurs anmelden

Nach der Aufdeckung von zahlreichen Unklarheiten bei der Verwendung von Zuschüssen der öffentlichen Hand an das einstige Vorzeige-Jugend- und Tanzprojekt „Let’s Go Urban“ der flämischen Landtagsabgeordneten Sihame El Kaouakibi (ehemals Open VLD) hatte die Stadt Antwerpen die Zusammenarbeit mit der Politikerin beendet. Das Projekt an sich genoss aber weiter ein hohes Ansehen.  Die Stadt wollte eigentlich, dass es dort irgendwie weitergeht. Doch jetzt muss das Projekt erst einmal offiziell Konkurs anmelden.

Viele Jugendliche haben hier seit Jahren ein Zuhause und einige von ihnen haben sogar danach Karriere gemacht, wie z.B. die flämische Sängerin Laura Tesoro. Die hat hier jahrelang getanzt: „Das ist herzzerreißen, denn das Projekt geht um mehr als nur um die Gründerin.“ Doch gerade diese sorgte dafür, dass es jetzt doch zu Ende geht.

„Let’s Go Urban“ wurde als kulturelles Integrationsprojekt für Jugendliche gegründet. Die Organisation  kümmerte sich um sozial benachteiligte Jugendliche in Antwerpen und bot ihnen eine Struktur, gerade auch jetzt in diesen Coronazeiten. Das Projekt hat auch Ableger in Brüssel. Gründerin Sihame El Kaouakibi ist in den vergangenen Monaten wegen mutmaßlichem Subsidien-Missbrauchs in die Schlagzeilen geraten.

Vernichtender Audit und die Folgen davon

Ein Auditbericht der Stadt Antwerpen zeigte vor einigen Wochen auf, dass von den 3,5 Mio. €, die die Stadt in das „Urban Center“, ein neues Gebäude für die gemeinnützige Organisation der flämischen Politikerin Sihame El Kaouakibi (die einem Rauswurf bei den flämischen Liberalen Open VLD mit ihrem Parteiaustritt zuvorgekommen war), investiert hat, möglicherweise bis zu 350.000 € über ungerechtfertigte Rechnungen an ihre Privatfirmen abgezweigt wurden. Rund 120.000 € sollen über Betriebskosten abgeschöpft worden sein.

Es handelt sich dabei um Beträge, die der Stadt für Leistungen in Rechnung gestellt wurden, die nicht in das „Urban Center“, sondern mutmaßlich inoffiziell für eine der privaten Firmen von Sihame El Kaouakibi bestimmt waren. Offenbar sind zudem einige dieser Rechnungen gefälscht worden, wohl mit dem Ziel, zu verbergen, dass die Subventionsgelder an ihre privaten Unternehmen flossen (oder fließen sollten).

Knappe Kasse(n)

Inzwischen sind noch 611 € auf dem Konto von „Let’s Go Urban“ und es stehen Rechnungen und Zahlungen in Höhe von rund 200.000 € aus. Dies wurde letzte Woche bekannt, als die vorläufige Verwalterin des Projekts (die von der Justiz eingesetzt wurde) vor dem Antwerpener Handelsgericht den Konkurs für das Projekt empfahl. Dies sei unvermeidlich, hieß es dazu.

Die Angelegenheit wird vor Gericht kommen, denn die Schuldner fordern ihr Geld. Und sowohl die Stadt Antwerpen, als auch die flämischen Landesbehörden wollen zu Unrecht verwendete Zuschüsse zurückfordern.

Für das Tanzprojekt wird jetzt eine Übernahme oder eine neue Betreiberform gesucht. Für die privaten Unternehmen von Sihame El Kaouakibi sieht es übrigens gerade ebenfalls sehr schlecht aus. Auch den Firmen Wannawork und JJ House sowie dem Mutterhaus Point Urbain droht ein Konkurs, denn auch dort wurden Rechnungen nicht bezahlt. Und letztendlich werden hier zu Unrecht geflossene Zuschüsse, die eigentlich für „Let’s Go Urban“ gedacht waren, wohl zurückgezahlt werden müssen. 

Sihame El Kaouakibi

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