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Hohe Aggressivität gegen Radfahrer in Brüssel

Dass die Zahl der Radfahrer in der Hauptstadt in den letzten Jahren unentwegt zunimmt, fällt zum Beispiel auf, wenn ein gutes halbes Dutzend Biker an der roten Ampel warten. Früher waren sie eher eine Seltenheit in der Stadt, die für die Autofahrer wie gebaut schien. Seit Beginn der Corona-Krise sind in der Hauptstadt-Region auch 38 Kilometer neue Radwege angelegt worden. Es bewegt sich also viel. Trotzdem empfinden viele Brüsseler Radfahrer ihre Stadt noch immer als ein gefährliches Pflaster. Nicht zuletzt, weil ihnen eine hohe Aggressivität entgegen schwappt. Das hat Professor Bas de Geus von der flämischen Freien Universität Brüssel (VUB) in einer mit der VRT veranstalteten Umfrage herausgefunden.

Jeder fünfte Brüsseler Radfahrer sagt, er fühle sich heute sicherer als zuvor im Straßenverkehr. Zu verdanken ist dies in erster Linie dem Ausbau der Radwege. 71,3 % der Befragten hat die neuen Radwege zur Kenntnis genommen. Diese sind die Voraussetzung schlechthin, um auf das Fahrrad umzusteigen. 

Darauf weist auch die Brüsseler Ministerin für Mobilität und Verkehrssicherheit Elke Van den Brandt (Grüne) hin. "Unsicherheit ist der Hauptgrund, warum die Menschen in Brüssel nicht mit dem Fahrrad fahren. Deshalb haben wir 40 zusätzliche Kilometer Radwege geschaffen: nur um den Radfahrern zu zeigen, dass wir daran arbeiten."  

Verbale Aggression

Brüsseler Radfahrer haben unter einer Menge Aggressivität zu leiden, hat Bas de Geus herausgefunden. "Siebzig Prozent geben an, in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 mindestens einmal im Monat von anderen Verkehrsteilnehmern beschimpft worden zu sein. Wir haben auch nach körperlichen Übergriffen gefragt, aber das ist zum Glück recht selten." 

In Brüssel geht die Aggression hauptsächlich von den Autofahrern aus. Dieses Ergebnis entspricht den Ergebnissen internationaler Studien. Ausgenommen in anderen Fahrradstädten wie Amsterdam oder Kopenhagen, Radfahrer untereinander häufiger aneinandergeraten. 

Brüsseler Radfahrer sind auch keine Heiligen

In der Umfrage gab der Brüsseler Radfahrer zu, dass er sich noch lange nicht immer an die Regeln hält und auch mit viel Risiko fährt. Dieses Verhalten hat 2020 sogar zugenommen. Die meisten Radfahrer gaben an, dass sie sich "nie" oder "selten" an Unhöflichkeiten beteiligen.  

Eine Umfrage unter 724 Brüsseler Radfahrern

Im November und Dezember 2020 haben die VUB und VRT NWS flämische (593) und Brüsseler Radfahrer (724) befragt. In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf die Ergebnisse aus Brüssel. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ für alle Brüsseler (Radfahrer und Nicht-Radfahrer), aber sie geben dennoch ein zuverlässiges Bild des Radfahrers in der Hauptstadt. 

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