Rob Engelaar

Wer jünger als 41 Jahre ist, kann sich in Flandern freiwillig mit Johnson & Johnson impfen lassen

Flanderns Landesgesundheitsminister Wouter Beke (CD&V) hat am späten Donnerstagnachmittag angekündigt, dass sich Personen, die jünger als 41 Jahre alt sind, auf freiwilliger Basis auch mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson impfen lassen können. Dieses Vakzin wurde vor rund 2 Wochen für Personen unter 40 Jahren zurückgezogen, nach dem eine jüngere Frau nach einer Impfung mit Johnson & Johnson gestorben war. Dieser Vorstoß ist ein flämischer Alleingang, denn Brüssel und die Wallonie machen dabei nicht mit. Am Freitag rief Beke die Twens in Flandern dazu auf, sich impfen zu lassen... 

Die Frau lebte in Belgien, arbeitete aber im Ausland und wurde über ihren Arbeitgeber gegen Corona geimpft. Dabei wurde der Impfstoff von Johnson & Johnson angewendet. Zum US-Pharmakonzern Johnson & Johnson gehört auch die belgische Pharmagruppe Janssen Pharmaceutica, genauer Janssen-Cilag International N.V in Beerse (Provinz Antwerpen), die den Corona-Impfstoff maßgeblich mitentwickelt hat. Bei der Frau entwickelte sich nach der Impfung ein Blutgerinnsel im Gehirn, woran sie in einem belgischen Krankenhaus auch gestorben war.

Das flämische Gesundheitsministerium stuft solche und ähnliche Nebenwirkungen als äußerst selten ein und gibt das Johnson & Johnson-Vakzin jetzt für Personen unter 41 Jahren frei. Wer sich in Flandern angesprochen fühlt, der kann sich freiwillig mit diesem Impfstoff impfen lassen. Er hat auch den Vorteil, dass hier nur eine Impfung notwendig ist. 

Reservelisten werden angepasst

Die Qvax-Reserveliste wurde inzwischen im belgischen Bundesland Flandern dahingehend angepasst, dass Personen, die jünger als 41 Jahre alt sind, bei überzähligen J&J-Impfdosen in den Impfzentren angesprochen werden können.

Mit dieser Vorgehensweise will Landesgesundheitsminister Beke versuchen, das Ziel, jeden erwachsenen Flamen bis zum 11. Juli (ein symbolisches Datum, denn dann ist der flämische Feiertag) zumindest ein erstes Mal geimpft zu haben, erreichen. 

Machbar, aber mit hohem Verwaltungsaufwand

Die durch Probleme bei der Lieferung von Impfstoffen entstandenen Verzögerungen sollen so aufgefangen werden, so Beke. Wie viele Personen dadurch mit Johnson & Johnson geimpft werden können, hängt allerdings auch wiederum von den Lieferungen ab.

Für die Impfzentren beginnt damit ein weiteres Puzzeln, denn viele Flamen, die noch geimpft werden müssen, wollen in den kommenden Wochen in Urlaub fahren und versuchen jetzt, neue und besser passende Impftermine zu bekommen.

Pierre Van Damme, Professor für Vakzinologie an der Universität Antwerpen (UA), sagte dazu gegenüber VRT NWS, dass dies praktisch durchführbar sei, wenn auch mit hohem Verwaltungsaufwand. Dabei werden auch Online-Impftermin-Buchungen hilfreich sein, wie sie im Impfzentrum Park Spoor Oost in Antwerpen möglich sind. 

Wallonie und Brüssel machen nicht mit

Dieser Vorstoß von Landesgesundheitsminister Beke stellt einen flämischen Alleingang dar. Walloniens Gesundheitsministerin Christie Morreale (PS) und Alain Maron (Ecolo), Gesundheitsminister der Region Brüssel-Hauptstadt, gaben an, sich dem nicht anzuschließen.

Morreale sagte dazu am Donnerstagabend, dass die belgische Arzneimittelagentur (AFMPS-FAGG) noch keine entsprechende Empfehlungen ausgesprochen habe. Hinzu kommt noch, dass die Wallonie die aktuell noch vorhandenen Johnson&Johnson-Reserven ältere Personen vorbehält.

Ihr Brüsseler Amtskollege gab zu verstehen, dass hier die Vorräte an J&J-Vakzinen für jüngere Personen in prekären Lebensumständen vorgesehen seien (Obdachlose, Prostituierte, Flüchtlinge ohne Aufenthaltsstatut…), für die die anderen Impfstoffe durch die Tatsache, dass diese zwei Impfungen benötigen, keine Alternative darstellen würden.

"We want you!"

Landesgesundheitsminister Beke rief am Freitag die Twens in Flandern dazu auf, sich über Qvax zum Impfen anzumelden: „We want you!“ Da die meisten über 30-Jährigen inzwischen ihre Einladung zum Impfen erhalten haben, werden wieder Termine in dieser Reserveliste frei, die Beke nur allzu gerne jüngeren Leuten anbietet, die sich angesichts des Sommers auf freiwilliger Basis impfen lassen wollen. 

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