PFOS-Umweltskandal: Flanderns Landesregierung ergreift Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung

Flanderns Landesumweltministerin Zuhal Demir (N-VA - Foto) rechtfertigte sich am Wochenende gegenüber VRT NWS für ihre Forderung nach einem Untersuchungsausschuss nach der Entdeckung von PFOS-verseuchtem Abraum in Zwijndrecht bei Antwerpen. Die Angelegenheit ist inzwischen politisch hochsensibel und sorgte für Spannung innerhalb der flämischen Landesregierung. Flanderns Landesregierung ergreift in dessen Schutzmaßnahmen gegen die PFOS-Umweltverschmutzung für die Bevölkerung, die im Umkreis des 3M-Werks in Zwijndrecht leben.

„Die Frage ist vor allem, was ist falsch gelaufen und warum wurden bestimmte Informationen nicht weitergegeben?“, sagte Demir am Sonntag im VRT-Sonntagsmagazin „De zevende dag“ („Der siebte Tag“). Aus diesem Grunde habe sie in der vergangenen Woche die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses empfohlen. 

Offenbar verfügten sie und ihr Ministerium nicht über Informationen zu diesem Vorgang, als vor einigen Tagen große Mengen an PFOS-verseuchtem Abraum bei Bauarbeiten zu einem neuen Schelde-Tunnel an der „Oosterweel“-Verkehrsachse bei Zwijndrecht entdeckt wurden (siehe nebenstehenden Beitrag).

Umweltministerin Demir hatte auch am Sonntag noch viele Fragen zu dem Vorgang: „Was ist hier los? Rund um dieses Thema sind viele Studien und Besprechungen durchgeführt worden. Ich verstehe nicht, dass diese Informationen nicht weitergegeben werden. Lasst und das einmal untersuchen. Liegt hier ein Systemfehler vor? Wie ist die Verbindung zwischen 3M (das Werk hat in der Nähe des Fundortes bis Anfang der 2000er Jahre PFOS produziert (Red.)), den lokalen Behörden und den Verwaltungen? Ist hier eine Struktur? Gibt es Informationen, wie wir verpassen? Das sind Dinge, die untersucht werden müssen, um solche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden.“ 

Flanderns Landesregierung ergreift Schutzmaßnahmen gegen die PFOS-Umweltverschmutzung

  • Der Ministerrat der flämischen Landesregierung hat am Montag Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung rund um das 3M-Werk in Zwijndrecht beschlossen. Die Landesagentur für Pflege und Gesundheit teilt dazu mit, dass in einem Umkreis von 10 km rund um das Chemiewerk nur noch sehr wenige Eier aus eigener Geflügelhaltung gegessen sollten.
  • In einem Umkreis von 1,5 km rund um das Werk sollen Kinder unter 12 Jahren, Schwangere, Mütter, die die Brust geben und Frauen, die schwanger werden wollen, kein selbstgezogenes Gemüse oder Obst essen..
  • Dem Rest der Bevölkerung wird geraten, selbst gezogenes Gemüse nur in Maßen zu konsumieren. Der Verzehr von Fleisch von im eigenen Garten gezüchteten Kleinvieh wird abgeraten und auch das Essen von Eiern von den eigenen Hühnern.
  • Dies wird auch Bewohnern aus einem Umkreis von 5 bis 10 km geraten. Hier sollte man höchstens ein solches Ei pro Woche essen.
  • Die Landesagentur für Pflege und Gesundheit wird diese Umweltverschmutzung genau analysieren und je nach Sachlage entscheiden, ob diese Maßnahmen gelockert werden können oder verschärft werden müssen.
  • Wer in einem Umkreis von 3 km um das 3M-Werk lebt und mindestens 12 Jahre alt ist, der kann auf freiwilliger Basis sein Blut auf PFOS untersuchen lassen. Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden werden diese Vorschriften in lokale Regelungen umsetzen.

Untersuchungen bereits im Jahr 2000

Im Jahr 2000 wurde das Blut der Mitarbeiter des 3M-Werks in Zwijndrecht untersucht, wonach anschließend deutlich wurde, dass sich im Blut der Belegschaft entsprechende Schadstoffe angesammelt hatten. 2004 untersuchte die Universität Antwerpen (UA) die Umgebung des Werks, woraus deutlich wurde, dass bei Tieren, die dort leben, die höchste Konzentration von PFOS weltweit aufwiesen. 

Und auch die Flämische Landesabfallgesellschaft OVAM ließ mehrere Studien und Messungen durchführen. Die OVAM muss sich in dieser Frage vor dem gesamten Ministerrat der flämischen Landesregierung für die Art und Weise verantworten, mit der sie in den vergangenen 20 Jahren mit der PFOS-Akte umgegangen ist. 

Unser Video unten zeigt Aufnahmen des 3M-Werks in Zwijndrecht, möglich PFOS-verseuchte landwirtschaftliche Felder in der Umgebung und die "Oosterweel"-Baustelle, an der PFOS-kontaminierter Abraum entdeckt wurde.

Laden Video-Player ...

Meist gelesen auf VRT Nachrichten