Virologe Piet Maes: Corona-Delta-Variante muss unter Beobachtung bleiben

Großbritannien hat die letzte Lockerungsphase der Corona-Maßnahmen um einen Monat auf den 19. Juli verschoben. Hauptgrund ist der erneute Anstieg der Corona-Fälle, insbesondere aufgrund einer Infektion mit der Delta-Variante. So nennt die Weltgesundheitsorganisation die in Indien identifizierte Variante. Es ist etwas unklar, warum diese Variante bei den Briten so stark zunimmt, sagt Piet Maes, Virologe am Rega-Institut der KU Leuven. 

"Die Delta-Variante ist nach den derzeit verfügbaren Daten 30 bis 40 Prozent infektiöser als die Alpha-Variante, wie die "britische" Variante inzwischen genannt wird. Es gibt aber keine besonderen Mutationen, die diese Variante zu einer Art Supervirus machen würden. Die Ursache für den Anstieg ist also unklar”, erläuterte Piet Maes in "De Morgen" auf Radio 1. 

Dass es in Großbritannien eine große indischstämmige Bevölkerung gebe, mag eine Rolle spielen, "aber wir sehen auch einen Anstieg der Delta-Variante in anderen Ländern, zum Beispiel in Russland." Auch die Impfstrategie der Briten könnte eine Rolle spielen: "Sie haben sich hauptsächlich auf die Verabreichung der ersten Impfdosis konzentriert. Und in der Zwischenzeit ist klar, dass zwei Spritzen nötig sind, um vollständig geschützt zu sein. Möglicherweise ist das ein Grund, warum die Delta-Variante dort mehr im Umlauf ist."

12 % der Corona-Infektionen in Belgien

In Belgien stellt die Delta-Variante etwa 12 Prozent der bestätigten Infektionen dar. Die Entwicklung müsse auf jeden Fall berücksichtigt werden, sagte Virologe Piet Maes: "Die Infektionen gehen sehr stark zurück, die Impfrate ist sehr hoch. Das ist im Moment alles positiv. Es ist schwer abzuschätzen, ob diese Variante die Oberhand gewinnt. Abnormal wäre das nicht. Deshalb ist es wichtig, die Zahl der Infektionen so gering wie möglich zu halten." 

Meist gelesen auf VRT Nachrichten