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Die Niederländer öffnen sich: Kommt dann doch neues Leben in den Eisernen Rhein?

Belgien, die Niederlande und Deutschland lassen eine neue Kosten-Nutzungs-Analyse zur Reaktivierung der Bahnstrecke Eiserner Rhein anfertigen. Dies ist die historische Bahnstrecke zwischen dem Hafen von Antwerpen und dem Ruhrgebiet. Die flämischen Tageszeitungen Belang van Limburg, Gazet van Antwerpen und Het Nieuwsblad melden am Mittwoch, dass die Niederlande - in dieser Frage eher notorisch zurückhaltend - die Türe dahin einen Spalt geöffnet haben.

Belgien, genauer Flandern und der Hafen von Antwerpen, wünscht sich eine weitere Bahnverbindung für den Güterverkehr in Richtung Ruhrgebiet seit Jahren sehnlichst, doch immer wieder stieß man hier auf Widerstand aus den Niederlanden. Vordergründig kritisierten die Niederländer, dass diese Bahnstrecke quer durch den Naturpark Meinweg in der niederländischen Provinz Limburg verläuft. Doch eigentlich hatte der Hafen von Rotterdam damit stets die größten Probleme: Konkurrenz zum Hafen von Antwerpen und zu einer eigenen Güterbahnverbindung nach Deutschland, die Betuwelijn.

In den Jahren 2016-2017 wurde analysiert, ob es zum Streckenverlauf durch Park Meinweg keine Alternative gibt. Daraus entstand 2018 die letzte Version der Planung, die sogenannte 3RX-Variante (siehe nebenstehenden Beitrag), bei der die Strecke über Venlo verlaufen soll. 

Lobbyarbeit gegen die 3RX-Variante in den Niederlanden

Doch auch diese Variante konnte die Niederländer seinerzeit nicht begeistern. Vor allem die dazu angefertigte Kosten-Nutzungs-Analyse viel in ihren Augen eher mager aus, wie die flämische Tageszeitung Het Laatste Nieuws dazu schreibt. Daraus wurde ersichtlich, dass die Arbeiten zur Reaktivierung und zu den Neubaubereichen auf rund 590 Mio. € zu veranschlagen seien und mögliche Mehrkosten sollen sich auf 407 bis 762 Mio. € belaufen können.

Gerade diese Summen veranlassten den Rotterdamer Hafen dazu, gegen das 3RX-Projekt Lobbypolitik zu betreiben, wieder mit dem Argument für die Niederländer, dass dies zu mehr Konkurrenz aus dem Antwerpener Hafen führen würde. Doch im kommenden Sommer wird eine neue Berechnung angestellt, die bis zu einem Jahr dauern soll. Die Kosten für diese neue Kosten-Nutzungs-Analyse tragen die drei beteiligten Länder Belgien, die Niederlande und Deutschland zu je einem Drittel. 

Lassen neue Fakten die Niederlande jetzt umdenken?

Fachleute und Beobachter gehen von einer vorsichtigen Öffnung von Seiten der Niederlande in diesem „ewigen Dossier“ aus. Inzwischen gibt es neue Faktoren, Gegebenheiten, die vor 5 Jahren noch nicht vorlagen. Und dies soll die neue Kosten-Nutzungs-Analyse berücksichtigen. Dabei geht es u.a. um die Stickstoff-Problematik in den Niederlanden bzw. um neue Umweltanforderungen. Dadurch wird mehr Güterverkehr auf der Schiene wieder sehr attraktiv.

Die Studie soll allerdings auch untersuchen, ob man über den Eisernen Rhein nicht doch auch Personenzüge fahren lassen kann oder soll. Hier wiederum spielt der europäische Green Deal eine große Rolle. In Deutschland, genauer in Ruhrgebiets-Bundesland Nordrhein-Westfalen, steht man schon lange hinter dem Projekt Eiserner Rhein, schon wegen der engen Partnerschaft zwischen dem Binnen- und Rheinhafen von Duisburg und dem Hafen von Antwerpen… 

2018 wurden in NRW Fakten gegen die (alte) Bahnstrecke geschaffen

Allerdings waren auch stets einige NRW-Städte und -Gemeinden gegen eine Reaktivierung des Eisernen Rheins. Und hier wurden 2018 Fakten geschaffen. Das Eisenbahn-Bundesamt hatte damals  der dauerhaften Einstellung des Betriebes der 1,2 km langen Schienenstücks zwischen Dalheim und der niederländischen Grenze zugestimmt. Güterbahnverkehr auf dem historischen Eisernen Rhein über den Bahnhof Dalheim in die Niederlande ist damit theoretisch nicht mehr möglich.

Die Deutsche Bahn Netz AG hatte vorher einen entsprechenden Antrag wegen „Unwirtschaftlichkeit des Streckenbetriebs“ gestellt,; wie RP-Online damals schrieb. Die 1,2 Kilometer lange, eingleisige und nicht elektrifizierte Teilstrecke ist seit 1992 nur vorgehalten worden, um unter Umständen den „Eisernen Rhein“ reaktivieren zu können. DB Netz musste den Streckenabschnitt unterhalten, konnte daraus aber keine Erlöse erzielen. Das kam einigen Gemeinden rund um Wegberg und Mönchengladbach damals sehr gelegen, denn Bahnverkehr auf einer existierenden Strecke, das geht ja gar nicht… 

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