Antwerpen und Westflandern: Überdurchschnittlich hohe PFAS-Werte im Leitungswasser

Das Leitungswasser in Zwijndrecht und Antwerpen enthält mehr PFAS als im Rest von Flandern. Nur noch ein weiteres Gebiet – die westflämische Region Kuurne, Waregem und Kortrijk - weist ebenfalls überdurchschnittlich hohe Werte dieser Gruppe von giftigen und extrem langlebigen Chemikalien auf, wie Daten aus dem Jahr 2018 zeigen. Doch selbst diese höheren Konzentrationen bleiben deutlich unter dem europäischen Grenzwert. 

Die flämische Agentur für Pflege und Gesundheit (Agentschap Zorg en Gezondheid) und die Umweltagentur VMM (Vlaamse Milieumaatschappij) haben 2018 gemeinsam verschiedene Wasserproben in ganz Flandern analysieren lassen.

Die Trinkwasserversorger rund um Zwijndrecht (wo der jüngste PFOS-Skandal ausbrach) und auch im Süden Westflanderns schnitten mit Werten zwischen 30 und 60 Nanogramm pro Liter schlechter als der Durchschnitt ab. Der 2020 eingeführte europäische Grenzwert erlaubt maximal 100 Nanogramm PFAS pro Liter. 

Beide Agenturen betonen, dass sie nur eine begrenzte Anzahl von Proben genommen haben. Und sie haben auch nicht alle verschiedenen Typen der PFAS-Chemikalien überprüft. Sie überprüften 14 Typen, schlossen aber zwei der schädlichsten ein, PFOS und PFOA. Es gibt etwa 20 Typen, die in erhöhten Konzentrationen die Gesundheit schädigen können, darunter auch PFOS.

Es scheint, dass PFAS in der gesamten flämischen Umwelt (Flüsse, Land, etc.) vorhanden ist, aber dass die Werte unterhalb der europäischen Alarmstufe bleiben.

Was sind PFAS (Per- und polyfluorierte Chemikalien) und wie gefährlich sind sie?

PFAS sind wasser-, fett- und schmutzabweisend sowie chemisch und thermisch stabil. Aufgrund dieser Eigenschaften werden sie in zahlreichen Verbraucherprodukten wie Kosmetika, Kochgeschirr, Papierbeschichtungen, Textilien oder Ski-Wachsen verarbeitet. Außerdem werden PFAS zur Oberflächenbehandlung von Metallen und Kunststoffen, in Pflanzenschutzmitteln oder Feuerlöschmitteln verwendet.

Diese ausschließlich menschengemachten PFAS sind extrem langlebig und verteilen sich in der Umwelt in kürzester Zeit über das Wasser und reichern sich in verschiedenen Organismen bis hin zum Menschen an. Da es sich um neue Stoffe handelt, ist unser Wissen um ihre Wirkung bislang noch gering. Allerdings wurden in den letzten Jahren bei ihnen zunehmend gesundheitsschädlichen Wirkungen nachgewiesen, was in Kombination mit der Langlebigkeit besonders bedenklich ist.

Menschen können PFAS vor allem über Lebensmittel (inklusive Trinkwasser) aufnehmen. PFAS sind in Böden, Trinkwasser, Futtermitteln und in Bedarfsgegenständen (Verpackungen unter anderem) nachweisbar. Laut aktueller Kenntnisse der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA sind vor allem Fisch, Obst und Eier sowie daraus hergestellte Lebensmittelerzeugnisse mit PFAS belastet.

 

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