Belgien wird Beutekunst aus der Kolonialzeit an Kongo zurückgeben. Großteil bleibt vorerst in Tervuren

Alle ehemaligen Kolonialmächte stehen vor dem gleichen Problem: Wie die während der Kolonialzeit beschlagnahmten Kunstwerke - die seitdem in den Museen Europas gezeigt werden -  verwalten und wieder an ihre Herkunftsländer rückerstatten? Belgiens Regierung hat sich nun für eine innovative Lösung entschieden, wie die Zeitungen Le Soir und De Standaard am Samstag berichteten.

Thomas Dermine (PS), Staatssekretär für Wissenschaftspolitik, überzeugte seine Ministerkollegen mit einer Argumentation, die auf einer einfachen Logik beruht: Was mit Zwang und Gewalt unter illegitimen Bedingungen erworben wurde, muss im Prinzip zurückgegeben werden. Da die Demokratische Republik Kongo das erste Land ist, das hiervon im Falle Belgiens betroffen ist, wird den dortigen Behörden vorgeschlagen, die Frage des Besitzverhältnisses dieser Kunstwerke von der Frage der physischen Rückgabe zu trennen.

"Es hat sich herausgestellt, dass die 85.000 Gegenstände im Königlichen Museum für Zentralafrika in Tervuren (AfrikaMuseum) in vier Kategorien unterteilt werden können“, so der Staatssekretär

In der ersten Kategorie befinden sich Objekte, die auf absolut illegale Weise erworben und transferiert wurden: 283 davon - oder 0,3 % der Gesamtzahl - sind eindeutig als Beutekunst identifiziert, die mit Gewalt erworben wurde, und 600 Objekte kamen illegal nach Belgien.

Für diese Objekte ist das Prinzip klar: Sie müssen zurückgegeben werden. „Für Objekte, die nachweislich unrechtmäßig erworben wurden, könnte jedoch mit der Demokratischen Republik Kongo ein 'Rückgabe-Hinterlegungsabkommen' geschlossen werden", erklärte der Staatssekretär. Eine gemeinsame Kommission von Belgiern und Kongolesen wird diese Frage untersuchen. In der Praxis verbleiben die Objekte vorerst in Tervuren, aber der Kongo kann sie zurückverlangen.

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