Eingestürzte Schule wird wohl abgerissen: „Wird schwierig, Lösung für hunderte Kinder zu finden"

Die Stadt Antwerpen und der öffentlichen Schulträger (GO!) suchen fieberhaft nach einer Lösung für hunderte Kinder, die ab dem 1. September in dem am Freitag eingestürzten Neubau zur Schule hätten gehen sollen. Das Gebäude wird wahrscheinlich ganz oder teilweise abgerissen werden müssen. Ein Konstruktionsfehler könnte die Ursache für die Katastrophe gewesen sein, bei der fünf Bauarbeiter umkamen.

"Wir sind alle noch sehr betroffen", sagt Danielle Van Ast. Sie ist die Geschäftsführerin von GO!-Schulgruppe Antwerpen, die in dem Gebäude eine Grundschule eröffnen sollte. "Zuallererst sind wir natürlich sehr traurig wegen der fünf Todesopfer. Das ist es, was uns in erster Linie beschäftigt. Aber wir müssen bis zum 1. September auch einen Platz für unsere 220 Kinder finden."

Diese 220 Kinder sollten in der K'DO, einer musischen Grundschule, zur Schule gehen. "Diese Schule musste schon mehrmals umziehen. Aber in den letzten Jahren konnten wir endlich an einen festen Standort umziehen, der komplett für das Bildungsprojekt gebaut wurde. Es waren Ateliers für die musische Ausbildung der Schüler vorgesehen und das Gebäude wollte entsprechend der dort angewandten Lehrmethoden ausgestattet werden. Alle waren bereit, mit diesem innovativen Ausbildungsprojekt zu beginnen. Zum Zeitpunkt des Einsturzes saßen wir noch zusammen, um die letzten praktischen Dinge zu regeln. Am Morgen haben wir uns vor Ort alles noch einmal angeschaut. Die Möbel sind bestellt, alles ist gepackt. Und nun ist der Traum der Kinder, der Lehrer und der Schulleitung in wenigen Minuten zerplatzt."

Unser Traum ist in wenigen Minuten zerplatzt
Danielle Van Ast, GO! Antwerpen

Der Antwerpener Bürgermeister De Wever (N-VA) deutete bereits an, dass das Gebäude wahrscheinlich ganz oder teilweise abgerissen werden muss. "Auch unsere Architektin von der Schulgruppe meint, dass das Gebäude komplett abgerissen werden muss", sagt Van Ast. "Das bedeutet, dass uns ein Zeitraum von mehreren Jahren bevorsteht, bevor wir wieder einen festen Platz haben. GO! und die Stadt Antwerpen werden nach einer Lösung für dieses Problem suchen, aber es wird natürlich immer eine zweite Wahl sein."

Viele Reaktionen von Eltern hat die Direktion noch nicht erhalten: "Ich glaube, die Niedergeschlagenheit ist noch zu groß. Viele Eltern sind wahrscheinlich noch dabei, die Nachricht zu verarbeiten. Ich merke das auch an mir selbst: Es sind hier fünf Menschen gestorben, deshalb gibt es eine gewisse Scheu, über unser Problem zu sprechen. Aber es ist ein Problem, das wir lösen müssen."

Möglicherweise kann die Schule am 1. September an ihrem jetzigen Standort wieder starten. "Aber auf lange Sicht ist das keine Lösung. Unsere Kinder könnten dort im Museumsgarten spielen, aber dort wird gebaut, so dass unsere Kinder dann keinen Platz im Freien haben werden. Ich hoffe, so schnell wie möglich eine Lösung zu finden, aber es wird nicht einfach sein. Viele Leute haben Ideen und es gibt eine große Solidarität. Aber leider können wir nicht einfach ein Bürogebäude als Schule nutzen. Wenn ich sehe, wie viele Menschen uns helfen wollen, bin ich zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden werden. Aber im Moment gibt es noch keine."

Konstruktionsfehler als Ursache?

Nachdem nun die Leichen der fünf getöteten Bauarbeiter geborgen wurden, stellt sich die Frage nach der Ursache der Katastrophe. Das Gericht hat einen Sachverständigen bestellt, der in wenigen Tagen einen Bericht vorlegen muss. In der VRT-Sonntags-Talkshow "De zevende dag" (dt.: Der siebte Tag) deutete Bürgermeister De Wever (Foto unten) an, dass es einen Fehler bei der Konstruktion des Gebäudes gegeben haben könnte: "Ich habe mit dem Stadtingenieur darüber gesprochen. Natürlich unterliegt dies alles einer Untersuchung, einschließlich einer gerichtlichen Untersuchung, also müssen wir sehr vorsichtig sein, was wir sagen. Aber die Grundannahme ist ein Konstruktionsfehler. Und das ist wirklich dramatisch. Denn wenn das später passiert wäre, mit Hunderten von Kindern im Gebäude, wäre das eine beispiellose Katastrophe gewesen. Es ist schon unglaublich schlimm, aber so etwas will man sich erst recht nicht vorstellen."

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