Mehr als einen Monat nach seinem Verschwinden: Leiche von Jürgen Conings wurde gefunden

Der leblose Körper des Terrorverdächtigen Jürgen Conings (Foto) ist im Dilserbos in Dilsen-Stokkem (Provinz Limburg, siehe Karte im Text) gefunden worden. Laut Bürgermeister Johan Tollenaere (Open VLD, flämische Liberale) von Maaseik - der die Leiche gefunden hat - handelt es sich tatsächlich um Conings. Das wurde inzwischen von der Bundesstaatsanwaltschaft nach einem Befund des Gerichtsmediziners bestätigt. "Nach den ersten Feststellungen handelt es sich um Conings", teilte die Bundesstaatsanwaltschaft in einer Pressemitteilung mit. "Die wahrscheinliche Todesursache ist nach den ersten Untersuchungsergebnissen Selbstmord."

Die Leiche wurde am Sonntagmorgen von Johan Tollenaere, dem Bürgermeister von Maaseik, entdeckt. "Während meiner Mountainbiketour heute Morgen auf einer Strecke, auf der nur wenige Leute fahren, habe ich einen starken Verwesungsgeruch festgestellt", erklärte Tollenaere gegenüber VRT NWS. "Ich dachte sofort an Jürgen Conings und verständigte die Polizei. Sie haben die Leiche gefunden. Ich bin nicht selbst zur Leiche gegangen."

In einer Pressemitteilung gab die Bundesstaatsanwaltschaft bekannt, dass es sich nach ersten Erkenntnissen tatsächlich um Jürgen Conings handeln würde. "Die wahrscheinliche Todesursache wäre nach den ersten Ermittlungsergebnissen ein Selbstmord. Dies muss jedoch noch durch die rechtsmedizinische Untersuchung bestätigt werden."

Polizeieinsatz am Fundort der Leiche. Text geht unter dem Foto weiter:

"Der Wald ‚Dilserbos‘ ist ganz in der Nähe, wo er sein Auto abgestellt hat", weiß Philip Heymans von unserer Justizredaktion. "Dort haben viele Durchsuchungen stattgefunden und man hat seine Sachen gefunden. Es bleibt die Frage, wie lange die Leiche dort gelegen hatte und wie es möglich ist, dass sie bisher nicht gefunden wurde. Nach ersten Informationen scheint alles auf eine Verzweiflungstat hinzudeuten."

Der Gouverneur von Limburg, Jos Lantmeeters, sagte der Nachrichtenagentur Belga, dass der Ort, an dem die Leiche gefunden wurde, nicht in die Zone fällt, in der in der ersten Woche nach dem Verschwinden eine massive Suche durchgeführt wurde. Diese Suche kostete das Verteidigungsministerium 650.000 Euro, wie diese Woche im Parlamentsausschuss bekannt wurde.

Bitte unter den Landkarten weiterlesen:

"Luftlinie liegt der Fundort der Leiche etwa drei Kilometer von dem Ort, an dem sein Rucksack entdeckt wurde", erklärte Anne Vanrenterghem von unserem Justizredaktion während einer Sondersendung der VRT-TV-Nachrichten. "Auch dieser Rucksack wurde erst vor eineinhalb Wochen gefunden, obschon Hunderte von Soldaten und Polizisten die Gegend bereits gründlich durchkämmt hatten. Dies ist ein großes und schwer zugängliches Gebiet."

Inzwischen stehen Teams der Bundespolizei in der Nähe des Fundortes der Leiche. Ihre Aufgabe ist es, Neugierige auf Abstand zu halten. Dovo, der Kampfmittelbeseitigungsdienst der Armee, ist ebenfalls vor Ort.

Der Virologe Marc Van Ranst wurde von Conings bedroht und musste mehrere Wochen mit seiner Familien in einer gesicherten Wohnung untertauchen. Er reagierte in einer ersten Reaktion mit Erleichterung. "Es ist eine Erleichterung, wenn es so ist", sagt er auf Radio 1. "Aber man muss auch bedenken, dass er Familie und Kinder hatte. Für sie ist das ein sehr schlimmer Vorfall." Auf Twitter teilte er etwas Ähnliches. (Dt.:"Meine Gedanken sind bei den Angehörigen und Kindern von Jürgen Conings. Für sie ist das eine sehr traurige Nachricht, denn sie verlieren einen Vater, ein Familienmitglied oder einen Freund.")

Wer ist Jürgen Conings?

Der Berufssoldat Jürgen Conings (Foto hierunter) verließ am 17. Mai mit einem Arsenal schwerer Waffen seine Kaserne in Leopoldsburg (Provinz Limburg) und wurde seitdem nicht mehr gesehen. In Briefen hatte Conings Drohungen gegenüber Politikern, Virologen und der Armee ausgesprochen. Am Tag des Verschwindens soll er das Haus des Virologen Marc Van Ranst stundenlang beobachtet haben. Wegen der akuten Bedrohung tauchten Van Ranst und seine Familie danach wochenlang in einem Safehouse, einer von Sondereinsatzkräften bewachten Wohnung, unter.

Conings war seiner rechtsradikalen Einstellung der einzige Soldat auf der Liste der OCAD, der belgischen Behörde zur Terrorismusabwehr. Da die Bundesstaatsanwaltschaft einen Ermittlungsrichter wegen "versuchten Mordes und verbotenen Waffenbesitzes im terroristischen Zusammenhang" eingeschaltet hat, nennt VRT NWS Jürgen Conings einen Terrorverdächtigen.

In den vergangenen Wochen wurde in der Umgebung des Nationalparks Hoge Kempen immer wieder mit großem Aufwand nach dem Mann gesucht. Sein Auto war in diesem Bereich geparkt. Einige der schweren Waffen wurden darin gefunden. Später wurde in der gleichen Gegend ein Rucksack von Conings gefunden. Hier wurde nun auch seine Leiche gefunden.

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