David Kelly Crow

Gerichtliche Untersuchung der Umweltverschmutzung durch 3M in Zwijndrecht - Mehr PFOS-Verunreinigung in Flandern

Die belgische Justiz hat Ermittlungen wegen der Umweltverschmutzung durch PFOS rund um das Chemiewerk von 3M in Zwijndrecht bei Antwerpen aufgenommen. Dieser Schritt erfolgte nach einer Klage durch einige Anwohner. Ein Untersuchungsrichter ist mit dem Fall befasst. Inzwischen tauchen überall in Flandern überhöhte PFOS-Werte auf, vor allem in Wasserläufen aller Art. 

Eine Familie, die in der Umgebung der 3M-Fabrik in Zwijndrecht wohnt, hat eine zivilrechtliche Klage wegen der Umweltverschmutzung durch PFOS erhoben in Antwerpen eingereicht. Mit dieser Art Klage muss die Staatsanwaltschaft einen Untersuchungsrichter anstellen, der sich mit dem Fall befasst. 

Die Klage betrifft das illegale Zurücklassen von gefährlichen Abfallstoffen und ein Vergehen gegen die Sorgfaltspflicht in Sachen Umwelt. Die Kläger werfen dem US-Chemiekonzern 3M vor, nicht die notwendigen Schritte eingeleitet zu haben, um Schäden an der Umwelt zu vermeiden.

Folgen konkrete Ermittlungen? Wer ist verantwortlich?

Seit einiger Zeit beunruhigen Meldungen zu sehr hohen PFOS-Werten im Boden rund um das 3M-Werk von Zwijndrecht die Anwohner und nicht zuletzt wurden große Mengen an PFOS-verseuchtem Abraum an der Baustelle der „Oosterweel“-Verkehrsachse ebenfalls in Zwijndrecht in der Umgebung der Chemiefabrik entdeckt.

Der Untersuchungsrichter muss jetzt bestimmen, ob Ermittlungen gegen 3M erforderlich sind und gegen welche Personen sich die Klagen richten bzw. welche Betroffenen vor Gericht erscheinen müssen. Bei einem solchen Prozess können die Kläger Schadensersatz einfordern und das Gericht kann den Verursacher der Umweltverschmutzung dazu verpflichten, den kontaminierten Boden auf eigene Kosten zu sanieren. 

Das Problem ist bekannt und weitet sich aus

Das PFOS-Problem rund um das 3M-Werk in Zwijndrecht ist den flämischen Landes- und den Antwerpener Kommunalbehörden seit 2017 bekannt, doch die Bevölkerung wurde nicht unterrichtet. Inzwischen ist dort verboten, Gemüse oder Obst bzw. Hühnerfleisch oder Eier aus dem eigenen Garten zu verzehren. PFOS ist lange ein Bestandteil verschiedenster Produkte gewesen, doch seit 2008 wird der Stoff, der sich übrigens nicht selbst abbaut, in Zwijndrecht nicht mehr produziert.

Inzwischen tauchen PFOS-Verseuchungen immer öfter aus und fast überall in Flandern (und darüber hinaus) werden teilweise sehr hohe PFOS-Konzentrationen in Böden und Wasserläufen (Bäche, Flüsse, Kanäle) gemeldet. Die flämische Umweltgesellschaft VMM stellte in manchen flämischen Wasserläufen PFOS-Werte fest, die bis zu 110 Mal höher lagen, als die Norm erlaubt, die die VRT-Magazinsendung „Pano“ meldete. 

Eine akute Gefahr für die Volksgesundheit stellen die hohen PFOS-Werte in Flandern aber nach Ansicht von Wissenschaftlern und der VMM nicht dar. In erster Linie handelt es sich dabei um "historische" Verunreinigungen, die dadurch herrühren, dass sich PFOS und andere Schadstoffe aus dieser chemischen Kategorie nicht in der Natur selbst auflöst. 

Und, ein Teil dieser Umweltverschmutzung vor allem in den Wasserläufen ist auch nicht unbedingt hausgemacht, sondern ist grenzüberschreitend. Das bedeutet, dass PFOS aus dem Ausland in Belgien landet und von hier aus auch in weitere Länder abgegeben wird. 

Zur Erinnerung: Was ist PFOS?

Perfluoroctansulfon-Säure (Anion Perfluoroctansulfonat oder kurz PFOS) ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS). PFOS wurde im Handel als Kalium-, Lithium-, Ammonium-, Diethanolammonium- oder Tetraethylammonium-Salz angeboten. Das Produkt wurde hauptsächlich dazu verwendet, um Materialien wie Textilien, Teppiche und Papier fett-, öl- und wasserfest zu imprägnieren (3M „Scotchgard“).

Daneben wurde es bei der Verchromung, für die Imprägnierung von Kochgeräten (z.B. Pfannen), in der Analogfotografie, in älteren Feuerlöschschäumen (AFFF), in Kosmetikprodukten und in Hydraulikflüssigkeiten für die Luft- und Raumfahrt verwendet.

Das EU-Parlament hat im Oktober 2006 beschlossen, die Verwendung von PFOS auf wenige Einsatzbereiche einzuschränken. Im Stockholmer Übereinkommen wurde 2009 entschieden, PFOS in die Konvention für eingeschränkte Stoffe aufzunehmen. Das größte Problem mit diesem Produkt ist die Tatsache, dass es sich nicht auf natürliche Weise abbaut. Das bedeutet, dass sich mehr und mehr PFOS in der Umwelt und in den Wasserläufen befindet.

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