Ex-Abgeordneter Van Eycken: Wegen Mordes verurteilt, doch der Kassationshof verwirft das Strafmaß

Der ehemalige flämische Abgeordnete Christian Van Eycken und dessen Ehefrau, wegen Mordes an deren Ehemann zu langen Haftstrafen verurteilt, sind seit Mittwochabend auf freiem Fuß (Foto). Die beiden waren im Februar dieses Jahres in Berufung zu jeweils 27 Jahren Haft verurteilt worden, doch der Kassationshof hat den Teil des Urteils, der das Strafmaß betrifft, verworfen. Jetzt muss sich das Gericht von Mons (Prov. Hennegau) mit dem Fall bzw. mit dem Strafmaß befassen.

Solange werden Christian Van Eycken und seine Ehefrau Sylvia B. auf freien Fuß gesetzt. Laurent Kennes, der Anwalt des Ehepaares, war gegen das Urteil vor den Kassationshof gezogen, um dieses dort anzifechten. Die beiden verurteilten Mörder beharren weiter auf ihrer Unschuld. Van Eycken und B. waren in erster Instanz zu jeweils 23 Jahren Haft wegen des Mordes am Ex-Gatten von B. verurteilt worden.

In Berufung wurde das Strafmaß auf 27 Jahre Haft angehoben. Der Richter hatte im Februar geurteilt, eine längere Haftstrafe sei angebracht, da sich das Paar „nicht einsichtig zeige“ und trotz aller Indizien auf Unschuldig plädierte.

"Missachtung des Rechts auf Verteidigung"

Genau hier setzte deren Anwalt an. Der Generalanwalt des Kassationshofes gab in seinem Gutachten zu verstehen, dass der Vorwurf, die Verurteilten hätten sich „nicht dem Urteil entsprechend würdig verhalten, keine Begründung für eine Anhebung eines Strafmaßes in Berufung sei: „Dies ist eine Missachtung des Rechts eines Beschuldigten, seine Verteidigung so zu organisieren, wie er dies will und stellt damit eine Schändung des Rechts auf Verteidigung dar.“

Jetzt geht die Frage des Strafmaßes gegen die beiden Verurteilten an das Gericht von Mons in der Provinz Hennegau. Dieses muss sich mit der Höhe der Haftstrafe beschäftigen. Bis zu diesem neuen Prozess konnten Christian Van Eycken und Sylvia B. das Gefängnis verlassen. Van Eycken verbüßte seine Haft in der Haftanstalt von Sint-Gillies in Brüssel und B. saß in der Haftanstalt von Berkendael.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Christian Van Eycken und seine Frau im Gerichtsaal

Der Mordfall Van Eycken

Im Juli 2014 fand die Polizei die Leiche eines 45 Jahre alten Mannes in seinem Bett im Brüsseler Ortsteil Laken. Der Mann wies eine Schussverletzung im Hinterkopf auf. Die damals 38 Jahre alte Frau des Getöteten hatte seinerzeit die Polizei alarmiert…

Der frühere flämische Parlamentsabgeordnete Christian Van Eycken (der auf der damaligen frankophonen Einheitsliste Union des Francophones (UF) an den flämischen Landtagswahlen in der Provinz Flämisch-Brabant teilgenommen hatte und ins Landesparlament gewählt wurde) und seine Frau, Sylvia B., wurden Anfang September 2019 von einem Brüsseler Gericht zu jeweils 23 Jahren Gefängnis wegen des Mordes an dem damals 45 Jahre alten Marc Dellea, dem früheren Ehemann der Angeklagten, verurteilt. Das gesamte Verfahren hatte fünf Jahre in Anspruch genommen. Die beiden Angeklagten hatten stets behauptet, nichts mit dem Mord zu tun zu haben, doch alle Elemente in diesem Indizienprozess sprachen gegen sie.

"Feige und kaltblütige Tat"

Der zuständige Richter am Brüsseler Strafgericht nannte die Tat, um die es hier ging, eine feige und kaltblütige Tat. Ursprünglich war nur Sylvia B., die damalige Gattin des Getöteten Marc Dellea unter Mordverdacht festgenommen worden. B. und Dellea waren zum Zeitpunkt der Tat in einer Ehescheidung verwickelt. Und, die Verdächtige hatte bereits ein Verhältnis mit Christian Van Eycken, dessen parlamentarische Mitarbeiterin sie war. Irgendwann tauchten die Bilder einer Überwachungskamera auf, auf denen zu sehen war, wie B. und Van Eycken gemeinsam den Tatort, die gemeinsame Wohnung der mutmaßlichen Mörderin und des Opfers, am Tag der Tat betraten.

Dringender Verdacht

Christian Van Eycken stand also zu Prozessbeginn unter dem dringenden Verdacht, gemeinsam mit seiner damaligen Geliebten und heutigen Ehefrau deren Ehemann umgebracht zu haben. Die Ermittlungen der Justiz hatten schon 2014 ergeben, dass sich die damalige Geliebte Christian Van Eyckens zum Zeitpunkt des Todes von ihrem Ehemann scheiden lassen wollte. Ihr Verhältnis mit ihrem Vorgesetzten sei dafür der Grund dafür gewesen. Bei dem Scheidungsstreit ging es unter anderem um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter. Van Eycken und seine Frau gingen gegen das Urteil in Berufung und dabei wurde ihr Strafmaß um jeweils 4 Jahre Haft angehoben (siehe oben).

Das flämische Parlament hatte die parlamentarische Immunität des Angeordneten Van Eycken am 6. Januar 2016 auf Empfehlung der Staatsanwaltschaft aufgehoben und trat in diesem Verfahren als Nebenkläger auf. Christian Van Eycken saß zwischen 1995 und offiziell 2019 für die damalige Union des Frankophones, aus der die heutige Défi entstanden ist, als einziger französischsprachiger Abgeordneter im flämischen Landesparlament. Zwischen 1993 und 2006 war Van Eycken Bürgermeister der Gemeinde Linkebeek in Flämisch-Brabant an der Grenze zur Brüsseler Region. Bei den Parlaments- und Regionalwahlen im Mai 2019 hatte Van Eycken nicht mehr kandidiert. 

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