Immer mehr Zweifler lassen sich dann doch gegen Corona impfen

Viele Menschen in Belgien, die den Nutzen einer Impfung gegen das Coronavirus Covid-19 lange angezweifelt haben, entscheiden sich inzwischen doch für einen solchen Schritt. Dies stellt der aktuelle Motivationsbarometer fest, eine Studie, die einige belgische Universitäten gemeinsam erstellen.

Der Motivationsbarometer ist eine Initiative der Freien Universität Brüssel (ULB), der Universität von Louvain-La-Neuve (UCL), der Universität von Löwen (KU Leuven) und der Universität von Gent (UGent). Die aktuelle Ausgabe dieses Barometers befasst sich mit dem Thema Impfen und stellt fest, dass sich viele Menschen in Belgien, die lange am Nutzen einer Corona-Impfung gezweifelt haben, inzwischen doch impfen lassen.

Vielleicht haben sich diese Personen vom Erfolg der Impfkampagne in Belgien überzeugen lassen, denn inzwischen sind gut 70 % der erwachsenen Bevölkerung in unserem Land zumindest einmal gegen Covid-19 geimpft worden und die Impfungen an sich in den entsprechenden Zentren verlaufen reibungslos. 

Die Zahlen steigen schnell

Der Motivationsbarometer stellt z.B. fest, dass 8 von 10 Impfzweiflern, die noch im April nicht wussten, ob sie sich impfen lassen sollen, inzwischen geimpft sind. Auch in der alle 2 Wochen erscheinenden Corona-Studie der Universität von Antwerpen (UAntwerpen) wird dieses Phänomen festgestellt.

Der Antwerpener Vakzinologe Pierre Van Damme bemerkt dazu: „Man kann sehen, dass der Prozentsatz der Impfzweifler deutlich abnimmt. Einige Leute haben eine Zeit lang durch unbeantwortete Fragen gehadert. Doch dann kamen viele Sensibilisierungen und Informationen in den Regionen und das hat sich bemerkbar gemacht.“

Auch Impfgegner lassen sich überzeugen

Inzwischen lassen sich auch viele junge Leute und regelrechte Impfgegner überzeugen, so der Motivationsbarometer. In den beiden Umfragezeiträumen Januar bis April und April bis Juni haben sich 6 von 10 eigentliche Impfgegnern dazu entschieden, sich doch impfen zu lassen. Der Psychologe Maarten Vansteenkiste spricht dabei von Zahlen, die hoffen lassen: „Inzwischen ist auch die Impfbereitschaft bei den Unter-35-Jährigen (die nächste Impfgruppe in Belgien (Red.)) hoch bis sehr hoch.“

Hier wollen sich rund 73 % aller Betroffenen impfen lassen, so Vansteenkiste: „Wenn wir uns alle Stichproben zusammen ansehen, dann kommen wir auf sogar 82 % bei denen, die unter 35 Jahre alt sind. Dabei ist die Rede von Personen, die bereits geimpft sind oder die zu einer Impfung bereit sind. Diese positive Entwicklung, die wir von den älteren Erwachsenen her kennen, setzt sich bei den jüngeren Erwachsenen weiter fort.“ 

Brüssel hinkt hinterher

Wenn man sich den Impfgrad in Belgien anschaut, dann lassen sich regionale Unterschiede erkennen. In Flandern liegt dieser Wert bei 74 %, doch in der Brüsseler Hauptstadt-Region sind gerade einmal 51 % der Bewohner gegen Corona geimpft. Dies bereitet dem Antwerpener Vakzinologen Pierre Van Damme Sorgen: „Es ist im Interesse von allen, dass wir im ganzen Land ausreichend impfen, denn sonst wird das mit der Gruppenimmunität ein Problem.“

Aber, auch in Brüssel kann es laut Van Damme noch gelingen und hier führt der Facharzt für Infektionskrankheiten auch die Wallonie an, wo die Impfbereitschaft lange eher gering war: „Das hat mehr Zeit gekostet, doch Impfungen sehen sorgt für weitere Impfungen. Die Geschichten derer, die aus den Impfzentren zurückkommen, sind durchweg positiv und das wirkt sich auch auf die aus, die zu Hause bleiben wollen. Man muss ihnen Zeit geben… Aber wir befinden uns in einer Pandemie und wir wollen, dass die Zahlen im Juli schnell nach oben gehen.“

Fazit

Schaut man sich den Motivationsbarometer für Belgien an und liest man die Kommentare der Impffachleute, dann wird eines deutlich: „Kommt Zeit, kommt Rat“. Man müsse eben Geduld haben und den Zweiflern die Zeit geben, sich die Entwicklung anzuschauen. Die Resultate sind sichtbar, denn der Impfgrad in unserem Land steigt und die Corona-Zahlen sinken… Eines, so die Ansicht der Beobachter, sollte man nicht: Zweifler unter Druck setzen und versuchen sie zu überzeugen. Dies habe den gegenteiligen Effekt. 

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