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Ist Denkmal in Zedelgem eine Hommage an Nazi-Kollaborateure?

Die Statue De Letse bijenkorf voor vrijheid  in der westflämischen Gemeinde Zedelgem sät Zwietracht. Das Werk wurde vor drei Jahren auf dem Briviba-Platz zum Gedenken an die 12.000 Letten errichtet, die Ende des Zweiten Weltkriegs im Kriegsgefangenenlager Vloethemveld inhaftiert wurden. Die Letten hatten Seite an Seite mit den Deutschen gegen die Russen gekämpft.  

Die Darstellung des Bienenstocks soll eine Hommage an die Kollaborateure des Nazi-Regimes darstellen. Die sozialdemokratische Partei Flanderns, Vooruit, will das umstrittene Denkmal auf dem Brivibaplein entfernen lassen: "In unserem Land ist kein Platz für ein als Kunstwerk getarntes Denkmal für Hass", argumentiert die Abgeordnete Vicky Reynaert (Vooruit). 

Der bronzene Bienenstock erinnert an die 12.000 Letten, die am Ende des Zweiten Weltkriegs im Kriegsgefangenenlager Vloethemveld inhaftiert waren, weil sie, zum Teil unter Zwang, an der Seite der Deutschen gegen die Russen kämpften. Die Diskussion um die Statue begann nach einem Artikel in der Zeitschrift Paris Match. Darin wurde die Frage aufgeworfen, ob Menschen, die mit den Nazis kollaborierten, ein Denkmal verdienten.  

Denkmal als Mahnung, nicht als Ehrung

Die Stadtbehörden von Zedelgem bestreiten, dass es sich um eine Hommage an Nazi-Kollaborateure handelt. Es sei vielmehr ein Gedenken an das Kriegsgefangenenlager, sagte der Beigeordnete für Denkmalschutz Jurgen Dehaemers (CD&V) auf der Stadtratssitzung am Freitagabend: “Das Denkmal wurde nur errichtet, um daran zu erinnern, dass es hier einmal ein Kriegsgefangenenlager mit 150.000 Gefangenen gab. Eine gigantische Zahl für eine Stadt, die damals 2.000 bis 3.000 Einwohner hatte.” 

Extra Erklärungen

Die Gemeinde will vorerst nur zusätzliche Erklärungen zum Kunstwerk geben. Aber das ist nicht genug, sagte die Abgeordnete Vicky Reynaert: “Es ruft bei den Angehörigen der Nazi-Opfer, bei den patriotischen Vereinen und der jüdischen Gemeinde schmerzhafte Erinnerungen auf. Einen klärenden Text und ein zusätzliches Schild anzubringen, ist keine Lösung."  

Außerdem hätten bestimmte Lokalpolitiker die Kriegsvergangenheit für ihre eigene Strategie missbraucht. Die Leute in Zedelgem seien in die Irre geführt worden: “Wir müssen die Statue so schnell wie möglich entfernen", argumentierte Vicky Reynaert. 

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