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#metoo: Der flämische Kulturpapst Jan Fabre muss vor Gericht erscheinen

In einem offenen Brief erhoben vor rund 3 Jahren 20 Mitarbeiter und Praktikanten der Tanzkompagnie Troubleyn von Allround-Künstler Jan Fabre schwere Vorwürfe gegen Choreografen und Regisseur. Diese Vorwürfe betrafen sexuelle Belästigung, Einschüchterung, öffentliche Erniedrigung und anderes mehr. Jetzt kommt der Fall vor Gericht, denn später gab es auch Anzeigen von Betroffenen. Der Prozess gegen Jan Fabre beginnt im September. Fabre hat die Vorwürfe gegen ihn bisher stets zurückgewiesen. 

Anlass für den offenen Brief war ein Interview hier bei der VRT mit Jan Fabre vom 27. Juni 2018, in dem dieser behauptete, dass es Zustände, wie in zahlreichen #metoo-Schilderungen weltweit geschildert, in seiner Kompagnie nicht gebe. Fabre reagierte damit auf eine Studie der Universität von Gent (UGent) im Auftrag des damaligen flämischen Kulturministers Sven Gatz (Open VLD).

Dort hieß es, dass jede vierte Frau alleine im Kultursektor in Flandern im vergangenen Jahr Opfer grenzüberschreitenden Handlungen sexueller Art - körperlich oder psychisch - ausgesetzt war. Fabre sagte dazu wörtlich, dass so etwas in seiner Tanzgesellschaft „in 40 Jahren Bestehen nie ein Problem gewesen ist. Niemals!“

Das Äußerste verlangt

Nach drei Jahren Untersuchung der Vorgänge sieht das Gericht ausreichend Elemente, um einen Prozess gegen Jan Fabre anzusetzen. Die Anklagepunkte betreffen Gewalt, psychische Schikane und sexuelles Verhalten gegenüber 12 Mitarbeitern und sexuellen Übergriff gegen mindestens eine Person. Weder Fabre, noch sein Anwalt haben bisher auf den drohenden Prozess reagiert.

In einem Gespräch mit VRT NWS vor einiger Zeit gab er allerdings zu verstehen, dass er von seinen Tänzern und Tänzerinnen und von seinen Mitarbeitern sowohl mental, als auch physisch immer das Äußerste verlange, doch dies habe stets im gegenseitigen Vertrauen stattgefunden. Es könne auch mal sein, dass er man den einen oder anderen angeschrien habe, doch das sei normal in diesem Metier, so Fabre.

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