Von PFOS-kontaminiertem Abraum betroffen: "Oosterweel"-Baustelle bei Zwijndrecht

PFOS-Verseuchung in Zwijndrecht: Wie geht es jetzt weiter?

Nach Angaben der flämischen Landesbehörden muss in Zwijndrecht bei Antwerpen kein Wohnviertel durch PFOS-Verseuchung saniert werden. Auch für die meisten landwirtschaftlichen Betriebe in der weiteren Umgebung ist die Lage durch diese Umweltverschmutzung nicht akut gefährdet. Vor kurzem wurde bekannt, dass das 3M-Werk in Zwijndrecht jahrelang PFOS-verseuchten Abraum in der Umgebung des Standorts gelagert hatte. Dies bringt auch Probleme mit dem Bau des Antwerpener Verkehrsprojekts „Oosterweel“ mit sich, denn solcher Abraum wurde auch an einer wichtigen Baustelle entdeckt.

Seit dem Bekanntwerden dieses Umweltskandals wurden in Zwijndrecht sowie in den Nachbarstädten Beveren und Antwerpen Bodenproben entnommen und analysiert, doch Flanderns Umweltministerin Zuhal Demir (N-VA) gab jetzt bekannt, dass es nicht zu umfassenden Bodensanieren kommen müsse.

Die Landesbehörden haben an 11 Stellen Bodenproben entnommen: In Wohnsiedlungen, in Industrie- und Gewerbegebieten, an landwirtschaftlich genutzten Flächen und in einem nahegelegenen Naturschutzgebiet. Offenbar waren hier nirgendwo PFOS-Schwellenwerte überschritten. 

Besorgniserregende PFOS-Werte in der direkten Umgebung

Um das Werk des US-Chemiekonzerns 3M in Zwijndrecht direkt herum sieht die Lage allerdings etwas anders aus. Hier wurden Bodenproben entnommen, die eine PFOS-Belastung aufwiesen, die um ein Vielfaches höher waren, als zugelassen. Diese Belastungen werden als besorgniserregend qualifiziert. Es ist also weiter davon abzuraten, selbsterzeugtes Obst oder Gemüse aus dem Garten zu verzehren und auch Eier oder Fleisch von im eigenen Garten gehaltenen Hühnern sollte nicht gegessen werden.

Jetzt stellt sich auch die Frage, ob man die „Oosterweel“-Bauarbeiten wegen des PFOS-kontaminierten Abraums nicht besser unterbrechen sollte. Zum einen steht eine gesundheitliche Gefährdung der Bauarbeiter im Raum und zum anderen bleibt die Frage, wohin mit der kontaminierten Erde. Und geht von Staub bei den Bauarbeiten nicht vielleicht auch eine Gefahr aus? Diese Frage stellen sich die Umweltschutzorganisation Greenpeace und auch der Vorsitzende der flämischen Christdemokraten CD&V, Joachim Coens.

"Oosterweel"-Baustellen werden nicht stillgelegt

Dazu sagte die Gouverneurin der Provinz Antwerpen, Cathy Berx, es sei nicht notwendig, die gesamte Baustelle stillzulegen, denn es würde an allen anderen Stellen mit Erde und Material gearbeitet, die nichts mit PFOS und dem 3M-Werk in Zwijndrecht zu tun habe.

Allerdings wird an der Baustelle zum neuen „Oosterweel“-Scheldetunnel in der Nähe der Fabrik selbst derzeit nicht gearbeitet. Hier warten man ein Gutachten von Experten ab, das derzeit dazu in Arbeit ist. Das Ergebnis wird für Mitte Juli erwartet. Gouverneurin Berx pflichteten Flanderns Ministerin für öffentlichen Arbeiten und Mobilität, Lydia Peeters (Open VLD) und Antwerpens Bürgermeister Bart De Wever (N-VA) in dieser Frage bei. 

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