PFOS-Umweltverschmutzung: 3M sieht keinen Zusammenhang mit einer Gefahr für die Gesundheit

Das US-Chemieunternehmen 3M, dass die PFOS-Verunreinigungen in der Umgebung seines Werks in Zwijndrecht bei Antwerpen zu verantworten hat, sieht keinen kausalen Zusammenhang zwischen dem hier vorliegenden Umweltproblem und möglichen Auswirkungen auf die Volksgesundheit. Ein flämischer Krebsspezialist hält diese Aussage für unbegreiflich. 

Im Rahmen einer Anhörung im flämischen Landesparlament gaben die Leiter des 3M-Werks von Zwijndrecht und Vertreter aus dem 3M-Mutterhaus in den USA am Dienstag zu verstehen, dass es keine direkte Verbindung zwischen dem biologisch nicht abbaubaren chemischen Stoff PFOS und einer Gesundheitsgefährdung gibt. Dabei bezogen sich die 3M-Verantwortlichen auf allerlei wissenschaftliche Studien.

Wissenschaftlich gesehen ist es evident, dass PFOS krebserregend ist und zahlreiche gesundheitliche Auswirkungen hat.“

Nick Van Laerebeke, Krebsspezialist an der Freien Universität Brüssel (VUB)

Nick Van Laerebeke, Krebsspezialist an der Freien Universität Brüssel (VUB) und Mitglied des PFOS-Untersuchungsausschusses im flämischen Landesparlament, hält diese Aussage für unbegreiflich, wie er am Dienstagabend in der VRT-Magazinsendung „Terzake“ („Zur Sache“) sagte: „Wissenschaftlich gesehen ist es evident, dass PFOS krebserregend ist und zahlreiche gesundheitliche Auswirkungen hat. Ich kann die Haltung von 3M aus kommerzieller Hinsicht aber verstehen, denn hier geht es um wirtschaftliche Belange, um Geld.“

Kausaler Zusammenhang?

Aber, es sei sehr schwierig, kausale Zusammenhänge zwischen chemischen Produkten und Krebserkrankungen bei Menschen zu beweisen, so Van Laerebeke: „Krebs ist eine Krankheit, die durch viele Faktoren ausgelöst wird. Um zu beweisen, dass ein bestimmter Stoff in der Tat bei Menschen krebserregend ist, müssen Studien angesetzt werden, bei der die Intensität der Einwirkung eines bestimmten Stoffs auf Testpersonen sehr genau beobachtet werden muss, um dies festzustellen.“ 

Es besteht kein absoluter Beweis auf Basis von menschlichen Daten und Angaben, dass PFOS tatsächlich beim Menschen krebserregend ist.“

Nick Van Laerebeke, Krebsspezialist an der Freien Universität Brüssel (VUB)

Und das ist leichter gesagt als getan, so der VUB-Krebsspezialist, „denn jede Ungenauigkeit bei dieser Feststellung bringt eine Schwächung dieses Zusammenhangs mit sich. Darum besteht auch kein absoluter Beweis auf Basis von menschlichen Daten und Angaben, dass PFOS tatsächlich beim Menschen krebserregend ist.“

"Noch keine Katastrophe"

Professor Van Laerebeke sieht in der Umweltverschmutzung durch PFOS zwar ein ernstes Problem, doch „das ist noch keine Katastrophe. Die Auswirkungen sind zwar real und wir müssen diese so weit wie möglich vermeiden, doch sie sind nicht überall sehr ausgeprägt. Wenn man das PFOS-Problem mit Asbest oder mit Dioxinen vergleicht, dann hält sich das in Grenzen.“  

Zur Erinnerung: Was ist PFOS?

Perfluoroctansulfon-Säure (Anion Perfluoroctansulfonat oder kurz PFOS) ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS). PFOS wurde im Handel als Kalium-, Lithium-, Ammonium-, Diethanolammonium- oder Tetraethylammonium-Salz angeboten. Das Produkt wurde hauptsächlich dazu verwendet, um Materialien wie Textilien, Teppiche und Papier fett-, öl- und wasserfest zu imprägnieren (3M „Scotchgard“).

Daneben wurde es bei der Verchromung, für die Imprägnierung von Kochgeräten (z.B. Pfannen), in der Analogfotografie, in älteren Feuerlöschschäumen (AFFF), in Kosmetikprodukten und in Hydraulikflüssigkeiten für die Luft- und Raumfahrt verwendet.

Das EU-Parlament hat im Oktober 2006 beschlossen, die Verwendung von PFOS auf wenige Einsatzbereiche einzuschränken. Im Stockholmer Übereinkommen wurde 2009 entschieden, PFOS in die Konvention für eingeschränkte Stoffe aufzunehmen. Das größte Problem mit diesem Produkt ist die Tatsache, dass es sich nicht auf natürliche Weise abbaut. Das bedeutet, dass sich mehr und mehr PFOS in der Umwelt und in den Wasserläufen befindet.

Meist gelesen auf VRT Nachrichten