Wegen illegaler Preisabsprachen: Ex-bpost-Chef drohen zehn Jahre Gefängnis in den USA

Jean-Paul Van Avermaet, der ehemalige CEO des belgischen Postunternehmens bpost, steht in den Vereinigten Staaten unter Verdacht, illegale Preisabsprachen gemacht zu haben.  Das schreibt die Tageszeitung De Standaard. Die Verdächtigungen beziehen sich auf die Zeit, als Van Avermaet für die Sicherheitsfirma G4S verantwortlich war. 

Den US-amerikanischen Justizbehörden zufolge soll sich Jean-Paul Van Avermaet im September 2019 im Brüsseler Hotel Metropole mit zwei rivalisierenden Firmen getroffen haben, um Preisabsprachen zu vereinbaren. Zu diesem Zweck soll Van Avermaet am 16. Dezember 2019 eine E-Mail an seine Gesprächspartner geschickt haben, in der er sie aufforderte, eine Liste mit Verträgen zu erstellen, "die 2020 wichtig sein würden". Sie hätten diese Liste vier Tage später besprochen, um zu entscheiden, welcher Auftrag an wen gehen würde. Die anderen Firmen würden dann höhere Angebote machen und damit sicherstellen, dass sie den Auftrag nicht erhalten würden. 

Solche Preisabsprachen sind illegal, weil sie Wettbewerb verhindern und die Kunden möglicherweise höhere Preise zahlen. Deshalb wurden in Belgien und in den Vereinigten Staaten Ermittlungen eingeleitet. Dass die USA gegen Van Avermaet ermittelt, ist darauf zurückzuführen, dass auch Vereinbarungen über Sicherheitsverträge für US-Armee-Stützpunkte und NATO-Gebäude in Belgien Land getroffen wurden.  

Die Sicherheitsfirma G4S hatte sich bereits schuldig bekannt und eine außergerichtliche Einigung in Höhe von 15 Millionen Dollar gezahlt. Jetzt wurde auch Ex-CEO Van Avermaet von einer Jury unter Verdacht gestellt, zusammen mit zwei Top-Managern der belgischen Sicherheitsfirma Seris. Bei einer Verurteilung drohen ihnen bis zu 10 Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von 1 Million Dollar. Wenn sie sich schuldig bekennen, können sie diese Strafen reduzieren. 

Die kartellrechtliche Untersuchung war einer der Gründe, warum Van Avermaet im März als Topmanager von bpost zurücktreten musste. Auch die enttäuschenden Unternehmensergebnisse führten zu seiner Entlassung nach knapp einem Jahr.  

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