AKW Tihange bei Huy in der Nähe von Lüttich
foto Peter Hilz (C)

Belgien will von der Schließung der Kernkraftwerke wirtschaftlich profitieren

Die Schließung und der Abriss von Kernkraftwerken soll nach Ansicht der belgischen Bundesregierung für einen internationalen wirtschaftlichen Sektor mit einem Wert von bis zu 400 Mio. € sorgen.  Unser Land will sich einen Anteil davon sichern und hofft, seine eigene Expertise ökonomisch geltend machen zu können. Dazu richtet die Regierung eine Taskforce ein, die sich auch mit den entsprechenden Sicherheitsfragen auseinandersetzen wird.

In Belgien werden die Meiler in den Kernkraftwerken ab 2022 vom Netz genommen. Bis 2025 sollen mindestens 5 der insgesamt 7 Meiler abgeschaltet sein. Aber, die Politik wird dies erst gegen Jahresende definitiv entscheiden, wenn alle Versorgungsfragen geklärt sind und dann wird auch beschlossen, wie mit den beiden jüngsten Reaktoren verfahren wird (Doel 4 und Tihange 3, jeweils 1985 in Betrieb genommen). 

Der Atomausstieg in Belgien wird technisch und sicherheitsmäßig eine enorme Herausforderung (siehe auch nebenstehenden Beitrag). Für die Demontage eines Atommeilers werden rund 20 Jahre veranschlagt: 2 bis 3 Jahre Vorbereitung und 12 bis 13 Jahre für den Rückbau an sich. Dann soll der Abriss der Anlage(n) noch einmal bis zu 2 Jahre dauern.

Expertise exportieren?

Das bedeutet, dass Belgien in dieser Frage einiges an Erfahrung sammeln kann, denn dieser Vorgang ist nach den USA, Japan und Deutschland das größte Unterfangen seiner Art. In erster Instanz wird der Rückbau der AKW 18 Mia. € kosten und diese Kosten können in Laufe der Jahre auf bis zu 40 Mia. € steigen.

Hinzu kommt die Lagerung von 230.000 Tonnen Abfall von denen mindestens 2 % radioaktiver Strahlenabfall sind. Die belgische Regierung hofft, im Zuge dessen die gesammelte Erfahrung exportieren zu können, den nach und nach werden viele Länder weltweit den Atomausstieg vollziehen.

Taskforce

Eine entsprechende Taskforce, der u.a. Innenministerin Annelies Verlinden (CD&V), Wirtschaftsminister Pierre-Yves Dermangne (PS) und Energieministerin Tinne Van der Straeten (Groen) angehören werden, wird den Vorgang analysieren und begleiten. Gleichzeitig wird diese Taskforce den Rückbau der AKW vorbereiten.

Auch hier sind viele Fragen zu klären. Was passiert mit den rund 2.000 Beschäftigten in der Kernenergie in Belgien? Können diese beim Rückbau der Anlagen nicht weiterbeschäftigt werden? Wie muss mit der Sicherheit umgegangen werden (Stichwort Radioaktivität)? Wie und wo kann der Strahlenabfall endgelagert werden? 

Für die Energiewende erhält Belgien von der Europäischen Union 25 Mio. € aus dem Wiederaufschwungsplan nach Corona. Damit sollen in diesem Bereich, bzw. für den Atomausstieg neue Arbeitsplätze geschaffen werden. 

ZNAM/EurekaSlide

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