ROBIN UTRECHT

Mehr Corona-Ansteckungen und viele Tests in Belgien - Impfung 12- bis 15-Jähriger nicht empfehlenswert

Die durchschnittliche Tageszahl der neuen Infizierungen mit dem Coronavirus Covid-19 ist in Belgien wieder angestiegen und zwar deutlich um rund die Hälfte. Allerdings wird derzeit auch, wohl aus Urlaubs- und Reisegründen, massiv getestet, wobei Ansteckungen auftauchen, die sonst unentdeckt geblieben wären. Inzwischen rät der Hohe Gesundheitsrat in Belgien davon ab, Jugendliche zwischen 15 und 15 Jahren systematisch gegen Corona zu impfen, wie Flandern dies fordert. 

  • Zwischen dem 27. und dem 3. Juli wurden pro Tag im Durchschnitt 15 neue Corona-Patienten in Krankenhäusern eingeliefert. Das ist ein Rückgang um 28 % gegenüber der Vorwoche. Am Dienstag (5. Juli) meldeten die Krankenhäuser dem staatlichen wissenschaftlichen Gesundheitsamt Sciensano 12 Aufnahmen und 12 Entlassungen von Corona-Patienten.
  • Insgesamt werden derzeit 262 Corona-Patienten in belgischen Krankenhäusern behandelt. Auf Wochenbasis ist dies ein Rückgang um 23 %. 115 dieser Patienten werden derzeit intensiv behandelt (- 22 % im Wochenvergleich). 79 dieser Patienten werden aktuell künstlich beatmet (- 19 % im Wochenvergleich).
  • Im Zeitraum 20. bis 26. Juni starben in unserem Land pro Tag etwa 3 Personen an den Folgen einer Corona-Erkrankung. Das ist ein Rückgang um 31 % gegenüber der Vorwoche. Bis heute sind in Belgien 25.190 Personen am Coronavirus Covid-19 gestorben.
  • Im gleichen Zeitraum wurden dem Gesundheitsamt Sciensano pro Tag im Durchschnitt 506 neue Ansteckungen mit Covid-19 gemeldet. Das entspricht einem Rückgang um 52 % gegenüber der Vorwoche. Bisher haben sich in Belgien knapp 1.088.363 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert.
  • Fast alle neuen Infizierungen wurden bei Personen festgestellt, die noch nicht gegen Corona geschützt waren. 52 % aller neu festgestellten Corona-Ansteckungen betrafen die Delta-Variante (früher indische Variante genannt). 
  • Zwischen dem 25. und dem 1. Juli wurden pro Tag im Schnitt 60.100 Tests durchgeführt (49 % mehr als letzte Woche - viele Reisewillige lassen sich gerade testen), von denen sich 1 % als positiv erwiesen (0,5 % weniger als letzte Woche). Der R-Wert, der zeigt, wie sich die Epidemie entwickelt, liegt derzeit bei 0,79. Liegt dieser Wert unter 1, geht die Epidemie zurück.
  • Am Stichtag 1. Juli hatten 7.397.549 Personen in Belgien ihre erste Corona-Impfdosis verabreicht bekommen. Das entspricht 79,3 % der erwachsenen Bevölkerung und 64,2 % der Gesamtbevölkerung. 4.174.784 Personen sind in unserem Land inzwischen vollständig gegen Covid-19 geimpft. Das entspricht 45,2 % der erwachsenen Bevölkerung und 36,2 % der Gesamtbevölkerung.
  • Insgesamt wurden den Gesundheitsbehörden in Belgien bisher 12.317.315 Corona-Impfdosen von den verschiedenen Pharmakonzernen geliefert, wie das Bundesgesundheitsministerium bekannt gibt: 7.893.015 von Pfizer/BioNTech, AstraZeneca mit 2.715.100 Dosen, Moderna mit 1.147.200 Dosen und Janssen/Johnson & Johnson mit 562.000 Dosen. 
  • Corona-Statistiken für Belgien werden nur noch von Dienstag bis Samstag veröffentlicht, denn das staatliche Gesundheitsamt Sciensano und das Krisenzentrum haben beschlossen, dass die Krankenhäuser an den Wochenenden keine Zahlen mehr in real time einreichen müssen. Das bedeutet, dass Sonntags und Montags keine Corona-Statistik mehr bei flanderninfo.be zu finden ist.

Hoher Gesundheitsrat empfiehlt keine systematische Corona-Impfung für 12- bis 15-Jährige

Die Experten des Hohen Gesundheitsrates in Belgien haben sich mit der Frage befasst, ob es sinnvoll ist, Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren gegen das Coronavirus Covid-19 zu impfen. Sie sind zu dem Schluss gekommen, dass dies nicht notwendig ist und empfehlen dies auch nicht. Den Betroffenen steht es allerdings frei, sich selbst für eine Impfung zu bemühen.

Die Fachleute des Hohen Gesundheitsrates berufen sich bei ihrer Feststellung und ihrer Empfehlung auf die Feststellung, dass gesunde 12- bis 15-Jährige nur ein sehr geringes Risiko laufen, durch eine Ansteckung mit Corona ernsthaft zu erkranken und/oder in einem Krankenhaus behandelt werden müssen. Eine Impfung bietet dieser Altersklasse demnach keinen großen Vorteil. Der Rat erinnert in diesem Zusammenhang auch daran, dass Corona-Impfstoffe in sehr seltenen Fällen auch ernsthafte Nebenwirkungen hervorrufen können.

Gesunde 12- bis 15-Jährige können sich aber auf eigene Initiative hin gegen Corona impfen lassen, doch dem müssen dann deren Eltern zustimmen.

Nach Ansicht des Hohen Gesundheitsrates in Belgien hat eine solche Impfung nur dann einen entscheidenden Vorteil, wenn die Kinder und Jugendlichen in einem Haushalt mit z.B. ihren Großeltern leben oder wenn eine Bruder oder eine Schwester an einer chronischen Krankheit leiden. Dann biete eine Impfung von 12- bis 15-Jährigen schwachen und anfälligen Familienmitgliedern zusätzlichen Schutz.

In dieser Woche befassen sich die Gesundheitsminister aus Bund, Ländern und Regionen in Belgien auf Drängen Flanderns genau mit dieser Frage. 

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