3M leitete jahrelang übermäßige Mengen der PFOS-Chemikalie in die Schelde ein

Recherchen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks VRT zufolge hat das Chemieunternehmen 3M in den letzten Jahren wiederholt überhöhte Mengen an PFOS aus seinen Abwässern in die Schelde eingeleitet. Die flämischen Behörden waren sich dessen bewusst, haben aber kaum was dagegen getan. Erst wurde gegen 3M ein Bußgeld in Höhe von 7.200 Euro verhängt. 

Seit 2006 messen die flämische Umweltagentur VMM, die Umweltinspektion und die flämische Abfallwirtschaftsbehörde Ovam regelmäßig die Konzentrationen von Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) im Abwasser. 

Die PFOS-Konzentration scheint von 3M verursacht worden zu sein. Das Chemiewerk soll mehr PFOS eingeleitet haben, als die seine Umweltgenehmigung aus dem Jahr 2008 mit einem Höchstwert von 30 Mikrogramm pro Liter vorsah. Die Behörden haben bis zu 500 Mikrogramm pro Liter mehr PFOS gemessen, das 16-fache der maximalen Norm.  

Keine Reaktion

Allerdings haben die Messergebnisse nicht viel gebracht. Die VMM hat ihre Ergebnisse von 2011, die die höchsten Messwerte enthielten, nicht an die Umweltinspektion weitergeleitet, welche für die Verhängung von Sanktionen zuständig ist.  

Die Behörde argumentiert jetzt, dass die Messtechniken noch nicht ausgereift waren und dass es keine Vereinbarung oder Anweisung gab, die Ergebnisse weiterzugeben. 

2016 hatte die VMM die Überschreitung der Höchstwerte wohl gemeldet, aber es folgte keine Sanktion, da die von der Umweltinspektion selbst durchgeführten Messungen von den VMM-Ergebnissen abwichen.  

Auch die flämische Regierung wurde informiert, ergriff aber lange Zeit keine Maßnahmen. Erst 2019 wurde die Umweltinspektion aktiv und erstattete Anzeige wegen der Einleitung von ungeklärtem Regenwasser. Im Dezember 2020 erhielt 3M eine Geldbuße von 7.200 Euro.  

Untersuchungsausschuss soll aufklären

In der Zwischenzeit sind die PFOS-Konzentrationen gesunken und es wurden strengere Standards eingeführt. Joke Schauvliege (CD&V), flämische Umweltministerin von 2009 bis 2019, hat sich in einer kurzen Reaktion gegenüber der VRT darauf beschränkt, auf den Untersuchungsausschuss zu verweisen, der aufklären soll. 

Auch die aktuelle Umweltministerin Zuhal Demir (N-VA) will der Arbeit des Untersuchungsausschusses nicht vorgreifen. "Ich gehe davon aus, dass alle beteiligten Dienststellen und ihre Zusammenarbeit Gegenstand der Untersuchungen sein werden. Wenn es einen Fehler im System oder eine zu starke Abschottung gab, muss dies für die Zukunft korrigiert werden."  

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