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Steuerhinterziehung? Der belgische Fiskus nimmt den Profifußball ins Visier

Die belgische Steuerfahndung (BBI) hat aktuell einen Fokus auf den Profifußball gelegt und durchleuchtet den gesamten Sektor. Die Steuerfahnder sollen im Auftrag des Bundesfinanzministeriums herausfinden, ob es in den letzten Jahren hier zu möglichen Steuerhinterziehungen gekommen ist und wenn ja, in welchem Umfang und auf welchem Wege. 

In diesem Zusammenhang laufen gerade 57 konkrete Untersuchungen nach dem Tun und Lassen von Fußballclubs, Spielermaklern und auch Spielern und deren Beratern. Dabei schauen sich die Steuerfahnder die Buchhaltung, Rechnungen und andere relevante Dokumente an. Nach einer Meldung der flämischen Wirtschaftszeitung De Tijd will der Fiskus aufgrund des Ermittlungsgeheimnisses keine Angaben zu betroffenen Personen oder Vereinen machen, doch angeblich sind so gut wie alle in Belgien aktiven Fußballclubs dabei: 18 Vereine aus der ersten Liga und 6 aus der zweiten Liga, auch als Liga 1B bekannt.

Bei einigen dieser Vereine soll die Steuer Akten von 7 Jahren rückwirkend begutachten, so De Tijd. In den anderen Fällen gehen die Steuerfahnder aber nur 3 Jahre zurück. Dass eine solche Aktion des Fiskus gegen den Fußball läuft, mag niemanden in unserem Land mehr überraschen. Vor 3 Jahren hatte die belgische Justiz mit der „Operation Zero“ umfassende Untersuchungen in Sachen Geldwäsche und Betrug im Profifußball durchgeführt, bei denen so einiges ans Tageslicht kam, z.B. in Sachen Spielertransfers. Die aktuelle Aktion des Fiskus ist eine direkte Folge der damaligen juristischen Ermittlungen.

Steuer und Justiz kooperieren

Laut Bundesfinanzministerium stehen nicht alle aktuell laufenden Untersuchungen in Zusammenhang mit den Ermittlungen von damals, doch die BBI hat Einblick in die Gerichtsakten gehabt, wie es in einer Mitteilung des Ministeriums heißt: „In erster Linie konzentrieren sich die Untersuchungen auf steuerlich relevante Fakten, die die juristischen Ermittlungen als Licht gebracht haben.“ Die Steuerfahnder ermitteln z.B. in Sachen Provisionen und Maklergebühren bei Transfers oder auch zu Sonderzahlungen für Trainer und Spieler mit allen möglichen Steuertricks und über fiskale Konstruktionen über das Ausland. 

Millionen an gezahlten Provisionen

Offiziell zahlten die belgischen Fußballclubs in der Saison 2019-2020 der Steuer 46,3 Mio. € Abgaben auf Provisionen bei einem angemeldeten Umsatz von 373,5 Mio. €. 12 % der Umsätze der Vereine gingen an Makler… Da die belgischen Finanzbehörden in den letzten Jahren mehr und mehr auf Transparenz setzen und gerade auch in Sachen Fußball eine Reform der Besteuerung planen, könnte auf alle Beteiligten einiges zukommen, so De Tijd.

Alle Vereine müssen sich in ihrem Finanzgebaren seit dem 1. Juli 2021 an das neue Anti-Geldwäsche-Gesetz halten, was zur Folge hat, dass diese auch selbst im Kampf gegen illegale finanzielle Machenschaften oder gegen das Waschen von Geld aus kriminellen Kreisen aktiv werden müssen. Bundesfinanzminister Vincent Van Peteghem (CD&V) und sein Kollege aus dem Sozialressort, Frank Vandenbroucke (Vooruit), legen übrigens im Herbst Vorschläge auf den Tisch, mit denen drastische Einschnitte in die steuerlichen Vorteile, von denen der Profifußball in den letzten Jahren profitieren konnte, vorgenommen werden sollen. Dabei geht es um hunderte Millionen Euro jährlich… 

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