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Beispiel Frankreich: Sollen auch in Belgien alle Beschäftigten im Pflegebereich zur Corona-Impfung verpflichtet werden?

Frankreich und Griechenland verpflichten alle Beschäftigten im Pflegesektor dazu, sich gegen das Coronavirus Covid-19 impfen zu lassen. Damit will Frankreichs Staatspräsident Macron zurück „zum Leben vor der Coronakrise“. Auch in Belgien werden Stimmen laut, die eine solche Verpflichtung fordern, sogar aus dem Pflegesektor selbst.

Belgien müsse dem Beispiel Frankreichs und Griechenlands folgen, sagt z.B. Margot Cloet (Foto unten), die Vorsitzende des Pflegedachverbands „Zorgnet-Icuro“, dem größten Pflege- und Krankenhausverband in Flandern. Cloet gibt an, dass eine solche Verpflichtung im Rahmen der Gesetzlichkeit bleibe: „Wir haben heute verpflichtete Impfungen gegen Hepatitis B und diese ist im Gesetz zum Wohlergehen am Arbeitsplatz festgeschrieben. Das müsste auch für die Impfung gegen das Coronavirus geschehen.“

Margot Cloet und ihr Pflegeverband fordern eine solche Impfpflicht gegen Covid-19 nicht erst seit gestern: „Wir fordern schon lange eine verpflichtete Impfung für das Pflegepersonal. Ich glaube, dass das wenig Diskussionsbedarf braucht.“

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter) 

Margot Cloet, Zorgnet-Icuro
Nicolas Maeterlinck

Für sie ist es logisch, dass sich das Pflegepersonal im hiesigen Gesundheitswesen impfen lassen muss, denn das Personal kann das Virus selbst übertragen und mit einer Impfung könnten sich die Beschäftigten hier sowohl selbst schützen, als auch die anfälligen Menschen, mit denen sie täglich arbeiten: „So können sie die Kontinuität der Pflege besser garantieren. Für uns ist das so sicher, wie das Amen in der Kirche, dass es zu einer verpflichteten Impfung für das Pflegepersonal kommen muss.“

Das sei kein Angriff auf die persönliche Integrität der Betroffenen und auch nicht auf deren Privatleben. Sie hofft jetzt, dass sich die Gewerkschaften und die Arbeitgeber im Gesundheits- und Pflegebereich für einen solchen Schritt entscheiden und diesen mit tragen: „Dann können sie den Ministern für Arbeit und Gesundheit ein Gutachten vorlegen, das in einen Gesetzestest einfließen kann und dann kann auch das Parlament darüber entscheiden.“

Dringlichkeit

Man sollte in dieser Frage nicht mehr zögern, so Cloet, denn ab dem 21. Juli beginnen die parlamentarischen Sommerferien. Also ist hier ihrer Ansicht nach absolute Dringlichkeit angesagt. Die Angelegenheit sollte auch am kommenden Freitag (16. Juli) auf der Tagesordnung des Konzertierungsausschusses von Bund, Ländern und Regionen stehen, wenn sich dieser wieder mit den Corona-Maßnahmen und mit dem aktuellen Infektionsgeschehen in Belgien befasst.  Schon am kommenden Mittwoch (14. Juli) beschäftigen sich die Gesundheitsminister mit dieser Frage.

Es mehren sich die Forderungen nach einem solchen Schritt

Inzwischen häufen sich die offenen Forderungen nach einer verpflichteten Impfung des Pflegpersonals: So ist das Ärzte-Syndikat BVAS dafür und spricht hier von einer „kollektiven und deontologischen Verantwortung“, die wichtiger sei als die persönliche Freiheit, sich nicht impfen zu lassen.  

Ähnliches verlautet auch aus dem staatlichen wissenschaftlichen Gesundheitsamt Sciensano. Dazu sagte der Virologe und Sprecher der Einrichtung Yves Van Laethem gegenüber der frankophonen Tageszeitung Le Dernière Heute, dass „die Türen dahingehend nicht mehr geschlossen sind.“

Die Gewerkschaften sind ebenfalls nicht grundsätzlich gegen eine Impfpflicht für die Pflegepersonale, wollen jedoch, dass dazu ein Gutachten vom Hohen Rat für Prävention und Schutz am Arbeitsplatz erstellt wird. In diesem Rat sitzen Vertreter sowohl aus dem sozialen Bereich, als auch juristische Fachleute. 

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