In der Altstadt von Löwen sind zahlreiche Kollegs zu entdecken, Gebäude, die eher unscheibar wirken und doch das Stadtbild prägen
Andreas Kockartz/VRT

Kulturgeschichte: Einige der Kollegs in der Universitätsstadt Löwen haben eine deutsche Geschichte

Seit Jahrhunderten schon strömen Studierende aus allen Richtungen in die Universitätsstadt Löwen in der Provinz Flämisch-Brabant. Die Katholische Universität Löwen (KU Leuven) wurde schon 1425 gegründet und die Zahl derer, die hier studierten, ist enorm hoch. Doch wo wohnten diese Studierenden? In den sogenannten Kollegs. Einige von ihnen haben auch einen deutschen Hintergrund, wie der Historiker Edward De Maesschalck in einem Buch über die Löwener Kollegs beschreibt.

Viele der Kollegs in Löwen sind von reichen Wohltätern gegründet worden. Diese wollten sicherstellen, dass ihre Nachkommen, Freunde und Bekannte und mitunter sogar Kinder von mittellosen Familien in Löwen während ihres Studiums ein Unterkommen haben. In diesen Kollegs wurde nur gewohnt und gelernt. Lesungen und Unterrichte fanden in der Frühzeit der Unis in der sogenannten „Halle“ (für theologische Fächer) und in als „Pädagogie“ bezeichneten Räumen statt, bevor mehr und mehr Institute und Hörsäle entstanden. 

Drei dieser Kollegs haben einen deutschen Hintergrund: Das Luxemburg-Kolleg aus dem Jahr 1595, das Deutsche Kolleg aus dem Jahr 1622 und das Hogenheuvel-Kolleg aus dem Jahr 1683.

Das Luxemburg-Kolleg

Das Luxemburg-Kolleg wurde 1595 gebaut und beherbergte von 1619 bis 1806 alle deutschsprachigen Studenten aus dem Herzogtum Luxemburg, die an der Löwener Uni Philosophie, Theologie, Kirchenrecht oder Zivilrecht studierten. Die Familie Függer hatte das ursprüngliche Gebäude von einem Jan Myluis geerbt und gründete das Kolleg 1619. Vom ersten Kollegbau ist heute nichts mehr übrig und das neue heute noch bestehende Gebäude entstand am gleichen Standort in der Vaartstraat (Foto).

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Das Luxemburg-Kolleg
Andreas Kockartz/VRT

Das Gebäude ist riesig und teilweise im Rokoko-Stil errichtet. Doch hier lebten höchstens 15 Studierende auf einmal. Im Laufe der Zeit war die Katholische Universität für die Französischen Niederen Lande nicht mehr wirklich interessant und das Kolleg wurde 1809 aufgegeben. Danach war hier eine Kaserne für Feuerwehrleute und Gendarmen eingerichtet und später wurde der Innenhof eine Manege für die Kavallerie.

Ab 1852 zog hier eine Sekundarschule ein. Das Luxemburg-Kolleg ist seit 1994 denkmalgeschützt und wurde seither mehrmals restauriert. Eine Zeit lang waren hier das Arbeitsgericht und das Handelsgericht des Gerichtsbezirks Löwen untergebracht. Heute wird nach einer neuen Bestimmung für den Gebäudekomplex gesucht, der von der staatlichen belgischen Gebäuderegie verwaltet wird. 

Das Deutsche Kolleg

Das Deutsche Kolleg in Löwen entstand 1622 und wurde von dem Aachener Edmond Huyn van Amstenrade gegründet, der zu dieser Zeit Landkommandant von Alden Biesen war. Er gründete das Deutsche Kolleg in Löwen für angehende Priester, die für den Deutschen Orden bestimmt waren. Die Studierenden kamen aus vielen Städten in Limburg, aber auch aus Köln oder Aachen. Dazu erwarb Van Amstenrade das Karmeliter-Kloster in der Steenstraat (heute Brusselsestraat).

Im Laufe der Jahre wurden die Gebäude, die zu diesem Komplex gehörten, modernisiert und einige Teile, vor allem die, die am Ufer der Dijle gelegen waren, wurden abgerissen und neu aufgebaut. Als das Kolleg ausgedient hatte, wurde daraus im 19. Jahrhundert eine Schule und später ein Kinderheim. Heute ist davon nichts mehr übrig, denn der gesamte Gebäudekomplex fiel während des Ersten Weltkriegs den brandschatzenden Deutschen zum Opfer und brannte bis auf die Grundmauern nieder. 

Das Hogenheuvel-Kolleg

Das spätere Hogenheuvel-Kolleg wurde gegen Ende des 15. Jahrhunderts von Golin van t’Sestich gebaut. Dort lebte in den 1670er Jahren der apostolische Vikar Van Neercassel. Damals hieß die Straße, wo das Anwesen stand und heute noch steht Proefstraat. Heute heißt diese Straße Naamsestraat. Ein Teil dieses Gebäudes, das als „De Spiegel“ bekannte Teilstück, besticht durch seinen gotischen Giebel (Foto).

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Die gotische Fassade am Hogenheuvel-Kolleg
Andreas Kockartz/VRT

Das Hogenheuvel-Kolleg entstand 1683, als die Priesterstudenten aus Utrecht vom gleichnamigen in Köln nach Löwen umzogen. Ein (recht profaner) Grund für diesen Umzug war der Umstand, dass in Köln der Wein sehr günstig war und dass die Studenten dort zu viel tranken und zu wenig studierten… Erworben wurde der Gebäudekomplex 1682 vom Vikariat Utrecht. Ein Jahr später zogen die Studierenden hier ein. In Erinnerung an die Kölner Zeit wurde am Eingangstor die Aufschrift „Collegium Alticollense“ angebracht. In diesem Kolleg befindet sich heute ein Teil der Fakultät für angewandte Wissenschaften der KU Leuven. 

Alles Wissenswerte über die zahlreichen Kollegs in Löwen sind im Nachschlagwerk „Leuven en zijn Colleges - Trefpunt van intellectueel leven in de Nederlanden (1425-1797)“ von Edward De Maesschalck (in niederländischer Sprache) zu finden. Das Buch ist im Verlag „Sterck & De Vreese“ erschienen. De Maesschalck ist Historiker an der Löwener Universität und Programm-Berater beim VRT-TV-Sender Canvas. 

Der Eingang zum Luxemburg-Kolleg
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