Virologe Steven Van Gucht mahnt zur Vorsicht vor weiteren möglichen Lockerungen

Der Virologe Steven Van Gucht (KU Leuven, Sciensano - Foto) sagte am Mittwochmittag in den VRT-Mittagsnachrichten, dass man noch mindestens 4 Wochen warten sollte, bevor man neue Lockerungen der Corona-Maßnahmen durchführen kann. Zunächst sollten die Gesundheitsbehörden und die Politik das Infektionsgeschehen im Auge behalten.

Im aktuellen Stadium der Pandemie sollte das Ziel sein, die Ansteckungszahlen auf einem vertretbaren Niveau zu halten, so Van Gucht: „Ich glaube nicht, dass es nötig ist, strengere Maßnahmen zu erlassen, wie in den Niederlanden, wo die Zahlen stark nach oben gegangen sind. Bei uns hält es sich vergleichsweise noch in Grenzen, auch wenn wir einen auffallenden Anstieg haben. Es bleibt abzuwarten, wohin die Zahlen noch gehen. Ich plädiere dafür, dass wir die Zahlen in den kommenden 4 Wochen abwarten, bevor wir neue Lockerungen durchführen.

Es bleibt abzuwarten, wohin die Zahlen noch gehen. Ich plädiere dafür, dass wir die Zahlen in den kommenden 4 Wochen abwarten, bevor wir neue Lockerungen durchführen.“

Virologe Steven Van Gucht

Aktuell würden rund 65 % der neuen Ansteckungen mit dem Coronavirus Covid-19 die Delta-Vatiante (auch als indische Variante bekannt), betreffen. Jede zweite Infizierung komme inzwischen bei jüngeren Leuten unter 25 vor: „Meistens handelt es sich bei ihnen aber um milde Krankheitsverläufe. Doch wir sehen auch wieder einen leichten Anstieg bei älteren Bevölkerungsgruppen. Das sind Personen, die zwar geimpft sind, aber noch nicht vollständig. Manchmal sind da auch anfällige Personen zwischen, bei denen die Impfstoffe nicht so gut wirken. Das kann Folgen haben.“

Verdreifachung der Ansteckungszahlen innerhalb von 3 Wochen

Vorher bemerkte Van Gucht beim wöchentlichen Pressebriefing des staatlichen wissenschaftlichen Gesundheitsamtes Sciensano, dessen Leiter er ist, dass die Ansteckungszahlen aktuell deutlich ansteigen: „Es werden mehr als 1.000 Infizierungen pro Tag festgestellt. Das ist eine starke Zunahme, die dreimal so hoch liegt, wie vor 3 Wochen. Etwa alle 8 Tage sehen wir eine Verdoppelung. Dieses Tempo wird wohl noch eine Zeit lang andauern, doch es wird vermutlich nicht zu einer kräftigen Zunahme kommen.“

Es gibt immer noch eine starke Zirkulation des Virus in Belgien.“

Virologe Steven Van Gucht

Neben der Feststellung von zahlreichen Ansteckungen mit Corona durch Reisetätigkeiten nehme aber auch die reale Zahl der Infizierungen zu, so Van Gucht: „Wir sehen das am Prozentsatz der positiven Tests. Das ist auffallend bei Leuten gestiegen, die sich mit Corona-Symptomen oder nach Hochrisikokontakten testen ließen. Es gibt immer noch eine starke Zirkulation des Virus in Belgien.“ 

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